464  Peutschland  in  den  Jahren  1866—19870.

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Auch  in  Preußen  selbst  konnten  es  nur  wenige  wagen,  zu  gunsten  Bismarcks
öffentlich  aufzutreten.  Man  verlangte  allgemein  die  Entfernung  Bismarcks,  und
die  Abtretung  der  Grasschaft  Glatz  für  Schleswig-Holstein.  Die  rheinischen  Städte  und
Handelskammern  wandten  sich  mit  der  Bitte  um  Frieden  an  den  König,  in  Halle  traten
dagegen  64  Altliberale  für  das  von  Preußen  geforderte  Parlament  ein,  und  wenn  es
Krieg  sein  müsse,  so  solle  man  denselben  eben  beginnen.  Eine  Adresse  im  gleichen  Sinn
ging  von  Breslau  aus,  aber  diese  Aeußerungen  blieben  doch  zu  vereinzelt,  als  daß
Bismarck  in  dem  allgemeinen  Schreien  nach  Frieden  an  ihnen  hätte  eine  Unterstützung
finden  können.

Indessen  ahnten  die  Rheinländer,  die  am  meisten  auf  den  Sturz  Bismarcks  hinarbeiteten,
  nicht,  mit  welcher  Energie  dieser  den  französischen  Rheingelüsten  entgegentreten
mußte.  Schon  im  März  hatte  sich  Saarbrücken  dagegen  verwahrt,  an  Frankreich  ausgeliefert
  zu  werden,  es  hieß  damals,  Bismarck  habe  die  Kohlenbezirke  der  Saar  dem
Kaiser  Napoleon  versprochen.  Anfangs  Mai  war  Chonone  über  Paris  nach  Florenz
gereist,  und  kehrte  am  20.  auf  demselben  Wege  zurück.  Die  Zumutungen,  welche  der
Italiener  überbrachte,  riefen  bei  Bismarck  kein  allzugroßes  Erstaunen  hervor;  er  selbst
sei  viel  weniger  Deutscher  als  Preuße,  versicherte  er,  und  verwies  in  allem  nur  auf  den
König.  Nun  rückte  Benedetti  selbst  mit  der  Forderung  des  Kaisers  hervor,  die  alles
Land  bis  zur  Mosel  umfaßte.  Bismarck  vertröstete  den  Gesandten  auf  seine  Anwesenheit
in  Paris,  wo  er  dann  mit  dem  Kaiser  persönlich  verhandeln  werde.  Denn  sowohl  er
als  Lamarmora  nahmen  die  Einladung  zum  Kongreß  an,  sie  wußten  sicher,  daß  denselben
  Oesterreich  zum  Scheitern  bringen  werde.  Dieses  mußte  ja  sicher  sein,  von  dem
Kongreß  ohne  Venetien  heimzukehren,  es  wollte  die  Gewißheit  haben,  daß  es  dafür  eine
Entschädigung,  nämlich  Schlesien,  erhalte,  und  stellte  die  Bedingung,  daß  auf  dem
Kongresse  keine  der  geladenen  Mächte  einen  Zuwachs  erhalten  dürfe.  Daraufhin  mußte
nun  freilich  Gramont  erklären,  daß  der  österreichische  Vorbehalt  den  Kongreß  unmöglich
  mache.

Bis  jetzt  hatte  Bismarck  die  französischen  Forderungen  abgelehnt,  und  es  mußte
ihm  nun  alles  daran  liegen,  den  Krieg  zwischen  Preußen  und  Oesterreich  endlich  zum
Ausbruch  zu  bringen.  Dabei  kam  ihm  das  letztere  insofern  zu  Hilfe,  als  es  am  1.  Juni
in  Frankfurt  die  Erklärung  abgab,  eine  Verständigung  mit  Preußen  über  Schleswig-Holstein
  sei  unmöglich,  man  müsse  das  Weitere  dem  Bunde  überlassen  und  dessen
Beschlüsse  werde  der  Kaiser  willig  anerkennen.  Zudem  ermächtigte  man  Gablenz,  die
holsteinischen  Stände  auf  den  11.  Juni  nach  Itzehoe  einberufen.  Das  war  soviel  wie
ein  Vertragsbruch.  Denn  beiderseitig  hatte  man  sich  früher  verpflichtet,  alle  künftigen
Verhältnisse  der  Herzogtümer  nur  in  gemeinsamem  Einverständnis  festzustellen,  und  da
nun  Oesterreich  dem  Bunde  auch  zugleich  die  Entscheidung  über  die  Fortdauer  der
Gasteiner  Konvention  überließ,  so  erklärte  Manteuffel  dem  Statthalter  Gablenz,  er
werde  in  den  nächsten  Tagen  zur  Wahrung  der  preußischen  Rechte  Holstein  wieder  besetzen,
  und  stellte  es  zugleich  den  Oesterreichern  frei,  ihrerseits  in  Schleswig  einzurücken.
Allein  Gablenz  zog  sich  unter  Protest  von  Kiel  nach  Altona  zurück  und  lehnte  jede  Verhandlung
  mit  Manteuffel  ab.  Dieser  erklärte  nun,  daß  er  nun  auch  über  Holstein  die
oberste  Regierungsgewalt  übernehme;  er  besetzte  an  dem  gleichen  Tage  Itzehoe,  verhaftete
den  österreichischen  Kommissar  zur  Ständeversammlung,  und  verhinderte  die  Eröffnung
des  Landtags.  Nachdem  Gablenz  in  einer  Ansprache  an  Schleswig-Holstein  erklärt  hatte,