Der  deutsch-französische  Krieg.  509

stellung  genommen,  und  sich  durch  Verhaue,  Verschanzungen  und  Verschläge  gedeckt.  Die
einzelnen  Armeekorps  standen  unter  dem  Oberbefehl  der  berühmtesten  französischen  Feld—
herren  Ladmirault,  Leboeuf,  Frossard.

Das  war  die  Schlacht  bei  Gravelotte  und  um  St.  Privat  am  18.  August,  in
welcher  der  König  selbst  den  Oberbefehl  führte.  Die  Franzosen  mußten  sich  hinter  die
Festung  Metz  zurückziehen.  „Der  König.“  so  beschreibt  ein  preußischer  General  diese
Schlacht,  formierte  für  den  bevorstehenden  Kampf  seine  Schlachtlinie  vom  rechten  Flügel
ab  gerechnet,  aus  dem  siebenten,  achten,  neunten  Garde-  und  dem  zwölften  Korps,  denen
das  dritte  und  zehnte,  die  leider  am  16.  stark  gelitten  hatten,  als  Reserve  folgen  sollten.
Der  Gefechtsposition  nach  sollte  die  ganze  Armee  eine  Rechtsschwenkung  machen,  den
rechten  Flügel  des  Feindes  umfassen,  und  ihn  so  nach  Metz  hineinwerfen.  Zu  dem  Ende
war  den  beiden  ganz  frischen  Armeekorps  der
Garde  und  dem  zwölften  die  schwere  Aufgabe,
die  Ueberflügelung  und  eigentliche  Entscheidung
des  Kampfes  zugedacht,  und  da  sie  aus  der
Gegend  von  Mars--la-Tour  bis  an  den  Feind
einen  Marsch  von  fast  vier  Stunden  Wegs
hatten,  ward  befohlen,  daß  der  rechte  Flügel
und  die  Mitte  sich  bis  zu  deren  Eingreifen  ins
Gefecht  nur  auf  vorbereitendes  Artillerie-Feuer
beschränken  sollten.  Es  ist  ein  schönes  Zengnis
  ihrer  Manövrierfähigkeit,  daß  sich  die
deutsche  Armee  an  diesem  Tage  erworben  hat,
daß  sie  diese  großartige  Schwenkung  ohne
irgend  welche  Stockung,  ohne  auseinander
zu  kommen  und  in  der  kurzen  Zeit  von  nicht
ganz  vier  Stunden  ausführte,  und  gegen
Mittag  auf  der  ganzen  Linie  gleichzeitig  zum
Angriff  vorgehen  konnte.  Gegen  12  Uhr  entbrannte
  an  der  französischen  Vorlinie  überall  der  Marschall  Bazaine,

Kampf;  gegen  2  Uhr  war  sie  überall  in  deutschen  Kommandant  des  3.  französischen  Armeekorps.
Händen  und  begann  der  Angriff  der  Hauptlinie

in  ihrer  ganzen  Ausdehnung.  Vier  Stunden  lang  rangen  die  beiden  Heere  mit  einander,
ohne  irgend  einen  Vorteil  zu  erringen,  zu  Hunderten  und  Tausenden  sielen  die  Tapferen
auf  beiden  Seiten;  alle  Korps,  mit  Ausnahme  des  zwölften  unter  dem  Kronprinzen  von
Sachsen,  waren  erschöpft;  erst  am  Abend  zwischen  halb  8  und  halb  9  Uhr  gelang  es,
St.  Privat  zu  erobern.  Stundenlang  waren  dort  die  Garde-Infanterie-Regimenter  dem
weit  zahlreicheren  Feinde  gegenüber  gestanden.  „Ein  überaus  heftiges  und  rasendes  Feuer,
meldet  ein  Bericht,  aus  Geschützen,  Mitrailleusen  und  Chassepots  wurde  den  vorrückenden
drei  Garde-Infanterie-Brigaden  entgegengeschleudert,  und  führte  gleich  Anfangs  große
Verluste  herbei,  die  sich  mit  jedem  Schritte  vorwärts  auf  der  mit  Geschossen  aller  Art
überschütteten  Todesbahn  steigerten.  Aber  unaufhaltsam  drangen  die  tapfern,  schwer  getroffenen
  Garde-Regimenter  mit  stolzer  Todesverachtung  vor.  Sämtliche  Generäle,  Stabsoffiziere
  und  Adjudanten  waren  zu  Pferde  geblieben,  um  das  Gefecht  besser  leiten  zu  können;
aber  in  kurzer  Zeit  wurde  ihnen  fast  sämtlich  das  Pferd  unter  dem  Leib  erschossen,  und