Die  Rüchkehr  Napoleons  und  der  zweite  Pariser  Friede.  435

—.

gärte,  und  rasch  entschlossen  landete  er  am  1.  März  1815  mit  neunhundert  Soldaten  bei
Cannes.  Eine  pomphafte  Proklamation  verkündete  seine  Landung,  überall  gingen  die
Truppen  zu  ihm  über,  ratlos  und  bestürzt  verließen  die  Bourbonen  zum  zweiten  Male
den  heimatlichen  Boden.

Die  Herrschaft  der  hundert  Tage  begann  für  Napoleon  unter  den  glücklichsten
Anzeichen.  Lucien  Bonaparte  gab  dem  Kaiser  den  Rat,  einen  Volkskrieg  mit  demokratischen
Massen  zu  organisieren,  allein  hierzu  konnte  sich  Napoleon  nicht  entschließen,  und  wenn
er  es  auch  anfangs  über  sich  gewinnen  mochte,  durch  Gewährung  der  Preßfreiheit  und
anderer  Privilegien  der  herrschenden  Zeitströmung  Rechnung  zu  tragen,  so  mußte  man
doch  bald  erkennen,  daß  es  ihm  damit  nur  wenig  ernst  war.

Die  Nachricht  von  Napoleons  Rückkehr  brachte  große  Verwirrung  in  den  Wiener
Kongreß.  Oesterreich  und  Rußland  schienen  nicht  abgeneigt,  mit  Napoleon  aufs  Neue  in
Unterhandlungen  zu  treten,  und  nur  die  Unbesonnenheit  Murats  war  es,  welche  bald
entscheidend  in  den  Gang  der  Dinge  eingreifen  sollte.

Murat  war  nach  dem  russischen  Feldzug  nach  Neapel  zurückgekehrt.  Bald  glaubte
er,  durch  alle  möglichen  Vorgänge  bestimmt,  gegen  Napoleon  Hilfe  in  einem  Bündnis
mit  Oesterreich  suchen  zu  sollen,  zog  zur  Belagerung  Anconas  und  der  Engelsburg  in
Rom  aus,  während  Eugen  Beauharnais  nur  mit  Mühe  der  österreichischen  Uebermacht
Widerstand  leistete.  Allein  nach  Napoleons  Sturz  zogen  die  Oesterreicher  in  Venedig
ein,  eine  provisorische  Regierung  wurde  eingesetzt  und  überall,  in  der  Lombardei,  wie  in
Italien,  suchte  man  alle  Spuren  napoleanischer  Herrschaft  zu  vertilgen.

Murat  hatte  indessen  durch  alle  diese  Wechselfälle  beunruhigt,  Frieden  mit  Napoleon
geschlossen;  die  Verbündeten  hegten  Mißtrauen  gegen  ihn,  auf  dem  Wiener  Kongreß  ließ
man  seine  Gesandten  nicht  zu  und  die  Aussicht  auf  Erhaltung  seines  neapolitanischen
Königreichs  schwand  immer  mehr.  So  faßte  er  denn  den  Entschluß,  seine  Sache  mit
derjenigen  Napoleons  zu  verbinden;  auf  die  Kunde  von  der  Abfahrt  Napoleons  von  Elba
rückte  er  mit  30  000  Mann  nach  dem  Kirchenstaat  vor,  allein  wenn  er  auch  augenblicklich
einigen  Erfolg  errang,  so  mußte  er  doch  bald,  als  ihm  nun  ein  an  Zahl  weit  überlegenes
  österreichisches  Heer  entgegenrückte,  seine  veränderte  Lage  erkennen.  In  dem
zweitägigen  Treffen  bei  Tolentino  am  2.  und  3.  März  1815  wurde  er  besiegt  und  eilte
nach  Neapel,  um  dort  Rettung  zu  finden.  Allein  von  seinen  Friedensanträgen  wollte
man  österreichischerseits  nichts  wissen,  und  gerade  sein  Vorgehen  mahnte  die  Verbündeten
an  eine  einheitliche  und  strenge  Beobachtung  ihrer  diplomatischen  Verhandlungen  gegen
Napoleon.  Dieser  versuchte  jetzt  vergeblich  Unterhandlungen  mit  England  und  Rußland
anzuknüpfen.  Schon  im  März  wurde  Napoleon  für  einen  Feind  und  Störer  des  Weltfriedens
  erklärt  und  militärische  Rüstungen  im  großen  Maßstabe  zeigten  an,  daß  man
dementsprechend  gegen  ihn  vorgehen  werde.

Noch  stand  an  der  belgisch-französischen  Grenze  ein  preußisch-sächsisches  Heer  und
in  den  Niederlanden  lagen  englisch-holländisch-hannoversche  Truppen.  Man  durfte  wohl
einen  Angriff  nach  dieser  Seite  hin  von  Napoleon  erwarten.  Blücher  und  Wellington
erhielten  den  Oberbefehl  über  die  dort  aufgestellten  Truppen,  über  eine  halbe  Million
Soldaten  setzte  man  gegen  den  Imperator  in  Bewegung.  Dieser  glaubte  nun  nicht  mehr
lange  zögern  zu  dürfen,  und  so  rückte  er  dann,  ohne  Kriegserklärung  mit  vier  Armeekorps
  gegen  die  Niederlande  vor,  drängte  bei  St.  Amand  und  Ligny  die  Preußen  nach
tapferster  Gegenwehr  zurück  und  in  der  Schlacht  bei  Quatrebas  hielt  Ney  mit  Erfolg

.