Der  Krieg  von  1866.  467

unter  Goeben,  bei  Wetzlar  20  000  unter  Beyer.  Vogel  von  Falckenstein  hatte  den  Oberbefehl
  über  das  Ganze.  Dagegen  waren  weder  die  hannoverische  noch  die  kurhessische
Armee  vollständig  gerüstet.  Allein  trotzdem  blieben  beide  Fürsten  auf  ihrer  Weigerung,
das  preußische  Ultimatum  anzunehmen,  bestehen;  wenn  sie  auch  nicht  imstande  waren,
die  Besetzung  beider  Länder  zu  verhindern,  so  konnten  sie  doch  gemeinschaftlich  ihren
Marsch  nach  Süden  Beyer  gegenüber  erzwingen.  Allein  König  Georg  zögerte  zu  lange,
sein  Land  zu  verlassen,  und  während  er  in  der  Hoffnung  auf  bayerische  Unterstützung  bei
Göttingen  seine  Rüstungen  vollendete,  trafen  schon  am  17.  und  18.  Juni  die  Preußen
in  der  Hauptstadt  ein  und  Vogel
von  Falckenstein  übernahm  die
Regierung  des  Landes.  Ebenso
wurde  die  kurhessische  Hauptstadt
einige  Tage  später  von  den
Preußen  besetzt  und  der  Kurfürst
  selbst  gefangen  nach  Stettin
geführt.  So  hatten  sich  die
preußischen  Truppenteile  teils
schon  vereinigt,  teils  genähert.
Dazu  stand  ihnen  noch  Verstärkung
  durch  ein  thüringisches
Kontingent  in  Aussicht,  denn
nachdem  Preußen  alle  norddeutschen
  Staaten  mit  Beziehung
auf  seine  Reformvorschläge  vom
16.  Juni  eingeladen  hatte,  ein
Bündnis  mit  ihm  abzuschließen
und  seine  Truppen  in  Kriegsbereitschaft
  zu  setzen,  hatte  sofort
  der  Herzog  von  Sachsen-Koburg-Gotha
  diese  Einladung
angenommen  und  mit  seinen
Truppen  Gotha  und  Eisenach  *  -  «-besetzt.
  General  Vogel  von  Falckenstein.

Am  17.  und  18.  Juni
hatten  indessen  Preußen  und  Oesterreich  Proklamationen  an  ihre  Untertanen  erlassen:

„Nachdem  der  deutsche  Bund“,  lautete  das  Kriegsmanifest  Preußens,  „ein  halbes
Jahrhundert  lang  nicht  die  Einheit,  sondern  die  Zerrissenheit  Deutschlands  dargestellt  und
gefördert,  dadurch  längst  das  Vertrauen  der  Nation  verloren  hatte  und  dem  Auslande
als  Bürgschaft  der  Fortdauer  deutscher  Schwäche  und  Ohnmacht  galt,  hat  er  in  den
letzten  Tagen  dazu  mißbraucht  werden  sollen,  Deutschland  gegen  ein  Bundesglied  in  die
Waffen  zu  rufen,  welches  durch  den  Vorschlag  der  Berufung  eines  deutschen  Parlaments.
den  ersten  und  entscheidenden  Schritt  zur  Befriedigung  der  nationalen  Forderungen  getan
hatte.  Für  den  von  Oesterreich  erstrebten  Krieg  gegen  Preußen  fehlte  jeder  Anhalt  in
der  Bundesverfassung,  wie  jeder  Grund  oder  auch  nur  scheinbare  Vorwand.

ü„Mil  dem  Beschluß  vom  14.  Juni,  durch  welchen  die  Mehrheit  der  Bundesglieder

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