474  Deufschland  in  den  Jahren  1866  —1870.

Entscheidung  hierüber  möglichst  bald  herbeizuführen.  Bismarck  stellte  am  15.  Juni  in
Dresden  die  gleiche  Forderung  wie  in  Hannover  und  Kassel,  der  König  solle  sich  bis
Mitternacht  für  Annahme  der  preußischen  Reformvorschläge  und  unbewaffnete  Neutralität
erklären.  Die  Antwort  fiel  natürlich  ablehnend  aus  und  die  Sachsen  begannen  zugleich,
die  Eisenbahnen  und  Elbbrücken  zerstörend,  sich  nach  Böhmen  zurückzuziehen.  Am  18.  Juni
besetzte  Herwarth  von  Bittenfeld  Dresden  und  General  von  der  Mülbe  am  19.  Leipgig.
Indessen  war  auch  die  zweite  Armee  dem  Zentrum  um  ein  gutes  Stück  näher  gekommen.
Sobald  die  Nachricht  in  Berlin  eingetroffen  war,  das  Benedek  von  Olmütz  nach  Josefstadt
  vorging,  wies  Moltke  alle  drei  Armeen  an,  am  22.  die  Grenze  zu  überschreiten  und
Gitschin  als  gemeinsames  Marschziel  ins  Auge  zu  fassen.

Oesterreich  und  Süddeutschland  überboten  sich  im  Spott  über  die  preußische  Kriegsführung;
  man  prahlte  mit  Benedeks  geheimen  und  vorsichtigen,  aber  zerschmetternden
Kriegsplänen,  denen  gemäß  die  ganze  Macht  der  Nordarmee  sich  auf  Prinz  Friedrich
Karl  und  Herwarth  von  Bittenfeld  stürzen  sollte.  Clam-Gallas  und  die  Sachsen  erhielten
deshalb  die  Weisung,  sich  hinter  die  Isar  zurückzuziehen  und  die  Linie  dieses  Flusses
von  Turnau  bis  Münchengrätz  zu  halten.  Die  Elbarmee  betrat  dann  am  22.,  Prinz
Friedrich  Karl  am  23.  feindlichen  Boden.  In  einem  mehrstündigen  Dorfgefecht  bei
mondheller  Nacht  wurden  die  Oesterreicher  mit  einem  Verlust  von  700  Mann  zurückgeschlagen
  und  zugleich  hatte  Herwarth  bei  Hühnerwasser  die  Oesterreicher  zurückgeworfen.
Allein  um  Münchengrätz  angreifen  zu  können,  mußte  man  erst  noch  weitere  Truppen
abwarten,  und  Clam-Gallas  benutzte  die  Frist,  um  sich  die  Rückzugslinie  nach  Gitschin
zu  sichern.  Als  ihn  am  28.  die  beiden  preußischen  Führer  bei  Münchengrätz  angriffen,
konnte  er  sich  einer  eigentlichen  Schlacht  freilich  mit  bedeutenden  Verlusten  entziehen  und
nahm  vor  Gitschin  von  neuem  Aufstellung,  um  die  Ankunft  des  dritten  Korps  abzuwarten.
  Allein  vor  den  anrückenden  Pommern  mußte  er  sich  zurückziehen  und  Gitschin
wurde  im  nächtlichen  Straßenkampfe  erobert.  Damit  hatte  Prinz  Friedrich  Karl  das
vorgeschriebene  Ziel  erreicht  und  es  gelang  bald,  Fühlung  mit  dem  Vormarsch  der  kronprinzlichen
  Truppen  zu  bekommen.

Die  zweite  Armee  hatte  weit  größere  Schwierigkeiten  zu  überwinden  gehabt.
Benedek  konnte  ihr,  die  nur  eine  Stärke  von  150  000  Mann  hatte,  eine  Armee  in  der  Höhe
von  200  000  Mann  gegenüberstellen;  dem  Zentrum  hatte  der  Kronprinz  das  lUeberschreiten
der  Grenze  auf  den  26.  Juni  anbefohlen,  also  einen  Tag  früher,  als  dies  die  Ostpreußen
  unter  Bonin  auf  dem  rechten  und  die  Posener  unter  Steinmetz  auf  dem  linken
Flügel  taten.  Am  27.  morgens  rückten  die  Vortruppen  Bonins  in  Trautenau  ein.
Niemand  hatte  ihnen  den  Weg  durch  die  Pässe  verlegt,  sie  erstürmten  den  Plateaurand,
auf  dem  die  Stadt  liegt,  und  rückten  nun  seitwärts  vor.  Allein  nachmittags  ging  Gablenz,
der  die  Ankunft  seiner  noch  fehlenden  Brigaden  abgewartet  hatte,  zum  Angriff  über  und
warf  die  Preußen  zurück,  so  daß  Bonin  über  die  Grenze  zurückging  und  den  nächsten
Tag  vollständig  untätig  blieb.

Nun  griff  am  28.  Juni  die  Garde  ein.  Hiller  von  Gärtringen  erstürmte  die
Dörfer  Burkersdorf  und  Soor,  die  zweite  Gardedivision  eroberte  Trautenau  zurück  und
Gablenz  mußte  mit  einem  Verlust  von  8000  Mann  sich  den  Rückzug  westwärts  nach  Pilnikan
erkämpfen,  so  daß  die  preußischen  Berichte  melden  konnten,  er  sei  vollständig  geschlagen.

Das  gleiche  Schicksal  erfuhr  dem  linken  Flügel  des  Kronprinzen  gegenüber  am
gleichen  Tag  Feldmarschallleutnant  Ramming.  Er  kam  zu  spät,  um  Steinmetz  den