Der  deutsch-französische  Krieg.  515

Kriegsherr  überall  fand,  bildeten  einen  ergreifenden  Kontrast  zu  den  Szenen  des  Elends,  des
Jammers,  der  Unordnung,  die  sich  dem  Blicke  in  Sedan  darboten,  wo  die  Luft  verpestet
war,  so  daß  es  wochenlanger  Reinigungsarbeiten  bedurfte,  um  den  Ort  für  die  Menschen
wieder  bewohnbar  zu  machen,  zu  der  Verwilderung,  Zuchtlosigkeit  und  tierischen  Versunkenheit,
  zu  denen  Hunger,  Unbotmäßigkeit  und  Verzweiflung  die  französischen  Soldaten
in  diesem  Momente  des  Untergangs  geführt.  Noch  niemals  war  einem  Kriegsheer,  das
noch  vor  wenigen  Tagen  in  rühmlichem  Kampfe  unter  den  Waffen  gestanden,  solche
Schmach  geboten  worden.

In  Paris  selbst  suchte  man  den  wahren  Sachverhalt  noch  immer  zu  verheimlichen.
Am  2.  September  berichtete  die  Patrie:  „Der  Marschall  Mac  Mahon,  in  Ausführung
der  prachtvollen  Bewegungen,  deren  Phasen  wir  Schritt  für  Schritt  verfolgt  haben,  hat
mit  dem  Feinde  zahlreiche  Zusammenstöße
gehabt,  welche  für  unsere  Waffen  immer
ruhmreich  endeten,  er  hat  den  Uebergang
über  die  Maas  in  glänzender  Weise  ausgeführt,
  und  zuletzt  den  Preußen  bei  Longwy,
einer  kleinen  Grenzstadt  im  Mosel-Departement,
  ein  vorteilhaftes  Treffen  geliefert.
Die  Preußen,  nach  sehr  lebhafter  Gegenwehr
  geschlagen,  haben  sich  auf  luxemburgisches
  Gebiet  geflüchtet,  wo  sie  entwaffnet
  und  interniert  worden.“  Die  Art
und  Weise,  wie  man  sich  in  Paris  über
die  Tatsachen  entweder  mit  faustdicken  Lügen
hinwegzuhelfen  suchte,  oder  in  ohnmächtiger
und  sinnloser  Wut  gegen  den  Feind  sich  ausließ,
  war  geradezu  unerhört,  die  Deutschen,
die  noch  in  Paris  waren,  wurden  in
rohester  Weise  gezwungen,  die  Stadt  zu  verlassen.
  Man  schonte,  da  wo  man  Verdacht  «  -
zu  haben  glaubte,  vor  einer  feindseligen  General  von  der  Taun.
Stimmung  kein  Alter  und  kein  Geschlecht,
und  als  nun  endlich  die  Wahrheit  über  Sedan  bekannt  wurde,  da  kannte  die  Aufregung
keine  Grenzen  mehr.  Noch  ehe  man  im  gesetzgebenden  Körper  den  Antrag  auf  Aksetzung
Napoleons  und  seiner  ganzen  Dynastie  hatte  einbringen  können,  hatte  die  rasende  Menge
die  Republik  verlangt,  und  am  4.  September  verkündete  man  derselben:  „Franzosen!  Das
Volk  hat  die  Kammer  überholt,  welche  zanderte.  Um  das  Vaterland  zu  retten,  das  sich
in  Gefahr  befindet,  hat  es  die  Republik  verlangt.  Es  hat  seine  Vertreter  nicht  in  die
Regierungsgewalt,  sondern  in  die  Gefahr  eingesetzt.  Die  Republik  hat  die  Invasion  im
Jahre  1792  besiegt,  die  Republik  ist  proklamiert.  Die  Republik  ist  im  Namen  der  Rechte
und  des  öffentlichen  Wohles  vollzogen.  Bürger!  bewacht  die  Stadt,  die  euch  anvertraut
worden  ist,  morgen  werdet  ihr  mit  der  Armee  die  Rächer  des  Vaterlandes  sein.“  Unter
Führung  von  Jules  Favre  und  Gambetta  wurde  eine  Regierung  zur  nationalen  Verteidigung
  eingesetzt,  an  deren  Spitze  Trochu  stand.  „Paris  retten,“  rief  damals  Victor
Hugo  aus,  „heißt  nicht  Frankreich  allein,  sondern  die  Welt  retten.  Paris  ist  der  MittelaS



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