Der  Krieg  von  1866.  475

Vormarsch  aus  dem  Passe  von  Nachod  zu  verlegen,  er  wurde  nach  Skalitz  beiseite
gedrängt  und  Benedek  ließ  ihn  durch  das  Korps  Erzherzog  Leopold  ablösen.  Steinmetz
drang  mittags  gegen  die  Stadt  vor,  es  entspann  sich  ein  furchtbar  erbitterter  Kampf,
in  welchem  die  Oesterreicher  beinahe  12  000  Mann  verloren;  dem  Erzherzog  nach  Josefsstadt,
  wohin  er  sich  zurückgezogen  hatte,  zu  folgen,  lag  nicht  in  der  Absicht  von  Steinmetz,
er  warf  bei  Schweinschädel  das  Korps  Festetics  zurück  und  rückte  dann  nach  Königinhof
vor.  Dort  war  indessen  auch  Prinz  August  von  Württemberg  eingetroffen,  Bonin  stand
in  Arnau  und  am  30.  Juni  lagen  alle  drei  Korps  an  der  Elbe,  wodurch  die  Fühlung
mit  der  ersten  Armee  hergestellt  war.

Dragouerattacke  bei  Nachod.

Die  Lage  Oesterreichs  war  eine  verzweifelte.  Sechs  von  seinen  Korps  waren
schwer,  beinahe  vernichtend  geschlagen,  Benedek  selbst  riet  dem  Kaiser  telegraphisch  zum
Frieden,  nicht  wegen  einer  etwaigen  numerischen  Ungleichheit  der  beiden  Armeen,  sondern
wegen  der  offenkundigen  Ueberlegenheit  der  preußischen  Truppen.  Nun  erschien  auch
König  Wilhelm  selbst,  begleitet  von  Moltke,  Bismarck  und  Roon,  bei  seinem  Heere.
Es  war  alles  zu  einem  entscheidenden  Schlage  vorbereitet.  Auf  österreichischer  Seite
hatte  man  allen  Mut  verloren.  Die  Führer  waren  zum  Teil  unfähig,  die  fähigen  waren
ihrer  Stellung  enthoben  worden  und  auch  die  Truppen  boten  keine  Gewähr  eines  Siegs.
Am  vorzüglichsten  war  noch  die  österreichische  Artillerie  gewesen,  die  mit  ihren  gezogenen
Geschützen  der  preußischen  weit  überlegen  war;  dagegen  war  die  Kavallerie  keineswegs
hervorragend  und  die  Infanterie  ließ  sehr  viel  zu  wünschen  übrig.  Eine  günstige  Wen-