518  Dentschland  in  den  Jahren  1870—1871.

—  —  —  —„.  "-Er

  fälscht  hier  die  offenkundigsten  Tatsachen  ebenso,  wie  er  die  Worte  unseres
Königs  gefälscht  hat.

Die  Partei,  welche  sich  der  Regierung  in  Frankreich  für  einen  Augenblick  bemächtigt
hat,  ist  an  der  Verirrung  und  Aufreizung  des  französischen  Volkes  Deutschland  gegenüber
ebenso  schuldig,  wie  die  kaiserliche  Regierung.  Gerade  die  Oppositionspartei  in  Frankreich
hat  sich  seit  vier  Jahren  Preußens  und  Deutschlands  Erhebung  fort  und  fort  als  eine
Niederlage  für  Frankreich  dargestellt,  und  als  Vorwurf  gegen  die  Regierung  des  Kaisers
ausgebeutet.  Es  verging  keine  Session,  in  welcher  nicht  die  radikalen  Abgeordneten  auf
Preußens  Sieg  bei  Sadowa,  als  auf  eine  noch  zu  fühnende  Schuld  der  Regierung
hinwiesen,  und  damit  die  Empfindlichkeit  des  Volks  und  der  Armee  aufstachelten.  Als
die  kaiserliche  Regierung  schließlich  den  Krieg  gegen  Deutschland  beschloß,  fand  sie  auch  bei
der  Mehrzahl  der  sonstigen  Opposition  Zustimmung  und  Unterstützung,  und  wenn  einige
sehr  vereinzelte  Abgeordnete  Bedenken  und  Widerspruch  erhoben,  so  geschah  es  nicht  aus
Gründen  einer  ehrlichen  Friedenspolitik,  sondern  weil  sie  für  den  Augenblick  an  der  genügenden
  Vorbereitung  des  Kriegs  und  deshalb  an  der  Sicherheit  des  Erfolges  zweifelten.

Die  republikanische  Partei  hat  den  Krieg  gegen  Deutschland  nicht  verdammt,  sie  har
vielmehr  seit  Jahren  zum  Krieg  gehetzt  und  gedrängt,  und  einer  ihrer  hervorragendsten
Führer,  der  jetzige  Minister  des  Innern,  hat  dem  Kampfe  gegen  Deutschland  zuerst  jene
gehässige  Wendung  gegeben,  durch  welche  Tausende  friedlicher  Deutscher  auf  die  unmenschlichste
  Weise  aus  ihren  Verhältnissen  in  Frankreich  herausgerissen  und  vertrieben  worden
sind;  er  hat  den  Eintritt  in  sein  neues  Amt  noch  durch  eine  Schärfung  jener  gewaltsamen
Maßregel  bezeichnet.  In  einem  der  jetzigen  Regierung  nahestehenden  Blatt  ist  geradezu
verkündet  worden,  daß  die  Deutschen  außerhalb  des  Völkerrechts  zu  stellen  seien,  und
bereits  treten  die  Früchte  dieser  neuen  republikanischen  Lehre  in  dem  nichtswürdigen
Verhalten  der  französischen  Bevölkerung  hervor.

Und  eine  solche  Partei  wagt  es,  sich  auf  die  hochherzigen  Absichten  unseres  Königs
zu  berufen,  und  dem  Siegeslauf  unserer  Armeen  mit  dem  bloßen  Hinweise  auf  ihre
wohlwollende  Gesinnung  Halt  zu  gebieten.

Welche  Bürgschaften  könnte  denn  diese  jetzige  sogenannte  Regierung  überhaupt  geben?

Sie  verdankt  ihr  augenblickliches  Bestehen  dem  Gewaltakt  eines  wüsten  Volkshaufens;
der  folgende  Augenblick  kann  die  Tat  des  4.  September  rückgängig  machen,  oder  durch
weitere  Excesse  noch  überbieten.  Die  jetzige  Regierung  entbehrt  jeder  wirklichen  Zustimmung
des  französischen  Volkes  und  wer  wollte  verbürgen,  daß  sie  auch  nur  so  lange  bestehen  wird,
bis  das  Volk  Gelegenheit  findet,  sich  über  die  künftige  Regierungsgewalt  auszusprechen.

Die  Art,  wie  Frankreich  in  Zukunft  regiert  sein  soll  und  will,  ist  lediglich  seine
innere  Angelegenheit,  wir  haben  uns  nicht  darin  gemischt  und  werden  es  nicht  tun;  wir
haben  einen  Wechsel  der  Regierung  als  Siegespreis  nicht  gefordert,  und  können  uns  ihn
als  solchen  nicht  anrechnen  lassen.  Welche  Bedeutung  aber  die  Beseitigung  Napoleons
für  Frankreich  haben  möchte,  für  uns  und  den  Weltfsrieden  könnten  wir  darin  um  so
weniger  eine  Bürgschaft  finden,  als  schon  die  wenigen  Tage  seit  dem  Regierungswechsel
gezeigt  haben,  daß  die  neue  einstweilige  Regierung  von  demselben  Dünkel,  von  derselben
Ueberhebung  und  Selbstüberschätzung  erfüllt  ist,  welche  das  französische  Volk  von  jeher
verblendet  haben.  Wenn  die  republikanische  Regierung  inmitten  der  beispiellosen  Niederlagen,
  welche  das  französische  Heer  und  Volk  Schlag  auf  Schlag  getroffen,  und  jede
ernste  Widerstandskraft  vernichtet  haben,  dennoch  dem  Sieger  gegenüber  eine  solche  Sprache