470  Deutschland  in  den  Jahren  1866—1870.

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Eroberungen  habe  Ich  nicht  gesucht;  uneigennützig  beim  Abschluß  des  Bündnisses  mit
Preußen  habe  Ich  auch  im  Wiener  Friedensvertrag  keine  Vorteile  für  Mich  angestrebt.

„Oesterreich  trägt  keine  Schuld  an  der  trüben  Reihe  unseliger  Verwicklungen,  welche
bei  gleicher  uneigennütziger  Absicht  Preußens  nie  hätte  entstehen  können,  bei  gleicher
bundestreuer  Gesinnung  augenblicklich  zu  begleichen  war.

„Die  neuesten  Ereignisse  beweisen  es  unwiderleglich,  daß  Preußen  nun  offen  Gewalt
an  die  Stelle  des  Rechts  gesetzt  hat.  In  dem  Recht  und  der  Ehre  Oesterreichs,  in  dem
Recht  und  der  Ehre  der  gesamten  deutschen  Nation  erblickte  Preußen  nicht  länger  eine
Schranke  für  seinen  verhängnisvoll  gesteigerten  Ehrgeiz.  Preußische  Truppen  rückten  in
Holstein  ein,  die  von  dem  Kaiserlichen  Statthalter  einberufene  Ständeversammlung  wurde
gewaltsam  gesprengt,  die  Regierungsgewalt  in  Holstein,  welche  der  Wiener  Friedens—
vertrag  gemeinschaftlich  auf  Oesterreich  und  Preußen  übertragen  hatte,  ausschließlich  für
Preußen  in  Anspruch  genommen  und  die  österreichische  Besatzung  genötigt,  zehnfacher
Uebermacht  zu  weichen.

„So  ist  das  Unheilvollste,  ein  Krieg  Deutscher  gegen  Deutsche  unvermeidlich  geworden.
Zur  Verantwortung  all  des  Unglücks,  das  er  über  Einzelne,  Familien,  Gegenden  und
Länder  bringen  wird,  rufe  Ich  diejenigen,  welche  ihn  herbeigeführt,  vor  den  Richterstuhl
der  Geschichte  und  des  ewigen  allmächtigen  Gottes.

„Ich  schreite  zum  Kampfe  mit  dem  Vertrauen,  das  die  gerechte  Sache  gibt,  im
Gefühle  der  Macht,  die  in  einem  großen  Reiche  liegt,  wo  Fürst  und  Volk  nur  von  einem
Gedanken,  dem  guten  Rechte  Oesterreichs,  durchdrungen  sind,  mit  frischem  vollem  Mut
beim  Anblick  Meines  tapfern  kampfgerüsteten  Heeres,  das  den  Wall  bildet,  an  welchem
die  Kraft  der  Feinde  Oesterreichs  sich  brechen  wird,  im  Hinblick  auf  Meine  treuen  Völker,
die  einig,  entschlossen,  opferwillig  zu  Mir  emporschauen.

„Wir  werden  in  diesem  Kampfe  nicht  allein  stehen.

„Deutschlands  Fürsten  und  Bölker  kennen  die  Gefahr,  die  ihrer  Freiheit  und  Unabhängigkeit
  von  einer  Macht  droht,  deren  Handlungsweise  durch  selbstsüchtige  Pläne
einer  rücksichtslosen  Vergrößerungssucht  allein  geleitet  wird;  sie  wissen,  welchen  Hort  für
diese  ihre  höchsten  Güter,  welche  Stütze  für  die  Macht  und  Integrität  des  gesamten
deutschen  Vaterlands  sie  an  Oesterreich  finden.

„Wie  wir  für  die  heiligsten  Güter,  welche  Völker  zu  verteidigen  haben,  in  Waffen
stehen,  so  auch  unsere  deutschen  Bundesbrüder.

„Man  hat  die  Waffen  uns  in  die  Hand  gezwungen.  Wohlan,  jetzt,  wo  wir  sie
ergriffen,  dürfen  und  wollen  wir  sie  nicht  früher  niederlegen,  als  bis  Meinem  Reiche,
sowie  den  verbündeten  deutschen  Staaten  die  freie  innere  Entwicklung  gesichert  und  deren
Machtstellung  in  Europa  neuerdings  befestigt  ist.

„Auf  unserer  Einigkeit,  unserer  Kraft  ruhe  aber  nicht  allein  unser  Vertrauen,  unsere
Hoffnung;  Ich  setze  sie  zugleich  noch  auf  einen  Höheren,  den  allmächtigen  gerechten  Gott,
dem  mein  Haus  von  seinem  Ursprung  an  gedient,  der  die  nicht  verläßt,  die  in  Gerechtigkeit
  auf  Ihn  vertrauen.

„Zu  Ihm  will  Ich  um  Beistand  und  Sieg  flehen,  und  fordere  meine  Völker  auf,
es  mit  Mir  zu  tun.“

Dem  König  von  Preußen  war  der  Gedanke  eines  Krieges  außerordentlich  schwer
geworden.  „Ich  kann  bezeugen  vor  Gott,“  sagte  er  zu  Prinz  Friedrich  Karl,  „ich  habe
alles  getan,  gebeten  habe  ich  den  Kaiser,  gebeten  wie  man  nur  bitten  kann,  ich  will  ja