Die  neue  Atra  in  Deulschland.  455

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und  Deutschlands  Erniedrigung  und  Erhebung  unter  Napoleon  gesehen,  bei  Bar-sur-Aube
hatte  er  sich  das  eiserne  Kreuz  erworben  und  war  mit  den  verbündeten  Monarchen  in
Paris  eingezogen;  aufgewachsen  in  dem  altpreußischen  Begriff  strenger  und  selbstloser
Pflichterfüllung,  widmete  er  seine  Dienste  namentlich  dem  Heere,  zu  dessen  Oberbefehlshaber
  er  von  seinem  Bruder  ernannt  wurde.  Das  Jahr  1848  reichte  auch  ihm  den  Kelch
bitterer  Erfahrungen,  aber  schon  im  Jahre  1849  stand  er  wieder  an  der  Spitze  der  Armee
und  dämpfte  den  badischen  Ausstand,  worauf  er  zum  Militärgouverneur  von  Rheinland
und  Westfalen  ernannt,  seinen  Sitz  in  Koblenz  nahm.

Sofort  nach  dem  Antritt  seiner  Regentschaft  berief  Wilhelm  I.  an  die  Spitze  des
seitherigen  Ministeriums  Manteuffel,  den  Fürsten  Anton  von  Hohenzollern.  Frische
Hoffnung  belebte  alle,  nachdem  der  neue  Herrscher  erklärt  hatte,  daß  Preußen  überall
bereit  sei,  das  Recht  zu  schügen.  Man  bezog
dieses  Versprechen  namenllich  auf  Holstein
und  Hessen  und  bald  sollte  auch  die  Gelegenheit
  zum  Handeln  kommen.  In  Italien  entstand
  ein  Zerwürfnis  zwischen  König  Victor
Emanuel  von  Sardinien  und  zwischen
Oesterreich.  In  Deutschland  neigte  man  mehr
auf  die  Seite  Italiens,  als  aber  Victor
Emanuel  und  sein  Minister  Cavour  sich  mit  dem
seit  dem  2.  September  1852  Frankreich  beherrschenden
  Kaiser  Napoleon  III.  verbanden,
und  die  französischen  Heere  über  die  Alpen
rücktren,  da  besann  man  sich  doch  auf  die
deutsche  Zusammengehörigkeit.  Aber  Oesterreich
  glaubte  Preußen  wie  einen  Vasallenstaat
mit  sich  fortreißen  zu  können  und  begann  den
Krieg,  mußte  aber  dasür  durch  die  Niederlagen
  bei  Magenta  und  Solferino  büßen.
Wohl  erklärte  sich  der  Prinzregent  von  Preußen
zur  Hilfe  bereit,  aber  ehe  er  ein  Heer  mobil  v
machte,  verlangte  er  den  unumschränkten  Ober-  Bundesgesandter  Otto  von  Bismarck.
befehl,  und  ehe  Oesterreich  das  zugab,  opferte
es  lieber  die  Lombardei,  die  im  Vorfrieden  von  Villafranca,  der  dann  1859  in  Zürich
bestätigt  wurde,  an  Napoleon,  und  von  diesem  an  Sardinien  überlassen  wurde.

Preußen  hätte  aus  diesem  Vorgehen  Oesterreichs  deutlich  sehen  können,  daß  man
ihm  dort  eine  führende  Stellung  einfach  unmöglich  machen  wollte.  Um  eine  solche  zu
erhalten,  mußte  es  sich  auf  einen  Krieg  rüsten,  und  für  einen  solchen  war  wiederum  eine
durchgreifende  Heeresorganisation  nötig.  Vor  allen  Dingen  mußte  die  Zahl  des  Heeres
vermehrt  werden,  so  daß  statt  40000  nun  63000  Mann  eingestellt  werden  konnten;  ferner
sollten  die  drei  jüngeren  Jahrgänge  der  Landwehr  ersten  Aufgebots  mit  zur  Reserve
gezogen,  die  Reservepflicht  also  von  zwei  auf  fünf  Jahre  ausgedehnt  werden,  wogegen
die  vier  älteren  Jahrgänge  der  Landwehr  zweiten  Aufgebots  zugewiesen  werden
sollten.  Gegen  einen  solchen  Plan  aber  erhob  sich  das  Abgeordnetenhaus,  das  im  Jahre  1860
nur  auf  ein  Jahr  7  Millionen  Taler  zur  vorläufigen  Unterhaltung  der  neuen  Regimenter