526  Deutschland  in  den  Jahren  1870—1871.

Körper  die  Worte  des  Ministers  mit  Beifall  überschüttet.  Ich  bemerkte  ihm,  daß  die
Majorität  des  gesetzgebenden  Körpers  einige  Wochen  vorher  den  Frieden  acclamiert  hätte,
daß  diese  von  dem  Fürsten  gewählte  Majorität  unglücklicherweise  es  für  nötig  erachtet
hätte,  ihm  blindlings  nachzugeben,  daß  die  Nation  jedoch  zweimal  konsultiert,  bei  den
Wahlen  von  1869  und  bei  der  Abstimmung  des  Plebiscits  der  Friedens=  und  Freiheitspolitik
  energisch  zugestimmt  habe.

Die  Unterredung  über  diesen  Gegenstand  verlängerte  sich,  denn  der  Graf  hielt  seine
Meinung  aufrecht  und  ich  verteidigte  die  meinige;  da  ich  betreffs  seiner  Bedingungen  in
ihn  drang,  so  antwortete  er  mir  klar  und  deutlich,  daß  die  Mehrheit  seines  Landes  ihm
auferlege,  das  Gebiet  zu  behalten,  welches  dasselbe  sicherstelle.  Er  wiederholte  mir
mehrere  Male:  „Straßburg  ist  der  Schlüssel  zum  Hause,  ich  muß  ihn  haben“.  Ich
forderte  ihn  mehrere  Male  auf,  deutlicher  zu  sein.  Es  ist  unnütz,  entgegnete  er,  da  wir
uns  nicht  verständigen  können,  so  ist  es  eine  Sache,  welche  später  geordnet  werden  muß.
Ich  bat  ihn,  es  sofort  zu  tun,  und  er  sagte  mir  alsdann,  daß  die  beiden  Departements
des  Ober=  und  Niederrheins,  ein  Teil  des  Mosel-Departements  mit  Metz,  Chateau-Salins
und  Soissons  ihm  unumgänglich  notwendig  seien,  und  daß  er  nicht  darauf  verzichten
  könne.

Ich  machte  ihm  bemerklich,  daß  die  Zustimmung  der  Völker,  über  die  er  auf  diese
Weise  verfüge,  mehr  als  zweifelhaft  sei.  und  das  europäische  Staatsrecht  ihm  nicht  gestatte,
  diese  zu  umgehen.  Doch  antwortete  er,  ich  weiß  sehr  wohl,  daß  sie  von  uns  nichts
wissen  wollen.  Es  wird  eine  große  Last  für  uns  sein,  aber  wir  können  nicht  umhin,
sie  zu  nehmen.  Ich  bin  sicher,  daß  wir  in  einer  nahen  Zeit  einen  neuen  Krieg  mit
Ihnen  haben  werden,  wir  wollen  ihn  mit  allen  Vorteilen  für  uns  führen.

Ich  lehnte  mich,  wie  ich  mußte,  gegen  solche  Lösungen  auf.  Ich  sagte  ihm,  daß
mir  es  schiene,  daß  er  zwei  wichtige  Elemente  der  Diskussion  vergesse.  Zuerst  Europa,
welches  diese  Forderungen  übertrieben  finden  und  sich  ins  Mittel  legen  könnte;  dann  das
neue  Recht,  der  Fortschritt  der  Sitten,  welche  solchen  Forderungen  ganz  antipathisch
seien.  Ich  fügte  hinzu,  daß,  was  uns  betreffe,  wir  sie  niemals  annehmen  würden.  Wir
könnten  als  Nation  untergehen,  aber  uns  nicht  entehren,  übrigens  sei  das  Land  allein
kompetent,  um  sich  über  die  Abtretung  von  Gebiet  auszusprechen.  Wir  zweifelten  nicht
an  seiner  Ansicht,  aber  wir  wollten  es  konsultieren.  Ihm  gegenüber  also  befinde  sich
Preußen.  Und  um  klar  und  deutlich  zu  sein,  müsse  man  sagen,  daß  es,  vom  Siege
berauscht,  die  Vernichtung  Frankreichs  wolle.

Der  Graf  protestierte,  indem  er  immer  die  Verteidigung  der  nationalen  Sicherheit
vorschützte.  Ich  fuhr  fort:  Wenn  es  Ihrerseits  kein  Mißbrauch  der  Gewalt  ist,  der
geheime  Absichten  verbirgt,  so  gestatten  Sie  mir,  die  Versammlung  zusammentreten
zu  lassen,  sie  wird  eine  definitive  Regierung  ernennen,  welche  Ihre  Bedingungen  beurteilen
  wird.

Um  dieses  Projekt  auszuführen,  antwortete  mir  der  Graf,  bedürfe  es  eines  Waffenstillstandes,
  und  er  wolle  denselben  um  keinen  Preis.

Die  Unterredung  nahm  einen  immer  peinlicheren  Verlauf.  Der  Abend  kam  heran.
Ich  verlangte  von  Herrn  von  Bismarck  eine  zweite  Unterredung  zu  Ferrièäres,  wo  er  die
Nacht  zubringen  sollte,  und  jeder  ging  seiner  Wege.

Da  ich  meine  Mission  bis  zum  Schluß  erfüllen  wollte,  so  mußte  ich  auf  mehrere
der  Fragen,  welche  wir  behandelt  hatten,  zurück  und  zu  Ende  kommen.  Deshalb  be-