502  Deutschland  in  den  Jahreu  1870—1871.

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der  Befehl  an  beide  Armeen  sich  so  weit  zu  nähern,  um  bei  einer  Schlacht  zusammenwirken
  zu  können;  man  beabsichtige  eine  allgemeine  Offensive,  am  dritten  Tage  werde
die  dritte  Armee  in  Frankreich  einmarschieren.

Ihr  gegenüber  stand  nur  eine  Division  des  ersten  französischen  Korps  Mac  Mahon,
welche  Weißenburg  und  den  Gaisberg  besetzt  hielt.  Am  4.  August  morgens  9½  Uhr
eröffnete  nördlich  von  Weißenburg  die  vierte  bayerische  Division  den  Angriff,  weiter  östlich
rückten  die  Posener  und  Hessen-Nassauer  ein,  überschritten  den  Fluß  und  wandten  sich
dann  gegen  Weißenburg  und  die  nach  Hagenau  führende  Straße,  um  Douays  Rückzug
abzuschneiden.  Allein  die  Artillerie  konnte  auf  dem  durchweichten  Wege  nur  langsam
vorrücken,  die  Angriffe  auf  die  Stadt  waren  deshalb  auch  lange  vergebens,  und  ebenso
stritt  man  in  heißem  Kampfe  um  den  Besitz  des  Gaisberges.  Der  Tag  war  ein  blutiger,
aber  der  Erfolg  auch  ein  vollständiger;  helle  Begeisterung  herrschte  auf  deutscher  Seite,
mit  Jubel  empfing  man  daheim  und  mitten  im  Feindeslande  die  Kunde  von  diesen
Siegen,  denen  schon  am  folgenden  Tage,  am  6.  August,  noch  weitere  gute  Nachrichten
folgen  sollten.  Die  geschlagene  französische  Armee  hatte  sich  südwestlich  auf  Mac  Mahons
Korps  zurückgezogen;  allein  dieses  war  keineswegs  dazu  angetan,  eine  Schlacht  zu
schlagen,  die  kronprinzliche  Armee,  die  ihm  gegenüber  stand,  war  doch  weit  stärker,  Mac
Mahon  verfügte  nur  über  45000  Mann  und  sah  sich  deshalb  veranlaßt,  eine  Defensiv-=Stellung
  bei  Wörth  zu  beziehen,  wo  es  denn  auch  am  6.  August  zu  einem  blutigen
Zusammenstoß  kam.  Lange  schwankte  die  Schlacht  hin  und  her,  vom  Morgen  bis  in  den
Abend  hinein  wurde  von  beiden  Seiten  mit  gleicher  Erbitterung  gekämpft,  Posener,  Bayern,
Württemberger  und  Hessen  mußten  sich  Schritt  für  Schritt  das  Terrain  erobern;  gegen
halb  5  Uhr  endlich  befanden  sich  die  Franzosen  in  wilder  Flucht,  der  Sieg  der  Deutschen
bei  Wörth  war  ein  glänzender,  wie  namentlich  auch  die  9000  Gefangenen  bewiesen,
obwohl  auch  die  Deutschen  einen  Verlust  von  beinahe  10  000  Mann  zu  beklagen  hatten.
Und  derselbe  Tag,  an  welchem  die  Truppen  Mac  Mahons  auf  diese  Weise  auseinander
gesprengt  wurden,  brachte  den  Deutschen  im  Sturm  auf  die  Spicherer  Höhen  einen
wenn  auch  verlustreichen,  so  doch  auch  glänzenden  Sieg,  welcher  mit  der  Zersprengung
des  Korps  Frossard  endigte.

Unendlicher  Jubel  herrschte  in  Deutschland  über  diesen  Doppelsieg;  die  letzte  Besorgnis
  vor  der  Möglichkeit  eines  feindlichen  Einfalls  schwand  dahin,  man  sprach  schon
da  und  dort  von  der  Möglichkeit  eines  baldigen  Friedens.  Wie  kurze  Zeit  noch  und
der  Thron  der  Napoleone  stürzte  zusammen.  Dann  kamen  die  Minner,  die  sich  dem
Krieg  widersetzt  hatten,  ans  Ruder.  Schon  jetzt  sah  man  die  Haltlosigkeit  des  Bonapartismus
  klar  ein.  In  Paris  selbst  gärte  es  allenthalben.  Falsche  Siegesnachrichten  hatten
einen  geradezu  unheimlichen  Jubel  hervorgerufen,  allein  als  man  nun  die  Wahrheit
erfuhr,  brach  auch  die  Wut  um  so  mehr  los.  Die  Proklamation,  welche  die  Kaiserin-Regentin
  erließ,  war  darauf  berechnet,  die  Franzosen  von  neuem  in  falsche  Siegesgewißheit
  zu  versetzen:  „Franzosen,  lautete  dieselbe,  der  Beginn  des  Krieges  ist  für  uns  ungünstig
gewesen.  Unsere  Wassen  haben  eine  Niederlage  erlitten.  Seien  wir  diesem  Unfall  gegenüber
  fest  und  beeilen  wir  uns,  ihn  gut  zu  machen.  Möge  es  unter  uns  nur  eine  Partei
geben,  der  alle  Franzosen  angehören,  nur  eine  Fahne  —  die  unserer  nationalen  Ehre  —
möge  uns  voranwehen.  Ich  komme  in  Eure  Mitte.  Treu  meiner  Mission  und  meiner
Pflicht  werdet  Ihr  mich  als  die  erste  bei  jeder  Gefahr  sehen,  wo  es  gilt,  die  Fahne
Frankreichs  zu  verteidigen.  Ich  beschwöre  alle  guten  Bürger,  die  Ordnung  aufrecht  zu