462  Deutschland  in  den  Jahren  1866-  1970.

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kommen  darzulegen.  „Schon  durch  die  geographische  Lage  wird  das  Interesse  Deuschlands
und  Preußens  identisch  —  dies  gilt  zu  unseren  wie  zu  Deutschlands  Gunsten.  Wenn
wir  Deutschlands  nicht  sicher  sind,  ist  unsere  Stellung  gerade  wegen  unserer  geographischen
Lage  gefährdeter  als  die  der  meisten  andern  europäischen  Staaten,  das  Schicksal
Preußens  aber  wird  das  Schicksal  Deutschlands  nach  sich  ziehen  und  wir  zweiseln  nicht,
daß,  wenn  Preußens  Kraft  einmal  gebrochen  wäre,  Deutschland  an  der  Politik  der
europäischen  Nationen  nur  noch  passiv  beteiligt  bleiben  würde.  Dies  zu  verhüten,
sollten  alle  deutschen  Regierungen  als  eine  heilige  Pflicht  ansehen  und  dazu  mit  Preußen
zusammenwirken.  Wenn  der  deutsche  Bund  in  seiner  jetzigen  Gestalt  und  mit  seinen
jetzigen  politischen  und  militärischen  Einrichtungen  den  großen  europäischen  Krisen,  die
aus  mehr  als  einer  Ursache  jeden
Augenblick  auftauchen  können,  entgegengehen
  soll,  so  ist  nur  zu  sehr
zu  befürchten,  daß  er  seiner  Aufgabe
  erliegen  und  Deutschland  vor
dem  Schicksale  Polens  nicht  schützen
werde.“

Die  von  Bismarck  längst  beabsichtigte
  Schwenkung  war  damit  vollzogen,
  die  Hauptfrage  war  jetzt  die
Neugestaltung  Deutschlands;  ein  Bündnis
  mit  Italien  schien  nun  auch
immer  näher  zu  rücken.  Napoleon
hielt,  um  den  König  von  Preußen
einem  Kriege  entgegenzudrängen,  ein
solches  für  höchst  wünschenswert,
allein  eine  Erkrankung  Bismarcks
vergögerte  die  Vereinbarung  des  Entwurfs
  bis  zum  27.  März.  Italien
mußte  sich  verpflichten,  sobald  Preußen
die  Waffen  ergriffen  habe,  auch  seiner--
  seits  Oesterreich  den  Krieg  zu  erklären,
Prinz  Friedrich  Karl.  und  beide  Teile  sollten  nur  dann  zum
Rücktritt  von  diesem  Vertrag  berechtigt
sein,  wenn  es  Italien  gelänge,  Venedig,  und  Preußen  ein  gleichgroßes  Stück  der  österreichischen
  Monarchie  im  Frieden  zu  gewinnen.  Lamarmora  zögerte  mit  der  Genehmigung
des  Entwurfs,  und  erst  nachdem  er  die  Zustimmung  Preußens  erhalten  hatte,  erteilte
er  demselben  Vollmacht,  so  daß  er  am  8.  April  in  Kraft  treten  konnte.  Da  sich
Italien  nur  auf  eine  Frist  von  drei  Monaten  gebunden  hatte,  so  mußte  Bismarck  nun
mit  aller  Schnelligkeit  zu  Werke  gehen.  Sofort  am  28.  März  befahl  eine  königliche
Ordre  die  Kriegsbereitschaft,  am  9.  April  reichte  der  preußische  Gesandte  in  Frankfurt
den  Antrag  auf  Berufung  eines  deutschen  Parlaments  ein.  Allein  in  der  Oeffentlichkeit
glaubte  man  nicht  an  die  Ernsthaftigkeit  eines  solchen  Vorschlags,  man  sah  von  seiten
der  Regierungen  darin  nur  einen  Versuch,  die  Verwirrung  noch  zu  steigern,  und  nur
Bayern  erklärte  auf  Bundesreformpläne  eingehen  zu  wollen,  indem  es  zugleich  von  den