Die  Kevolntionejahre.  449

stände  zugestand.  Auch  deren  Befugnisse  waren  freilich  nur  sehr  gering,  und  so  blieb
die  eigentlich  nationale  Aufgabe  Preußens  unerfüllt.  Auf  anderem  Gebiete  freilich  regte
sich  doch  dort  der  Fortschritt.  Die  allgemeine  Wehrpflicht  und  die  Landwehr  wurden
zum  Gesetz  und  auch  für  die  geistige  Bildung  wurde  rastlos  gesorgt.  In  erster  Linie
aber  war  es  die  auf  Preußens  Anregung  zustande  gekommene  Gründung  des  Zollvereins
  (1834),  in  welchem  sich  das  außerösterreichische  Deutschland  zum  größten  Teil
verband.  Ueberraschend  schnell  zeigten  sich  die  Vorteile  dieses  Vereins  für  Handel  und
Verkehr,  und  mit  dem  Aufschwung  des  Handels  ging  auch  derjenige  der  Landwirtschaft
Hand  in  Hand.

Am  7.  Juni  1840  starb  Friedrich  Wilhelm  III.  und  ihm  folgte  sein  Sohn  Friedrich
Wilhelm  IV.  (1810.—1861),  dessen  erste  Regierungsjahre  vom  Volke  mit  Freuden  begrüßt
  wurden,  damals  gerade  ertönte  wieder  Kriegsgeschrei  von  Frankreich  herüber,  und
Friedrich  Wilhelm  war  es,  der  die  Abwehr  dieser  Gefahr  durch  das  gesamte  Deutschland
ins  Auge  faßte.  Allein  Metternich  stellte  sich  auch  dieser  Bewegung  in  den  Weg,  und
bald  folgte  der  ersten  Begeisterung  in  Preußen  Ernüchterung,  als  der  König  zwar  die
Provinzialstände  anerkannte,  aber  Reichsstände  bestimmt  ablehnte.

„Daß  der  König  der  Presse  größere  Freiheit  gegeben  hatte,  bot  indeß  die  Möglichkeit,
immer  lauter  und  eindringlicher  und  allgemeiner  den  Ruf  nach  der  1815  versprochenen
Verfassung  zu  wiederholen.  Die  Erregung  drang  in  alle  Schichten  der  Bevölkerung  und
besondere  Veranlassungen,  wie  die  Frage  der  Nachfolge  in  Schleswig-Holstein,  ein  Polenaufstand
  in  Krakau,  religiöse  Bewegungen,  ließen  die  Wogen  nur  immer  höher  gehen,  —
da  erschien  am  2.  Februar  1847  ein  Erlaß,  durch  den  die  acht  Provinziallandtage  als
Vereinigter  Landtag,  der  in  zwei  Kurien  beraten  sollte,  für  den  April  des  Jahres  einberufen
  wurde.  Preußen  war  nun  ein  Verfassungsstaat,  aber  die  öffentliche  Meinung
war  mit  dieser  Verfassung  wenig  zufrieden.  Die  Zusammensetzung  des  Landtags  wurde
vielfach  angegriffen  und  die  Rechte,  die  der  Volksvertretung  eingeräumt  waren,  wurden
allgemein  nicht  für  ausreichend  erachtet.  Vor  allem  erregte  es  Anstoß,  daß  der  Landtag
nur  nach  freiem  königlichen  Ermessen,  nicht  all  jährlich  berufen  werden  sollte,  daß  er  nur
über  neue  Steuern  beschließen,  dagegen  über  die  Ausgaben  des  Staates  und  über  die
Gesetzgebung  beraten  sollte.  Die  Presse  wie  die  Literatur  des  „jungen  Deutschlands“
nährte  die  Unzufriedenheit.  Der  lange  tatenlose  Friede  erzeugte  in  den  Geistern  eine
ähnliche  Stimmung  und  Haltung,  wie  sie  Preußen  vor  seinem  Falle  1806  erlebt  hatte.
So  begann  der  sichere  Grund  des  Vertrauens  und  der  Treue  wankend  zu  werden.“

Die  Rebolutionsjahre  1848  —  1851.

Nachhaltiger  als  die  Julirevolution  drohte  die  französische  Februarrevolution,  durch
welche  im  Jahre  1848  dem  Bürgerkönigtum  Ludwig  Philipps  ein  Ende  gemacht  und  die
Republik  hergestellt  wurde,  auf  Deutschland  zurückzuwirken.  In  sämtlichen  deutschen
Staaten  erhob  sich  die  Bevölkerung,  um  in  Tausenden  von  Petitionen  von  ihren  Fürsten
Preßfreiheit,  allgemeine  Volksbewaffnung,  Vertretung  der  Völker  beim  Bunde  und  einheitliche

  Leitung  der  äußeren  und  inneren  Handelspolitik  wie  des  Heerwesens  zu  ver-Ebner,
  Illustrierte  Geschichte  Deutschlands.  30