Der  dentsch-französische  Krieg.  6  5  13

Festungsgürtel  von  Metz  liegt  ein  hügeliges  Plateau  mit  einer  Reihe  von  Festungen,
die  das  Stromgebiet  der  Maas  gegen  Osten  und  Norden  schützen.  Im  Lager  von
Chalons  führte  Mac  Mahon  den  Oberbefehl  über  etwa  125.000  Mann,  auch  dann  noch,
als  sich  Napoleon  von  Verdun  aus  mit  ihm  verbunden  hatte.  Sobald  dorthin  die
Nachricht  von  den  Kämpfen  um  Metz  gekommen  war,  erhielt  Mac  Mahon  von  der
Regentschaft  den  Befehl,  mit  seinen  Heeren  den  Entsatz  von  Bozaine  zu  betreiben.  Mac
Mahon  selbst  zweifelte  an  dem  Gelingen  dieses  Unternehmens.  Napoleon  sollte  mit  einem
Teil  des  Heeres  nach  Paris  zurückkehren,  allein  dem  wiederholten  Befehl  der  Regentschaft
in  Paris  folgend,  gab  er  endlich  nach  und  suchte  eine  Verbindung  mit  Metz  herzustellen.
Deutscherseits  stellte  man  nun  sofort  den  Zug  nach  Westen  ein  und  schickte  sich  an,  das
Vorhaben  des  Feindes  zu  durchkreuzen.  Napoleon  und  Mac  Mahon  hatten  ihren  Aufenthalt
  in  Mouzon  genommen,  während  sich
der  König  von  Preußen  in  Vernues  befand.
Hier  erfuhren  sie,  daß  die  Bayern  unter  General
  von  der  Tann  das  Korps  des  General
de  Failly  mit  großen  Verlusten  zurückgeschlagen
  hatten,  und  setzten  nun  ihren  Marsch
eilig  nach  Cerignan  und  Sedan  fort  Der  Kaiser
hätte  sich  leicht  nach  Mezières  retten  können;
in  einer  Proklamation  an  seine  Soldaten  gab
er  noch  einmal  die  beruhigendsten  Versicherungen,
  allein  alle  seine  Pläne  wurden  durch  die
raschen  Bewegungen  der  Deutschen  zerstört.
Die  vierte  Armee  ging  auf  dem  rechten
Maasufer  vor  und  nahm  die  Ostseite  von
Sedan  in  Besitz,  die  dritte  aus  Norddeutschen,
Bayern  und  Württembergern  zusammengesetzte
Armee  näherte  sich  der  Festung  auf  der
linken  Seite.  In  der  Nacht  setzten  die  Bayern
an  zwei  Stellen  über  die  Maas,  während  das
11.  norddeutsche  Korps  bei  Donchery  und  die  General  Frossard,
württembergische  Division  noch  weiter  abwärts  Kommandant  des  2  französischen  Armeekorps.
den  Fluß  überschritten,  und  der  Kronprinz  von

Sachsen  namentlich  die  Höhen  im  Osten  und  Norden  der  Stadt  zu  besetzten  suchte.  Der
Kronprinz  von  Preußen  stand  mit  seinem  Stabe  auf  einer  Bergkuppe  bei  Chateau-Donchery,
  der  König  selbst  nahm  die  Höhe  von  Frenois  ein.

Bald  kam  es  dann  auch  zur  Schlacht  bei  Sedan  am  1.  und  2.  September.
Nachdem  sich  die  Bayern  in  mehrstündigem  Kampfe  des  Dorfes  Bazeille  bemächtigt  hatten,
wobei  Mac  Mahon  so  schwer  verwundet  wurde,  daß  er  den  Oberbefehl  abgeben  mußte,
und  das  preußisch-sächsische  Heer  den  nordöstlichen  Höhenzug  von  Villers-Carnay  in  seine
Gewalt  gebracht  hatte,  neigte  sich  das  Glück  der  Schlacht  bald  auf  die  deutsche  Seite.
Im  Nordwesten  der  Stadt  wurden  die  Ausgänge  von  St.  Menges  und  Fleigneux  besetzt
und  ein  furchtbares  Artilleriefeuer  auf  die  gegenüberstehenden  Franzosen  eröffnet.  Nachmittags

  mußten  die  Truppen  den  Rückzug  nach  Sedan  antreten,  wo  sich  nun  die  ganze
Armee  Mac  Mahons  zusammendrängte.

Ebner,  Illustrierte  Geschichte  Deutschlands.  44