520  Dentschlaud  in  den  Jahren  1870  —1871.

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sich  zu  führen  erdreistet,  wie  es  in  jenen  ebenso  törichten,  als  herausfordernden  Kundgebungen
  geschieht,  wie  würde  Regierung  und  Volk  sich  von  neuem  gebärden,  wenn  der
Krieg  von  ihnen  genommen  würden,  ohne  daß  die  ganze  Bedeutung  der  Niederlage  ihnen
vollends  zum  Bewußtsein  gebracht  wäre.  Je  mehr  das  politische  Leben  in  Frankreich
auch  jetzt  wieder  von  Paris  aus  beherrscht  und  bestimmt  wird,  desto  mehr  kommt  es
darauf  an,  den  Uebermut  Frankreichs  vor  allem  noch  an  diesem,  seinem  Hauptsitze,  zu
beugen,  und  auch  dort  endlich  das  Bewußtsein  zu  wecken,  daß  die  Ruhe  Europas  nicht
ferner  der  Spielball  der  Launen  und  der  Frivolität  eines  sittlich  verkommenen  Volkes
sein  darf.  Das  neu  erstar  dene  Deutschland  wird  seinen  Siegeszug  durch  Frankreich  nicht
ubbrechen,  ohne  diese  Aufgabe  erfüllt
zu  haben.

Republik,  Kaisertum  oder  Königtum.
  Das  ist  für  Gegenwart  und  Zuklunft
  Frankreichs  eigene  Sache,  unser
Ziel  ist  ein  Frieden,  welcher  unserer
blutigen  Opfer  wert  ist,  und  wahrhafte,
feste  Bürgschaften  für  eine  friedliche  und
segensreiche  Zukunft  gibt.

Einen  solchen  Frieden  werden  wir,
so  Gott  will,  vor  Paris  erringen.

Das  war  nun  freilich  eine  andere
Sprache,  als  das  französische  Geflunker,
dessen  Gehaltlosigkeit  trotz  des  fürchterlichen
  Ernstes  der  Lage  doch  gar  manchesmal
  nur  komisch  wirken  konnte.  Hatten
die  Franzosen  Gelüste  nach  dem  Rhein
gezeigt,  so  war  nun  dafür  in  Deutschland
der  Gegenruf  nach  den  Vogesen  erweckt
worden.  Bismarck  hatte  vollständig  die
öffentliche  Stimmung  für  sich,  als  er
mit  der  Besitzergreifung  von  Elsaß=Lothringen
  auch  sofort  Maßregeln  verband,  die  auf  eine  dauernde  Vereinigung  dieser
Länder  mit  Deutschland  schließen  ließen.  Man  untersagte  die  Aushebung  für  die  französische
  Armee  durch  Conseription,  stellte  die  besetzten  Departements  unter  deutsche  Verwaltung,
  und  ohne  das  historische  Anrecht,  das  man  auf  diese  Länder  hatte,  nachdrücklich
in  den  Vordergrund  zu  stellen,  handelte  man  dabei  namentlich  nach  politischen  und  strategischen
  Motiven.  Frankreich  mußte  außer  Stands  gesetzt  werden,  Deutschland  wieder  zu
überfallen,  die  Absichten,  die  dabei  im  Spiel  waren,  konnten  natürlich  auch  in  Paris
nicht  verborgen  bleiben,  immer  wieder  hob  deswegen  Jules  Favre  die  friedlichen  Absichten
  des  Volkes  hervor,  allein  er  selbst  mochte  wohl  kaum  glauben,  daß  der  königliche
Feldherr  seinen  Friedensversicherungen  Glauben  schenken  werde;  trotzdem  war  man  von
der  Unbesiegbarkeit  der  dritten  französischen  Republik  so  fest,  wie  von  irgend  etwas,
überzeugt.

General  Vinoy,  der  auf  dem  Weg  von  Chalons  nach  Mezieres  war,  um  sich  mit
Mac  Mahon  zu  vereinigen,  gab  auf  die  Kunde  von  den  Ereignissen  in  Sedan  diesen

Generalleutnant  von  Blumenthal,
Generalstabschef  der  5.  deutschen  Armee.