Der  Kritzg  von  1866.  461

Während  nun  in  Rumänien  Prinz  Karl  Ludwig  von  Hohenzollern-Sigmaringen
als  Karol  I.  die  Regierung  übernahm,  hatte  Lamarmora  auf  die  Einladung  Bismarcks
hin  einen  General  nach  Berlin  gesandt.  Allein  dieser  entdeckte  sofort,  daß  Bismarck  gar
nicht  an  ein  sofortiges  Bündnis  denke,  da  noch  Monate  verstreichen  können,  ehe  der
Krieg  beginne.  Diesen  wollte  sich  dann  Preußen  verpflichten,  nur  mit  Zustimmung
Italiens  zu  beendigen  und  ihm  den  Erwerb  Venetiens  zu  verbürgen.  Allein  trotzdem
Bismarck  in  seinen  Vorschlägen  sich  immer  mehr  den  Wünschen  Italiens  anzupassen
suchte,  kam  man  doch  zu  keinem  Resultat.  Man  bemerkte  von  einer  kriegerischen
Rüstung  seitens  Preußen  gar  nichts,
während  man  doch  in  Wien  schon
ernstlich  mit  den  Vorbereitungen  zu
einem  Feldzug  begonnen  hatte.  Bereits
  hatte  in  den  Tagen  vom  7.  bis
13.  März  ein  Marschallserat  die  nötigen
  Maßregeln  besprochen  und  namentlich
  Benedek,  der  Oberstkommandierende
  von  Venetien,  blieb  auch
nach  Beendigung  der  Konferenzen
in  Wien.  Aus  Ungarn  wie  aus
andern  Provinzen  meldete  man,  daß
Truppensendungen  nach  Böhmen  angeordnet
  seien;  auch  Sachsen  rüstete
sich,  wie  man  vernahm,  in  aller  Stille.
Allein  Preußen  schien  noch  immer
nichts  von  einem  Krieg  wissen  zu
wollen;  eine  Anfrage  Karolyis  an
Bismarck,  ob  man  entschlossen  sei,
die  Gasteiner  Konvention  zu  zerreißen,
  wurde  von  diesem  mit  einem
entschiedenen  Nein  beantwortet.

Einen  Augenblick  schien  freilich
Bismarck,  der  sich  gerade  jetzt  in
einer  keineswegs  beneidenswerten
Lage  befand,  das  einzige  Heil  in  dem
plötzlichen  Ausbruch  eines  Kriegs
gesucht  und  gefunden  zu  haben  und  er  machte  auch  dem  italienischen  Gesandten  einen
darauf  bezüglichen  Vorschlag.  Allein  indessen  hatte  wohl  Bismarck  von  einer  Note
Mensdorffs  an  die  deutschen  Höfe  Keuntnis  erhalten,  in  welcher  Oesterreich  seine  Absicht
kund  gab,  die  schleswig-holsteinsche  Frage  an  den  Bundestag  zu  verweisen  und  die
Regierungen  aufforderte,  in  Frankfurt  die  Mobilmachung  ihrer  Armeekorps  zu  beschließen.
Das  war  nichts  anderes  als  eine  Kriegsdrohung  an  Preußen,  und  es  mußte  Bismarck
leicht  fallen,  mit  dieser  Note  in  den  Händen  die  Gegner  bloßzustellen.  So  schlug  er
denn  Italien  einen  Freundschaftsvertrag  vor,  allein  dieses  hatte  auch  jetzt  keine  Lust
auf  einen  solchen  einzugehen.  Nach  dem  Vorgang  des  Wiener  Kabinetts  wandte  sich  nun
auch  Berlin  in  einer  Note  an  die  deutschen  Regierungen,  um  ihnen  seine  Absichten  voll-Kriegsminister

  von  Roon.