Gärungen  und  Klärungen
in  Deutschland.  —  a

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Deutschland  bis  zum  Jahre  1830.

ür  lange  Zeit  schien  nun  die  Ruhe  Europas  begründet.  Deutschland  freilich  war
in  seinen  innersten  nationalen  Bedürfnissen  am  wenigsten  befriedigt.  Was
konnte  es  von  dem  Frankfurter  Bundestag  erwarten,  dessen  Mißverhältnisse  ja
wohl  im  Anfang  weniger  zu  Tage  traten,  da  die  beiden  Großmächte  durch  die  heilige
Allianz  mit  einander  verbunden,  ein  so  starkes  Uebergewicht  hatten,  daß  die  übrigen
Staaten  ihnen  unbedingt  folgen  mußten.  So  lange  Preußen  sich  dem  österreichischen
Einfluß  willig  hingab,  ging  es  auch  noch  erträglich,  allein  sobald  dieses  einmal  nicht
mehr  blos  Diener  und  Werkzeug  sein  wollte,  zeigte  es  sich,  daß  die  Dauer  des  Bundes
eine  unhaltbare  sei.

Die  nun  anbrechende  lange  Friedenszeit  wäre  ganz  darnach  angetan  gewesen,  die
geistige  Blüte  Deutschlands  zu  heben  und  zu  kräftigen.  Allein  der  deutschen  Nation
fehlte  die  frische  und  ungehemmte  Entwickelung  und  es  fehlte  ihr  vor  allen  Dingen  die
Einigkeit  im  Innern.  Der  freiheitlichen  Entwickelung  der  deutschen  Staaten  stand
Oesterreich  unter  Leitung  Metternichs  stets  im  Wege,  da  dieser  nach  und  nach  auch  die
heilige  Allianz  ganz  seinen  Zwecken  dienstbar  gemacht  hatte.  Kaiser  Franz  I.  teilte  mit
seinem  Minister  die  Abneigung  gegen  jede  Freiheit  und  Selbständigkeit  und  so  versank
Oesterreich  selbst  allmählich  in  eine  Schlaffheit  und  in  ein  Genußleben,  das  auch  unter
Ferdinand  I.  (1835—1848)  fortdauerte.

Unter  dem  entnervenden  Drucke  Oesterreichs  stand  auch  Deutschland.  Dort  sehnte
man  sich  nach  jahrelangen  Kriegsjahren  nach  Frieden  und  nach  einer  festen  Ordnung.
Man  wollte  in  Ruhe  arbeiten  und  sein  bescheidenes  Glück  genießen  können.  Es  waren
deshalb  nur  vereinzelte  Stimmen,  zum  Teil  von  Männern,  die  einst  die  Erhebung  von
1813  mit  gefördert  hatten,  die  mahnten,  daß  die  Nation  nicht  in  Schlaffheit  versinken
dürfe,  und  daß  sie  ein  Anrecht  auf  die  Erfüllung  der  Verheißungen  habe,  die  ihr  bei  der
großen  Erhebung,  besonders  durch  den  Aufruf  von  Kalisch  gegeben  worden  waren.  Am
meisten  wirkten  diese  Stimmen  auf  die  Jugend,  besonders  auf  die  der  Universitäten  und