Der  deulsch-französische  Krieg.  503

—  —  —  —  ——  —  —  —.  —

erhalten.  Dieselbe  stören,  wäre  nichts  anderes,  als  mit  unseren  Feinden  konspirieren.“
Der  Kaiser  selbst  versicherte  in  einer  Depesche,  der  Rückzug  vollziehe  sich  in  vollkommener
und  ruhigster  Ordnung.  Die  Kammern,  die  am  22.  Juli  auseinander  gegangen  waren,
wurden  auf  den  11.  August  wieder  einberufen,  und  über  Paris  verhängte  man  den  Belagerungsgzustand.
  #  ·

Aber  alles  das  war  nur  dazu  angetan,  die  Aufregung  noch  zu  steigern.  Man
schwankte  von  einem  Entschluß  zum  andern,  in  einem  neuen  Dekret  berief  die  Kaiserin
die  Kammern  schon  auf  den  9.  August  ein,  Olivier  gab  an  diesem  Tage  unter  furcht—
barem  Tumult  einen  kurzen  Bericht  über  die  Sachlage.  Derselbe  lautete  noch  immer  so
zuversichtlich  wie  nur  irgend  möglich,  allein  niemand  wollte  ihn  hören,  Duvernois  stellte
den  Antrag,  die  Kammer  werde  nur  ein  Kabinett  unterstützen,  das  fähig  sei,  die  National-Marschall

  Leboeuf.
Major-General  der  französischen  Armee.  Befehlshaber  des  1.  französischen  Armeekorps.

verteidigung  zu  organisieren.  Trotz  der  Drohung  Oliviers,  in  diesem  Falle  sofort  seine
Entlassung  einzugeben,  wurde  der  Antrag  angenommen,  und  man  übertrug  die  Neubildung
des  Kabinetts  dem  Grafen  Palikao.

Die  Männer,  welche  sich  dieser  zu  seiner  Hilfe  herbeirief,  nahmen  die  ihnen
gewordene  Aufgabe  sehr  ernst  und  energisch  auf,  ohne  freilich  in  der  Wahl  ihrer  Mittel
sehr  wählerisch  zu  sein.  Man  scheute  nicht  vor  den  unerhörtesten  Fälschungen  zurück,
mehr  als  60  000  Deutsche,  die  in  Paris  lebten,  wurden  ausgewiesen,  der  Kaiser  mußte
Leboeuf  als  Kriegsminister  absetzen  und  den  Oberbefehl  an  Bazaine  abtreten;  er  sollte
nicht  nach  Paris  zurückkehren,  sondern  die  Kaiserin  in  ihrer  Stellung  als  Regentin  belassen.
  Die  Verteidigung  der  Hauplstadt  wurde  mit  allem  Eifer  betrieben,  das  Drängen
der  Republikaner  auf  Absetzung  des  Kaisers  wußte  man  wenigstens  in  den  öffentlichen
Sitzungen  zum  Verstummen  zu  bringen,  die  in  den  Vorstädten  ausbrechenden  Unruhen
unterdrückte  man  mit  aller  Energie,  für  Sammlung  und  Ausrüstung  neuer  Truppenteile
tat  man,  was  man  konnte,  allein  alle  diese  Anstrengungen  kamen  jetzt  zu  spät,  und  die
Fehler,  die  in  der  Heeresleitung  gemacht  wurden,  trugen  noch  dazu  bei,  die  Verwirrung
zu  vermehren.  Während  man  nun  im  französischen  Lager  mit  allerlei  Plänen  und  Ent-