480  Deutschland  in  den  Jahren  1866—1870.

Indessen  hatten  die  Preußen  ihren  Sieg  gehörig  ausgenutzt.  Ein  von  Gablenz
nachgesuchter  Waffenstillstand  wurde  sofort  abgelehnt,  und  es  begann  der  Vormarsch,  der
die  siegreichen  Truppen  über  die  Elbe  führte.  Der  Kronprinz  marschierte  auf  Olmätz,
Friedrich  Karl  auf  Brünn,  Herwarth  auf  Iglau  zu,  und  auch  die  Vermittlungsversuche
Napoleons  hielten  diese  Bewegung  nicht  auf.  Den  Vorschlag  eines  Waffenstillstandes
beantwortete  der  König  von  Preußen  dahin,  daß  er  gegen  einen  solchen  gar  nichts  einzuwenden
  habe,  daß  er  aber  zuvor  der  Einstimmung  Italiens  und  der  Zusicherung  Oesterreichs
  für  seine  Hauptforderungen  sicher  sein  müsse.  In  Paris  lag  die  Kriegs=  und
Friedenspartei  in  heftigem  Kampfe  mit  einander,  am  10.  Juli  beschloß  man  dort,  Oesterreichs
  Hilfsgesuch  abzulehnen  und  im  preußischen  Hauptquartier  eine  Grenzberichtigung.
zu  verlangen.

Indessen  hatte  man  dort  eruste  Beratungen  gepflogen.  Der  König  war  entschlossen,
lieber  abzudanken,  als  ohne  Gebietsvergrößerung  aus  diesem  Kriege  hervorzugehen,  es
gelang  Bismarck,  die  Frage  der  Grenzberichtigung  bis  zur  Rückkehr  nach  Berlin  zu  verschieben;
  in  Bezug  auf  die  Friedensbedingungen  war  das  nicht  möglich,  und  so  kam
alles  darauf  an,  auf  dem  Notwendigen  zu  bestehen  und  in  den  andern  Punkten  nachzugeben.
  Bismarck  verzichtete  demnach  auf  eine  Gebietserweiterung  auf  Kosten  Oesterreichs
  oder  Sachsens,  er  gestand  den  deutschen  Staaten  südlich  vom  Main  das  Recht  zu,
einen  besonderen  Bund  zu  schließen,  und  versprach  die  nördlichen  Bezirke  von  Schleswig
an  Dänemark  zurückzugeben,  wenn  die  Bevölkerung  selbst  den  Wunsch  hierzu  äußere.  Dagegen
  sollte  Oesterreich  aus  dem  Bunde  austreten,  ein  Norddeutscher  Bund  unter
Preußens  Führung  sollte  hergestellt  und  eine  nationale  Verbindung  mit  Süddeutschland
eingeleitet  werden.  Preußen  war  bereit,  einen  fünftägigen  Waffenstillstand  eintreten  zu
lassen,  um  während  desselben  mit  Oesterreich  direkte  Verhandlungen  anzuknüpfen;  aus
diesem  Waffenstillstand  ging  der  Friede  hervor,  und  so  konnte  am  22.  Juli  der  Krieg
als  beendigt  angesehen  werden.

Dadurch  war  das  Einrücken  der  Feinde  in  die  Hauptstadt  umgangen  worden,
während  es  ohne  das  unvermeidlich  gewesen  wäre.  Die  preußische  Armee  war  in  voller
Stärke  gegen  die  Donau  vorgerückt,  die  Stimmung  war  im  Heere,  trotzdem  dort  die
Cholera  ausbrach,  eine  vortreffliche  und  ihre  moralische  Ueberlegenheit  hatte  sich  in  den
letzten  Wochen  auch  in  den  kleineren  Gefechten  gezeigt.  Vier  Tage  später,  am  26.  Juli,
wurde  in  Nikolsburg  der  Friede  unterzeichnet,  in  welchem  Oesterreich  seine  norddeutschen
  Verbündeten,  Hannover,  Kurhessen,  Nassau,  Frankfurt,  freigab,  und  nur  für
Sachsen  dessen  Fortbestand,  freilich  als  Teil  des  künftigen  norddeutschen  Bundes  erwirkte.
  Den  süddeutschen  Staaten  war  ihre  Selbständigkeit  gewährleistet;  im  übrigen
waren  sie  Preußen  auf  Gnade  und  Ungnade  übergeben  und  sie  durften  erst  vom
2.  August  an  am  Waffenstillstand  teilnehmen.

Währenddessen  gingen  auch  die  Feindseligkeiten  zwischen  Preußen  und  Süddeutschland
  zu  Ende.  Erst  nach  der  Schlacht  bei  Königgrätz  war  man  zum  erstenmale  mit
den  Bayern  zusammengetroffen,  die  unter  dem  Oberbefehl  des  greisen  Prinz  Karl  von
Bayern  standen.  Die  bayerische  Armee  sollte  am  14.  und  15.  Juni,  40—50  000  Mann
stark,  in  Franken  bereitstehen,  und  dann  mit  dem  achten  Bundeskorps  nordwestlich  zum
Angriff  schreiten.  Das  achte  Korps  stand  unter  Prinz  Alexander,  dem  Bruder  des
Großherzogs  von  Hessen,  General  Hardegg  befehligte  die  Württemberger,  Prinz  Wilhelm.
von  Baden  die  Badenser,  das  ganze  Korps  war  etwa  55  000  Mann  stark,  von  denen