Der  deutsch-französische  Krieg.  105

Anzeige  von  der  Weigerung,  den  Botschafter  des  Kaisers  zu  empfangen  und  auf  irgend
eine  neue  Auseinandersetzung  mit  ihm  einzugehen.

Infolgedessen  hat  die  französische  Regierung  die  Verpflichtung  zu  haben  geglaubt,
unverzüglich  für  die  Verteidigung  ihrer  Ehre  und  ihrer  verletzten  Interessen  zu  sorgen,
und  entschlossen,  zu  diesem  Endzweck  alle  durch  die  ihr  geschaffene  Lage  gebotenen  Maßregeln
  zu  ergreifen,  betrachtet  sie  sich  von  jetzt  an  als  im  Kriegszustand  mit  Preußen.“

Schon  am  16.  Juli  hatte  Bismarck  erklärt:  „Wäre  es  dem  französischen  Kabinett
lediglich  darum  zu  tun
gewesen,  zum  Zwecke  der
Beseitigung  dieser  Kandidatur
  die  guten  Dienste
Preußens  in  Anspruch  zu
nehmen,  so  hätte  sich  demselben
  hierfür  in  einem
vertraulichen  Benehmen
mit  der  prenßischen  Regierung
  der  einfachste  und
geeignetste  Weg  dargeboten.
  Der  Inhalt  der
vom  Herrn  Duc  du  Gramont
  im  Corps  législatif
gehaltenen  Rede  schnitt
dagegen  jede  Möglichkeit
solcher  vertraulichen  Erörterungen
  ab.  Die  Aufnahme,
  welche  diese
Rede  in  der  genannten
Versammlung  fand,  die
von  der  französischen
Regierung  seitdem  eingenommene
  Haltung,  die
von  ihr  gestellten  un-  1w
annehmbaren  Zumutun-  .  —
gen  konnten  dem  Bundes-  Prinz  Leopold  von  Hohenzollern.
präsidium  keinen  Zweifel
mehr  darüber  lassen,  daß  die  französische  Regierung  es  von  vornherein  darauf
abgesehen  hatte,  entweder  Preußens  Demütigung  oder  den  Krieg  herbeizuführen.
Der  ersteren  Alternative  sich  zu  fügen,  war  unmöglich.  Die  Leiden,  welche  mit
dem  Ausbruch  eines  Krieges  zwischen  Deutschland  und  Frankreich  im  Zentrum  der
europäischen  Zivilisation  unausbleiblich  verbunden  sind,  machen  den  gegen  Deutschland
geübten  Zwang  zum  Krieg  zu  einer  schweren  Versündigung  an  den  Interessen  der  Menschheit.
  Die  öffentliche  Meinung  Deutschlands  hat  dies  empfunden.  Die  Erregung  des
deutschen  Nationalgefühls  gibt  davon  Zeugnis.  Es  bleibt  keine  Wahl  mehr  als  der
Krieg,  oder  die  der  französischen  Regierung  obliegend  Bürgschaft  gegen  Wiederkehr
ähnlicher  Bedrohung  des  Friedens  und  der  Wohlfahrt  Europas.“