512  Dentschland  in  den  Jahren  1870—1871.

Volk  voll  Herrschsucht  und  Uebermut,  das  Deutschland  seine  schönsten  Gebiete  geraubt,
es  Jahrhunderte  lang  anmaßlich  bedroht  und  gefährdet  und  zu  erniedrigen  gesucht  hat.
Der  Herr,  der  unsere  Heerscharen  zum  Sieg  führt  über  Lüge  und  Unsitte,  Er
wird  jetzt  gnädiglich  fürsorgen,  daß  unsere  edlen  Opfer  nicht  vergeblich  fallen.  Er
wird  unsern  königlichen  Kriegsherrn  in  Silberhaaren  segnen,  daß  ihm  vergönnt  sei,  einen
dauernden  Völkerfrieden  herzustellen  im  Herzen  Europas,  durch  ein  großes,  einiges,
deutsches  Vaterland,  als  Hort  der  Gottesfurcht,  edler  Sitte  und  wahrer  Freiheit.

Das  walte  Gott.

Wenn  man  mit  Weber  von  einer  Periode  kriegerischer  Poesie  in  diesem  Feldzug
sprechen  will,  so  war  dieselbe  mit  dem  18.  August  zu  Ende.  Es  begann  nun  die  Periode
der  Prosa  mit  ihrem  langen  Warten,  mit  der  ruhelosen  Wachsamkeit  vor  dem  Feinde.
Die  Deutschen  hatten  nun  die  schwierige  Aufgabe,  die  Franzosen  in  Metz  festzuhalten
und  ihre  Kräfte  zu  binden,  man  mußte  neben  den  Waffengängen  im  Felde  auch  noch
einen  Belagerungskrieg  führen,  und  um  dieser  doppelten  Aufgabe  genügen  zu  können,
gab  der  König  von  den  vereinigten  Korps  drei  ab,  um  damit  unter  der  Führung  des
Kronprinzen  von  Sachsen  eine  neue  Armee,  die  Maasarmee,  zu  bilden,  die  übrigen  Teile
wurden  zu  einer  besonderen  Belagerungsarmee  vereinigt,  die  dem  Prinzen  Friedrich  Karl
unterstellt  war.  Auf  beiden  Seiten  der  Mosel  wurde  die  Stadt  von  dem  etwa  150000
Mann  starken  Belagerungsheer  eingeschlossen,  nur  eine  strenge  Blockade  bot  die  Möglichkeit,
  Metz  zu  erobern,  die  Deutschen  hatten  deswegen  namentlich  die  Aufgabe,  die  Festung
möglichst  streng  zu  bewachen,  während  die  Franzosen  ihren  Erfolg  in  wiederholten  Ausfällen
  zu  erreichen  hofften.  An  Kriegsmaterial  fehlte  es  den  Franzosen  nicht,  mit  den
Mundvorräten  war  es  dagegen  weit  weniger  gut  bestellt,  und  die  Unordnung  und  Ratlosigkeit
  mag  in  den  ersten  Tagen  eine  große  gewesen  sein.  Es  ist  nur  ein  gutes  Zeichen
für  Bazaines  Talent.  daß  er  am  26.  August,  wo  sich  Mac  Mahon  von  Mheims
nach  Rethel  aufmachte,  schon  einen  Ausfall  vorbereiten  konnte.  Er  wollte  Diedenhofen,
in  welchem  fast  gar  keine  Besatzung  saß,  gewinnen,  um  dann  einen  Weg  zu  dem  Heere
nach  Chalons  zu  finden  suchen.  Allein  er  mußte,  weil  von  preußischer  Seite  energische
Maßregeln  dagegen  getroffen  waren,  diesen  Plan  aufgeben,  und  erst,  als  er  erfuhr,  daß
ein  Teil  des  Belagerungsheeres  der  von  Mac  Mahon  bedrängten  Maas-Armee  zu  Hilfe
gezogen  sei,  entschloß  er  sich,  einen  Ausfall  zu  machen,  entweder  um  die  Preußen  zurückzuschlagen,
  oder  sich  wenigstens  rasch  seine  Proviantvorräte  zu  vermehren.  Es  gelang
ihm  am  31.  August  denn  auch  wirklich,  einen  kleinen  Vorteil  zu  erringen,  allein  ein  nächtlicher
  Angriff  unter  Manteuffel  warf  den  weit  überlegenen  Feind  wiederum  zurück,  und
die  Uebergabe  der  Festung  hing  nun  nur  noch  von  der  Zeit,  in  welcher  die  Proviantvorräte
  reichten,  ab.

Es  waren  blutige  und  schwere  Kämpfe,  welche  die  deutschen  Heere  bis  heute  bestanden
  hatten,  allein  am  Ende  war  ihnen  doch  noch  immer  der  Sieg  geblieben.  Und
nun  standen  sie  mitten  in  einem  Lande,  das  einst  deutsch  gewesen,  vor  Straßburg,  dem
Kleinod  von  Elsaß,  das  ihnen  einst  französischer  Verrat  genommen,  lagen  seine  Heere,
wer  wollte  es  da  der  öffentlichen  Meinung  verübeln,  wenn  sie  sich  namentlich  mit  dem
künftigen  Geschick  von  Elsaß-Lothringen  beschäftigte.

Der  kriegerische  Schauplatz  des  September  war  ein  Terrain  nördlich  von  Chalons,
welches  von  der  kaiserlichen  Regierung  angekauft  und  in  ein  Lager  mit  Baracken  und
Uebungsplätzen  verwandelt  worden  war.  Zwischen  dem  Lager  von  Chalons  und  dem