—  —  —  —  —2

Ô  e  e  ee.  ŸÛ  —Ÿ  —  —  —  —

Die  Revolationeiahre.  451

durch  die  Annahme  der  Reichsverfassung  und  das  fügsamste  Zusammengehen  mit  dem
Parlamente  vorzubeugen  gesucht.  Auch  hier  versagte  das  Militär  den  Offizieren  den
schuldigen  Gehorsam,  und  überließ  sich  der  vollständigsten  Zügellosigkeit.  Der  Großherzog
Leopold  flüchtete  am  14.  Mai  über  den  Rhein,  worauf  die  wehrbare  Mannschaft
unter  die  Waffen  gerufen,  eine  konstituierende  Versammlung  ausgeschrieben  und  eine
provisorische  Regierung  eingesetzt  wurde.

Diesem  revolutionären  Treiben  gegenüber  erwiesen  sich  alle  Besehle  und  Proklamationen
  des  Parlaments  machtlos;  nur  durch  Waffengewalt  konnte  der  Aufstand  bewältigt
  werden.  Während  der  Reichsverweser  den  General  Peucker  mit  Reichstruppen
gegen  die  von  dem  Polen  Miroslawski
  angeführten  badischen  Aufständischen
  entsandte,  rückte  der  Prinz
von  Preußen,  der  älteste  Bruder
Friedrich  Wilhelms  IV.  von  Kobleng
aus  mit  einem  Heere  in  die  Rheinpfalz
  ein,  zersprengte  die  dortigen
Freischaren,  ging  dann  bei  Philippsburg
  über  den  Rhein  und  drängte
in  Verbindung  mit  Peucker  die  badischen
Truppen  nach  einer  Reihe  siegreicher
Gesechte  bis  an  den  Oberrhein  zurüück,
worauf  sich  dieselben  am  30.  Juni
1849  auf  Schweizer  Boden  retteten.  n1

An  dem  gleichen  Tage,  ai..  ——.
welchem  die  durch  langjährige  Agi-  Er***
tation  betörte  Bevölkerung  der  Rhein-  ·
pfalz  die  Fahne  der  Empörung  aus-  #  74
gepflanzt,  war  auch  in  Dresden  in-  *
folge  der  Weigerung  der  Regierung
die  Reichsverfassung  anzunehmen,  ein
Aufstand  ausgebrochen,  der  jedoch,  obgleich
  schon  lange  in  umfassender
Weise  vorbereitet,  innerhalb  8  Tagen
von  den  preußischen  Truppen  im  Vereine
  mit  dem  sächsischen  Militär  niedergeschlagen
  wurde.  Das  gleiche  Schicksal  hatten  verschiedene  Aufstände  in  Westfalen  und
der  preußischen  Aheinprovinz;  überall  wurde  das  Militär  mit  leichter  Mühe  Herr  der
schlecht  geleiteten  und  überdies  wenig  zahlreichen  Rebellen.

Unterdessen  hatte  das  Parlament,  nachdem  es  auf  105,  meist  der  republikanischen
und  demokratischen  Richtung  angehörige  Mitglieder  zusammengeschmolzen  war,  am
30.  Mai  1849  seine  Sitzungen  in  Frankfurt  eingestellt,  und  war  nach  Stuttgart  übergesiedelt,
  wo  es  am  6.  Juli  den  Reichsverweser  für  abgesetzt  erklärte,  und  eine  aus  fünf
Mitgliedern  bestehende  Reichsregentschaft  einsetzte.  Doch  schon  am  18.  Juli  ließ  die
württembergische  Regierung  das  „Rumpfparlament“,  das  der  Aufforderung  zum  Verlassen
der  Stadt  keine  Folge  geleistet  hatte,  durch  Militär  auseinandersprengen,  wobei  es  jedoch

#

Generalfeldmarschall  von  Wrangel.