Der  Krieg  von  1866.  477

bis  in  die  äußersten  Waldzipfel  zurück.  Entschlossen  hier  zu  sterben,  leisteten  die
Ermatteten  den  letzten  Widerstand,  den  zwei  Bataillone,  welche  Horn  von  Sadowa  gegen
Cistowes  entsandte,  nur  wenig  erleichterten.  Da  erschienen  in  der  höchsten  Not  zwischen
12  und  1  Uhr  von  Maslowed  her  preußische  Reiter,  die  Vorboten  des  Kronprinzen;
gleichzeitig  erlahmte  der  Angriff  der  Oesterreicher,  Thun  und  Festetics  zogen  ihre
Regimenter  zurück,  ein  Telegramm  aus  Josephstadt  hatte  Benedek  gemeldet,  daß  der
Kronprinz  nahe,  und  nun  galt  es  schleunig  gegen  diesen  Front  zu  machen.  Durch  eine
schnelle  Rückwärtsschwenkung  bildeten  die  beiden  Korps  den  defensiven  Haken,  der  ihnen
vorgeschrieben  war,  und  hinderten  kaum  noch,  daß  Fransecky,  der  den  vierten  Teil  seiner
Infanterie  verloren  hatte,  Cistowes  besetzte.

Nun  erst  machte  Benedek  eine  Hauptanstrengung,  um  bei  Sadowa  die  Reihen
Friedrich  Karls  zu  durchbrechen.  Zu  den  Korps  Gablenz  und  Erzherzog  Ernst  zog  er
Teile  der  Reserven  heran,  um  den  Holawald  wieder  zu  nehmen.  Odbgleich  jetzt  auch  die
Brandenburger  mit  im  Kampfe  standen,  schien  es  kaum  möglich,  daß  die  Preußen  sich
hielten,  von  der  Nähe  des  Kronprinzen  wußte  der  König  noch  nichts,  der  Rückzug  der
Infanterie  wurde  ernstlich  erwogen,  die  Kavallerie  ward  zusammengezogen,  um  ihr  als
Aufnahme  zu  dienen.  Da  um  2  Uhr,  im  verhängnisvollen  Augenblick,  ehe  der  schwere
Entschluß  noch  gefaßt  war,  sprengte  Voigts-Rhetz  vom  linken  Flügel  heran,  meldete  dessen
Erlösung  und  die  Ankunft  der  zweiten  Armee.  Nun  war  von  keinem  Rückzug  mehr  die
Rede.  Von  neuem  gingen  die  unvergleichlichen  Bataillone  vor,  nahmen  den  Wald,  überschritten
  den  Rand  und  schickten  sich  an,  die  Höhen  von  Lipa  zu  stürmen,  als  sie  auch
schon  auf  der  Höhe  von  Chlum  zur  Linken  die  Truppen  des  Kronprinzen  erblickten,  und
von  Problus  zur  Rechten  die  Siegeskunde  von  Herwarth  vernahmen.

Dieser  war  mit  seinen  Rheinländern  und  Westfalen  erst  gegen  2  Uhr  zum  Angriff
auf  das  Plateau  gekommen.  Unter  schweren  Verlusten  erklomm  er  den  ungedeckten  Abhang,
  und  nahm  binnen  einer  Stunde  die  Dörfer  Prim  und  Problus;  nur  schrittweise
konnte  er  Boden  gewinnen,  denn  die  Sachsen  fochten  in  vortrefflicher  Stellung  mit  ausgezeichneter
  Tapferkeit;  aber  der  Besitz  von  Problus  entschied  über  den  Besitz  des  Plateaurandes
  bis  Sadowa  hin,  die  Batterien,  die  von  dort  aus  sieben  Stunden  Feuer  und
Verderben  unter  die  Preußen  gespieen,  mußten  abfahren,  und  die  Verbindung  des  preußischen
Flügels  mit  dem  Zentrum  war  hergestellt.

Noch  entscheidender  war  sreilich  der  Schlag,  den  der  Kronprinz  ausführte.  Die
ersten  auf  dem  Schlachtfeld  waren  Hiller  von  Gärtringen  mit  seiner  Gardedivision  und
Zastrow  mit  einer  Division  Schlesier,  die  vereint  die  Batterien  auf  dem  Wege  von
Horenowes  zum  Abzug  zwangen,  noch  ehe  Thun  und  Festetics  ihre  neuen  Stellungen
vollständig  bezogen  hatten;  so  befand  sich  östlich  von  Maslowed  in  ihrer  Schlachtordnung
eine  breite  Lücke.  In  diese  drang,  begünstigt  von  dem  dicken  Pulverdampf,  Hiller  von
Horenowes  ein,  und  stürmte  trotz  des  mörderischen  Feuers  den  Abhang  von  Chlum
hinauf,  während  ein  Teil  seiner  Bataillone  sich  südwärts  gegen  Rogberitz  wandte,  und
auch  diesen  Ort  nahm.  Wohl  mochte  Benedek  die  Schreckensnachricht  unglaublich  erscheinen,
  wohl  nahm  er  alle  seine  Reserven  zusammen,  um  die  verlorenen  Punkte  wieder
zu  gewinnen,  wohl  gelang  es,  gegen  4  Uhr  der  großen  Uebermacht  Rogberitz  noch  einmal
zu  stürmen,  und  dadurch  wenigstens  die  Rückzugslinie  frei  zu  machen,  aber  gegen  den
sesten  Schlüssel  der  ganzen  Stellung,  gegen  Chlum  vermochte  er  nichts;  der  ersten  Gardedivision
  kamen  Teile  der  zweiten  zu  Hilfe;  von  Cistowes  rückten  Bonins  Ostpreußen  vor,