Der  Krieg  von  1866.  471

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zugestehen,  was  ich  mit  der  Ehre  Preußens  vereinen  kann.  Aber  sie  wollen  ja  den  Krieg,
sie  wollen  es  ja  so  wieder  haben,  wie  es  vor  dem  siebenjährigen  Krieg  war,  und  das
geht  nicht,  dann  ist  ja  Preußen  nichts  mehr.“

Und  mutig  ist  des  Königs  Aufruf  „An  mein  Volk.“

„In  dem  Augenblick,  wo  Preußens  Heer  zu  einem  entscheidenden  Kampf  auszieht,
drängt  es  Mich,  zu  Meinem  Volke,  zu  den  Söhnen  und  Enkeln  der  tapferen  Väter  zu
reden,  zu  denen  vor  einem  halben  Jahrhundert  Mein  in  Gott  ruhender  Vater  unver—
gessene  Worte  sprach:  „Das  Vaterland  ist  in  Gefahrl“

„Oesterreich  und  ein  großer  Teil  Deutschlands  steht  gegen  dasselbe  in  Waffen.

„Aber  in  meinem  Volke  lebt  der  Geist  von  1813.  Wer  wird  uns  einen  Fuß
breit  preußischen  Bodens  rauben,  wenn  wir  ernstlich  entschlossen  sind,  die  Errungenschaft
unserer  Väter  zu  wahren,  wenn  König  und  Volk  durch  die  Gefahren  des  Vaterlands
fester  als  je  geeint,  an  die  Ehre  desselben  Gut  und  Blut  zu  setzen,  für  ihre  höchste  und
heiligste  Aufgabe  halten.  In  sorglicher  Voraussicht  dessen,  was  nun  eingetreten  ist,  habe
Ich  seit  Jahren  es  für  die  erste  Pflicht  Meines  Königlichen  Amtes  halten  müssen,
Preußens  streitbares  Volk  für  eine  starke  Machtentfaltung  vorzubereiten.  Befriedigt
und  zuversichtlich  wird  mit  Mir  jeder  Preuße  auf  die  Waffenmacht  blicken,  die  unsere
Grenzen  deckt.  Mit  seinem  König  an  der  Spitze  wird  sich  Preußens  Volk  ein  wahres
Volk  in  Waffen  fühlen.  Unsere  Gegner  täuschen  sich,  wenn  sie  wähnen,  Preußen  sei
durch  innere  Streitigkeiten  gelähmt.  Dem  Feinde  gegenüber  ist  es  einig  und  stark,  dem
Feinde  gegenüber  gleicht  sich  aus,  was  sich  entgegenstand,  um  demnächst  im  Glück  und
Unglück  vereint  zu  bleiben.

„Ich  habe  alles  getan,  um  Preußen  die  Lasten  und  Opfer  eines  Krieges  zu  ersparen,
  daß  weiß  Mein  Volk,  das  weiß  Gott,  der  die  Herzen  prüft.  Bis  zum  letzten
Augenblicke  habe  Ich,  in  Gemeinschaft  mit  Frankreich,  England  und  Rußland  die  Wege
für  eine  gütliche  Ausgleichung  gesucht  und  offen  gehalten.  Oesterreich  hat  nicht  gewollt,
und  andere  deutsche  Staaten  haben  sich  offen  auf  seine  Seite  gestellt.  So  sei  es  denn!
Nicht  Mein  ist  die  Schuld,  wenn  Mein  Volk  schweren  Kampf  kämpfen  und  vielleicht  harte
Bedrängnis  wird  erdulden  müssen;  aber  es  ist  uns  keine  Wahl  mehr  geblieben.  Wir
müssen  fechten  um  unsere  Existenz,  wir  müssen  in  einen  Kampf  auf  Leben  und  Tod  gehen,
gegen  diejenigen,  die  das  Preußen  des  großen  Kurfürsten,  des  großen  Friedrich,  das
Preußen,  wie  es  aus  den  Freiheitskriegen  hervorgegangen  ist,  von  der  Stufe  herabstoßen
wollen,  auf  die  seines  Fürsten  Geist  und  Kraft,  seines  Volkes  Tapferkeit,  Hingebung  und
Gesittung  es  emporgehoben  haben.

„Flehen  wir  den  Allmächtigen,  den  Lenker  der  Geschicke  der  Völker,  den  Lenker  der
Schlachten  an,  daß  er  unsere  Waffen  segne.  Verleiht  uns  Gott  den  Sieg,  dann  werden
wir  auch  stark  genug  sein,  das  lose  Band,  welches  die  deutschen  Lande  mehr  dem  Namen
als  der  Tat  nach  zusammenhielt,  und  welches  jetzt  durch  diejenigen  zerrissen  ist,  die  das
Recht  und  die  Macht  des  nationalen  Geistes  fürchten,  in  anderer  Gestalt  fester  und
heilvoller  zu  erneuern.“

Einem  Angriff  wäre  die  Besatzung  von  Eisenach  und  Gotha  nicht  gewachsen  gewesen;
  aber  da  die  Bahn  von  Hannover  über  Magdeburg-Halle  nach  Eisenach  vollständig
  in  preußischer  Gewalt  war,  so  wäre  es  Vogel  v.  Falckenstein  ein  Leichtes  gewesen,
einen  Teil  des  Manteuffelschen  Korps  dorthin  zu  werfen.  Trotzdem  ihn  indessen  Moltke
am  21.  hierzu  telegraphisch  aufforderte,  unterließ  er  dies  doch  und  marschierte  auf  Göttingen