466  Teutschland  in  den  Jahren  1866  —1870.

„Im  Namen  und  auf  allerhöchsten  Befehl  Seiner  Majestät  des  Königs,  seines
Allergnädigsten  Herrn,  erklärt  der  Gesandte  daher  hiermit,  daß  Preußen  den  bisherigen
Bundesvertrag  für  gebrochen  und  deshalb  nicht  mehr  verbindlich  ansieht,  denselben  vielmehr
  als  erloschen  betrachten  und  behandeln  wird.

„Indessen  will  Seine  Majestät  der  König  mit  dem  Erlöschen  des  bisherigen  Bundes
nicht  zugleich  die  nationalen  Grundlagen,  auf  denen  der  Bund  aufgebaut  gewesen  ist,
als  zerstört  betrachten.

„Preußen  hält  vielmehr  an  diesen  Grundlagen  und  an  der  über  die  vorübergehenden
  Formen  erhabenen  Einheit  der  deutschen  Nation  fest  und  sieht  es  als  eine
unabweisliche  Pflicht  der  deutschen  Staaten  an,  für  die  letzteren  den  angemessenen
Ausdruck  zu  finden.  Die  Königliche  Regierung  legt  ihrerseits  die  Grundzüge  einer
neuen,  den  Zeitverhältnissen  entsprechenden  Einigung  hiermit  noch  vor  und  erklärt  sich
bereit,  auf  den  alten,  durch  eine  solche  Reform  modifizierten  Grundlagen  einen  neuen
Bund  mit  denjenigen  deutschen  Regierungen  zu  schließen,  welche  ihr  dazu  die  Hand
reichen  wollen.

Die  diplomatischen  Beziehungen  zwischen  Wien  und  Berlin  waren  von  seiten
Oesterreichs  schon  am  12.  Juni  abgebrochen  worden,  Karolyi  hatte  bei  seinem  Abschied
dem  Italiener  die  Versicherung  gegeben,  daß  im  Falle  eines  Sieges  Oesterreichs  über
Preußen  dieses  Venetien  erhalten  werde.  Gramont  hatte  in  Wien  einen  Vertrag  abgeschlossen,
  der  den  Austausch  Venetiens  gegen  Schleswig  festlegte,  und  andererseits  hatte
Napoleon  von  Preußen  die  Zusicherung  erhalten,  daß  keine  Frankreichs  Interessen  berührende
  Frage  ohne  dessen  Mitwirkung  geordnet  werden  solle,  so  daß  er  nunmehr  ohne
Rüstung  die  Entwicklung  der  Dinge  ruhig  abwarten  konnte.  Gestützt  auf  diese  Neutralität
  Frankreichs  hatte  Preußen  beinahe  alle  seine  Truppen  aus  den  Westprovinzen
nach  Sachsen  und  Schlesien  zurückziehen  können,  um  dieselben  gegen  den  Hauptfseind  zu
stellen,  da  man  die  deutschen  Mittelstaaten  in  ihrer  Schlagfertigkeit  nur  sehr  gering
schätzte.  Man  hatte  zu  gewärtigen,  daß  auch  Kurhessen  und  Hannover  sich  Oesterreich
anschließen  werden.  Bis  zu  der  Zeit,  da  Bismarck  mit  dem  Plane  eines  deutschen  Parlaments
  hervorgetreten  war,  war  dort  stets  die  Sympathie  für  Preußen  vorherrschend
gewesen.  Nun  glaubte  der  König,  der  hierin  nur  eine  Schmälerung  der  Souveränitätsrechte
  der  deutschen  Fürsten  sah,  sich  von  Preußen  abwenden  zu  müssen.  Alle  Versuche,
ihn  umzustimmen,  blieben  erfolglos;  am  14.  Juni  stimmte  Hannover  gegen  Preußen.
Noch  einmal  setzte  man  an  diesem  Tage  alle  Hebel  in  Bewegung,  um  den  König  zur
Umkehr  zu  bestimmen;  Bennigsen  stellte  den  Antrag,  man  solle  den  Rücktritt  des
Ministeriums,  Aufhebung  der  Mobilmachung  und  strenge  Neutralität  verlangen;  allein
die  Regierung  blieb  ebenso  in  Kurhessen  wie  in  Hannover  solchen  Vorstellungen  unzugänglich.
  Am  15.  Juni  übergaben  die  preußischen  Gesandten  in  Hannover,  Kassel  und
Dresden  Preußens  Ultimatum,  welches  die  Bedingung  enthielt,  daß  die  königlichen
Truppen  sofort  auf  den  Friedensstand  vom  1.  März  zurückgeführt  werden,  daß  man  den
preußischen  Reformvorschlägen  zustimme  und  dagegen  von  Preußen  die  Sicherstellung
ihrer  Souveränitätsrechte  erhalten  solle.  Sollten  die  Regierungen  diese  Vorschläge  nicht
annehmen,  so  werde  sich  der  König  als  im  Kriegszustande  mit  ihnen  befindlich  betrachten
und  demgemäß  handeln.

Preußischerseits  war  denn  auch  alles  bereit,  diesen  Worten  gehörigen  Nachdruck  zu
verleihen.  Bei  Altona  standen  16  000  Mann  unter  Manteuffel,  bei  Minden  14000