Der  Krieg  von  1866.  483

preußischer  Taler  und  als  Aequivalent  der  freien  Verpflegung,  welche  die  preußische
Armee  bis  zum  Friedensschlusse  in  den  von  ihr  okkupierten  österreichischen  Landesteilen
haben  wird,  mit  fünf  Millionen  Taler  bar  zu  zahlen  bleiben.

Die  bedeutsamen  Ergebnisse  dieses  Krieges  von  1866  sowohl  für  Preußen  allein
als  für  Deutschland  faßte  die  Provinzial-Korrespondenz  in  der  nachfolgenden  Betrachtung
zusammen:

„Durch  die  Einverleibung  von  Schleswig-Holstein,  Hannover,  Kurhessen,  Nassau,
Frankfurt  a.  M.  u.  f.  w.  erlangt  Preußen,  welches  seither  eine  Ausdehnung  von  etwa
5100  Quadratmeilen  mit  einer  Bevölkerung  von  etwa  19  300  000  Seelen  besaß,  einen
Zuwachs  von  nahezu  1300  Quadratmeilen  mit  etwa  4500000  Einwohnern,  also  mit
einem  Male  beinahe  den  vierten  Teil  seines  gesamten  bisherigen  Besitzstandes;  das  eigene
preußische  Gebiet  steigt  auf  6400  Quadratmeilen,  die  Bevölkerung  auf  23800000  Seelen.
Vergleicht  man  diesen  Erfolg  unserer  siegreichen  Kriegsführung  mit  den  Ergebnissen
früherer  Kriege,  so  tritt  schon  hierbei  hervor,  daß  die  gegen  wärtigen  politischen  Errungenschaften
  hinter  dem  Glanze  der  kriegerischen  Taten  nicht  zurückgeblieben  sind.

„Um  an  die  drei  größten  und  ruhmreichsten  Zeiten  der  preußischen  Geschichte  zu
erinnern:  der  große  Kurfürst  hat  in  einer  achtundvierzigjährigen  Regierung,  in  welcher
der  dreißigjährige  Krieg  und  die  Jülich-Clevesche  Erbschaftsfrage  zu  Ende  geführt,  der
schwedisch-polnische  Krieg  und  mehrfach  erneute  Kriege  gegen  Frankreich  und  Schweden
durchgekämpft  worden,  teils  durch  Erbschaft,  teils  durch  das  Waffenglück  den  brandenburgischen
  Staat  um  etwa  550  Quadratmeilen  und  um  eine  halbe  Million  Einwohner
vermehrt  —  Friedrich  der  Große  hat  durch  die  beiden  schlesischen  und  den  siebenjährigen
Krieg  die  Provinz  Schlesien  mit  688  Quadratmeilen  und  etwa  einer  Million  Einwohner
erworben  —  die  Freiheitskriege  brachten  Preußen,  ungeachtet  seiner  gewaltigen  Anstrengungen
  und  Opfer,  nicht  einmal  den  ganzen  Länderbestand,  den  es  im  Frieden  zu
Tilsit  verloren,  sondern  561  Quadratmeilen  weniger  wieder,  als  es  früher  besessen  hatte.

„Die  jetzigen  Erwerbungen  aber  gehen  nicht  bloß  an  Größe  und  inbezug  auf
die  Zahl  der  Bevölkerung  weit  über  alle  früheren  Eroberungen  der  größten  Zeit  Preußens
hinaus,  der  Wert  und  die  Bedentung  derselben  werden  durch  die  Lage  und  Beschaffenheit
  der  erworbenen  Länder  noch  unvergleichlich  erhöht.  Alles,  was  der  Neid  und  die
Eifersucht  der  übrigen  Staaten  vor  fünfzig  Jahren  an  Preußen  gesündigt  hatten,  ist  durch
die  jetzigen  Eroberungen  gut  gemacht.  Um  Preußens  Stellung  zu  erschweren,  hatte
man  ihm  auf  dem  Wiener  Kongreß  ein  Gebiet  in  zwei  getrennten  Teilen  ohne  jeden
unmittelbaren  Zusammenhang  angewiesen,  mitten  dazwischen  liegend  Hannover,  Kurhessen
  u.  s.  w.  —  jetzt  hat  Preußen  diese  Länder,  welche  den  Zusammenhang  seiner
östlichen  und  westlichen  Provinzen  störten,  in  sich  ausgenommen  und  bildet  nunmehr  ein
bestimmt  abgerundetes,  fest  verbundenes  Ländergebiet  wie  alle  übrigen  europäischen  Großstaaten.
  Um  Preußen  ferner  an  der  längst  erstrebten  Entwicklung  als  Seemacht  zu
hindern,  hatten  die  Mächte  auf  dem  Wiener  Kongreß  das  von  Friedrich  dem  Großen
erworbene  schöne  Ostfriesland  an  der  Nordsee  mit  Hannover  vereinigt  und  statt  dessen
Preußen  mit  Binnenland  entschädigt  —  jetzt  hat  Preußen  nicht  bloß  das  alte  Land  an
der  Nordseeküste,  sondern  fast  das  ganze  norddeutsche  Küstenland  von  Schleswig-Holstein
bis  nach  Holland  hin  erworben.

„Auch  darin  ist  endlich  der  neugewonnene  ausgedehnte  Besitz  ausgezeichnet  vor
allen  früheren  Erwerbungen,  daß  diese  reich  und  mannigfaltig  ausgestattete  Bevölkerung,

327