Der  deutsch-französische  Krieg.  52

merkte  ich  dem  Grafen,  als  ich  gegen  9½⅛  Uhr  abends  mit  ihm  wieder  zusammentraf,
daß,  da  die  Auskunft,  welche  ich  von  ihm  haben  wollte,  für  meine  Regierung  und  das
Publikum  bestimmt  sei,  ich  zum  Schluß  unserer  Unterredung  resumieren  werde,  um  nur
das  zu  veröffentlichen,  worüber  wir  übereingekommen  seien.  Geben  Sie  sich  diese  Mühe
nicht,  antwortete  er  mir,  ich  gebe  sie  Ihnen  ganz  preis,  Ihrer  Veröffentlichung  steht
nichts  entgegen.  Wir  nahmen  die  Diskussion  wieder  auf,  die  bis  Mitternacht  dauerte.
Ich  hob  besonders  die  Notwendigkeit  hervor,  eine  Versammlung  zu  berufen.  Der  Graf
ließ  sich  nach  und  nach  überzeugen,  und  kam  auf  den  Waffenstillstand  zurück.  Ich  verlangte
  14  Tage.  Wir  diskutjerten  die  Bedingungen.  Er  erklärte  sich  auf  sehr  unvollständige
  Weise  und  behielt  sich  vor,  den  König  zu  konsultieren.  Deshalb  verabschiedete
er  mich  auf  den  folgenden  Tag  um  11  Uhr.  Ich  habe  nur  noch  ein  Wort  zu  sagen,
denn,  indem  ich  diese  peinliche  Erzählung  mitteile,  wird  mein  Herz  von  allen  Aufregungen
zerrissen,  welche  es  während  der  drei  schrecklichen  Tage  gequält  haben,  und  es  drängt
mich,  zu  Ende  zu  kommen.  Ich  war  im  Schlosse  zu  Ferriéres  um  11  Uhr  morgens.
Der  Graf  trat  um  1134  Uhr  aus  den  Appartements  des  Königs  und  ich  vernahm  von
ihm  die  Bedingungen,  welche  er  an  den  Waffenstillstand  knüpfe.  Sie  waren  in  einem
in  deutscher  Sprache  geschriebenen  Text  niedergelegt,  von  welchem  er  mir  mündlich
Mitteilung  machte.  Er  verlangte  als  Pfand  die  Besetzung  von  Straßburg,  Toul  und
Pfalzburg,  und  da  ich  am  Tage  vorher  gesagt,  daß  die  Versammlung  in  Paris
zusammentreten  solle,  so  wollte  er  in  diesem  Falle  ein  Fort,  welches  die  Stadt  beherrsche,
z.  B.  das  des  Mont  Valerien.

Ich  unterbrach  ihn,  um  ihm  zu  sagen:  Es  wäre  viel  einfacher,  Paris  von  uns  zu
verlangen.  Wie,  wollen  Sie,  daß  eine  französische  Versammlung  unter  Ihren  Kanonen
berate?  Ich  hatte  die  Ehre,  Ihnen  zu  sagen,  daß  ich  meiner  Regierung  unfere  Unterhaltung
  mitteilen  werde,  ich  weiß  wahrlich  nicht,  ob  ich  wagen  werde  zu  sagen,  daß  Sie
mir  eine  solche  Proposition  gemacht  haben.

Suchen  wir  eine  andere  Kombination,  erwiderte  er  mir.  Ich  sprach  ihm  von  dem

Zusammentritt  der  Versammlung  in  Tours,  ohne  daß  man  nach  der  Seite  von  Paris
ein  Pfand  nehme.

Er  schlug  mir  vor,  mit  dem  König  darüber  zu  sprechen;  und  auf  die  Besatzung
von  Straßburg  zurückkommend,  fügte  er  hinzu:  die  Stadt  wird  in  unsere  Hände  fallen,
das  ist  nur  noch  Sache  der  Berechnung  eines  Ingenieurs.  Deshalb  verlange  ich  auch
von  Ihnen,  daß  die  Garnison  sich  als  kriegsgefangen  ergebe.

Bei  diesen  Worten  sprang  ich  vor  Schmerzen  in  die  Höhe  und  rief  aus:  Sie  vergessen,
  daß  Sie  zu  einem  Franzosen  sprechen,  Herr  Graf!  Eine  heldenmütige  Besatzung
opfern,  welche  der  Gegenstand  von  unserer  und  aller  Welt  Bewunderung  ist,  wäre  eine
Feigheit  und  ich  verspreche  Ihnen  nicht,  zu  sagen,  daß  Sie  mir  eine  solche  Bedingung
gestellt  haben.

Der  Graf  antwortete  mir,  daß  er  nicht  die  Absicht  habe,  mich  zu  verletzen,  daß
er  sich  nach  den  Gesetzen  des  Krieges  richte,  daß  übrigens,  wenn  der  König  einwillige,
dieser  Artikel  modifiziert  werden  könne.

Nach  einer  Viertelstunde  kehrte  er  wieder  zurück.  Der  König  acceptierte  die  Kombination

  von  Tours,  aber  er  bestand  darauf,  daß  sich  die  Besatzung  von  Straßburg  als
kriegsgefangen  ergebe.