Der  Krieg  von  1866.  481

ein  Teil  überdies  die  Besatzung  von  Mainz  bildete.  Die  Disziplin  in  dem  ganzen
Korps  ließ  manches  zu  wünschen  übrig;  Prinz  Karl  hatte  indessen  seinen  Aufmarsch
vollendet,  und  gedachte  nun  den  Hannoveranern  entgegenzugehen,  allein  erst  in  Köln  erhielt
  er  die  Nachricht  von  einem  Sieg  der  Hannoveraner  bei  Langensalza;  immer  energisch
schritt  er  gegen  Norden  vor;  aber  nun  traf  die  Nachricht  von  der  Kapitulation  der
Hannoveraner  ein,  und  er  mußte  seinen  Plan  wieder  ändern;  die  Armee  sollte  ins
Fuldatal  marschieren,  um  sich  dort  mit  dem  achten  Armeekorps  zu  vereinigen.

Prinz  Alexander  hatte  sich  jedoch  nur  ungenau  an  die  Verabredung  gehalten.  Er
richtete  zwar  seinen  rechten  Flügel  auf  Hersfeld,  die  Badenser  aber  auf  Wetzlar  und  die
Württemberger  auf  Gießen,  so  daß  zu  der  gleichen  Zeit,  wo  die  Preußen  bei  Eisenach
vereinigt  waren,  die  80—90  000  Mann  des  Prinzen  Karl  auf  der  Linie  von  Ilmenau
bis  Wetzlar  zerstreut  standen,  und  die  Mainarmee  —  so  nannte  man  seit  dem  1.  Juli
die  Truppen  Falckensteins  —  hatte  nun  die  Möglichkeit,  sich  auf  die  einzelnen  Truppenteile
  zu  werfen.  Man  begann  sofort  sich  gegenseitig  zu  nähern,  Falckenstein  aber  entsandte
  Beyer  auf  der  Straße  von  Eisenach  nach  Fulda,  während  Goeben,  von  Manteuffel
gefolgt,  am  Ostabhang  der  Rhön  vorrückte,  um  den  Bayern  den  Weg  zu  verlegen.
Am  3.  und  4.  Juli  kam  es  zwischen  ihnen  zu  einer  Reihe  von  Gefechten;  man  wollte
von  seiten  Preußens  den  Feind  nur  am  weiteren  Vordringen  hindern,  und  dies  gelang
vollkommen,  ja  Prinz  Karl  zog  sich  am  Nachmittag  sogar  südwärts.  Seine  Kavallerie
wurde  am  4.  Juli  bei  Hünfeld  zerstreut  und  zog  sich  nach  Fulda  zurück.  Auf  die
Nachricht  von  der  Schlacht  bei  Königgrätz  gab  Prinz  Alexander  die  Verbindung  mit
den  Bayern  preis  und  zog  sich  schleunigst  nach  Frankfurt  und  Hanau  zurück.  Nun
schwenkte  Falckenstein  links  ab  durch  die  Rhön  nach  Brückenau  und  ließ  von  dort  Goeben
und  Manteuffel  östlich  gegen  Kissingen,  Beyer  gegen  Hammelburg  vorrücken.  Um
Kissingen  entbrannte  ein  heißer  Kampf.  Die  Bayern  verteidigten  die  Flußübergänge
hartnäckig,  und  der  Kampf,  der  sich  bis  in  den  Abend  hineinzog,  blieb  auch  unentschieden.
  Nun  wandte  sich  Falckenstein  gegen  den  Prinzen  von  Hessen.  Beyer  mußte
über  Gelnhausen,  Goeben  über  Aschaffenburg  bis  Hanau  vorrücken,  Prinz  Alexander
hatte  indessen  den  Plan,  Frankfurt  zu  verteidigen,  aufgegeben,  und  beschlossen,  sich  am
südlichen  Mainufer  den  Bayern  zu  nähern.  Der  Herzog  von  Nassau  und  der  Großherzog
  von  Darmstadt  glaubten  nun  ebenso  wie  die  Bundesversammlung  auf  ihre  Rettung
bedacht  sein  zu  müssen,  und  flohen  nach  Augsburg.  General  Beyer  traf  unter  solchen
Umständen  auf  keinen  Feind  mehr,  Aschaffenburg  wurde  von  Goeben  genommen,  am
16.  Juli  rückte  Falkenstein  in  Frankfurt  ein.  Senat  und  Militär  wurden  aufgelöst,
Falckenstein  übernahm  die  Regierung  selbst,  einige  Senatoren  wurden  verhaftet,  mehrere
Zeitungen  unterdrückt,  und  der  Stadt  eine  Kontribution  von  etwa  6  Millionen  auferlegt.
Kaum  war  dies  geschehen,  so  wurde  Falckenstein  zum  Gouverneur  von  Böhmen  ernannt,
und  Manteuffel  mit  dem  Oberbefehl  betraut.  Man  hatte  gegen  seine  Kriegsführung
mancherlei  Einwendungen  erhoben,  und  unter  diesem  Eindruck  war  seine  Abberufung
  erfolgt.

Am  21.  Juli  nahm  Manteuffel  die  militärischen  Operationen  bedeutend  verstärkt
wieder  auf.  Nach  einzelnen  Kämpfen  an  der  Tauber,  namentlich  gegen  die  Württemberger
  bei  Tauberbischofsheim,  nahmen  die  Preußen  Würzburg  gegenüber  Stellung,  allein
es  sollte  nun  zu  einem  ernstlichen  Angriff  nicht  mehr  kommen.  Im  Hauptaquartier  zu
Nikolsburg  erhielt  von  der  Pfordten  die  Zusicherung,  daß  Manteuffel  keine  weitere  Ent-Ebner,

  Illustrierte  Geschichte  Deutschlands.  32