510  YDeuischland  in  den  Jahren  1870  —1871.

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sordert  der  Krieg,  aber  der  tiefe  Schmerz  über  den  Verlust  der  tapferen  Söhne  erschüttert
nicht  den  entschlossenen  Willen  der  Nation,  welche  nicht  eher  die  Waffen  ablegen  wird,
bis  der  Friede  durch  gesicherte  Grenzen  besser  verbürgt  ist,  gegen  wiederkehrende  Angriffe
des  eifersüchtigen  Nachbarn.

Dank  den  Siegen,  zu  denen  Ew.  Majestät  die  Heere  Deutschlands  in  treuer  Waffen—
genossenschaft  geführt  hat,  sieht  die  Nation  der  dauernden  Einigung  entgegen.

Vereint  mit  den  Fürsten  Deutschlands  naht  der  norddeutsche  Reichstag  mit  der
Bitte,  daß  es  Ew.  Majestät  gefallen  möge,  durch  Annahme  der  deutschen  Kaiserkrone
das  Einigungswerk  zu  weihen.

Die  deutsche  Krone  auf  dem  Haupt  Ew.  Majestät  wird  dem  wieder  aufgerichteten
Reiche  deutscher  Nation  Tage  der  Macht,  des  Friedens,  der  Wohlfahrt  und  der  im  Schutz
der  Gesetze  gesicherten  Freiheit  eröffnen.

Das  Vaterland  dankt  dem  Führer  und  dem  ruhmreichen  Heere,  an  dessen  Spitze
Ew.  Majestät  heute  noch  auf  dem  erkämpften  Siegesfeld  weilt.  Unvergessen  für  immer  werden
der  Nation  die  Hingebung  und  die  Taten  ihrer  Söhne  bleiben.  Möge  dem  Volke  bald  vergönnt
sein,  daß  der  ruhmgekrönte  Kaiser  der  Nation  den  Frieden  wieder  gibt.  Mächtig  und  siegreich
  hat  sich  das  vereinte  Deutschland  im  Kriege  bewährt  unter  seinem  höchsten  Feldherrn,
mächtig  und  friedliebend  wird  das  geeinigte  Deutsche  Reich  unter  seinem  Kaiser  sein.“

Ueber  den  Empfang  dieser  Kaiserdeputation  in  Versailles  selbst  meldet  der  „Staats-Anzeiger“:


„Die  Deputation,  welche  unserem  Könige  die  Adresse  des  norddeutschen  Reichstages
überreichen  sollte,  war  am  16.  abends  in  Versailles  eingetrofsen.  Für  den  Empfang  bei
Sr.  Majestät  dem  Könige  war  der  Sonntag,  18.  Dezember,  bestimmt.  In  einfacherer
und  ergreifenderer  Weise  ist  wohl  nie  ein  Staatsakt  von  höchster  welthistorischer  Bedeutung
  vollzogen  worden.  Die  Umstände  der  Zeit  und  die  äußere  Umgebung,  in  welcher
das  königliche  Versprechen  der  Annahme  des  Kaisertitels  vor  den  Vertretern  der  Nation
abgelegt  wurde,  konnten  nicht  ohne  Einfluß  auf  den  Charakter  der  feierlichen  Handlung
bleiben.  Inmitten  eines  deutschen  Heereslagers,  das  seine  siegreichen  Waffen  mitten  in
Feindesland  hineingetragen  hat,  drängt  sich  noch  einmal  der  Gedanke  auf  an  die  schweren
Opser,  mit  welchen  das  deutsche  Volk  in  blutigen  Kämpfen  gegen  die  herrschsichtige
Politik  einer  benachbarten  Nation  das  lang  erstrebte  und  nun  endlich  erreichte  Ziel  seiner
inneren  Einigung  erkaufen  mußte.  Gleichzeitig  aber  gelangte  an  dieser  Stelle  zum  reinsten
Ausdruck  die  Ueberzeugung,  daß  die  Würde,  welche  heute  der  einstimmige  Wunsch  des
Volkes  dem  Könige  von  Preußen  entgegen  trägt,  nicht  das  Werk  persönlichen  Ehrgeizes
ist,  sondern  daß  die  Nation,  fern  von  jeder  Ueberhebung,  ein  heiliges  Recht  und  die
Pflicht  hat,  für  das,  durch  ihre  Waffentaten  geeinte  Deutsche  Reich  einen  Namen  anzunehmen,
  dem  durch  Jahrhunderte  hindurch  in  allen  Landen  die  höchste  Ehrfurcht  gezollt
ward.  Ein  Blick  auf  die  Versammlung,  die  in  der  Stunde  eines  hochwichtigen  Entschlusses
Se.  Majestät  den  König  umstand  —  die  Fürsten  des  deutschen  Reiches,  die  ihre  Hand
zu  einem  machtvollen  Bunde  reichen,  die  Führer  der  deutschen  Armeen,  welche  die  Schlachten
von  1870  geschlagen  haben,  die  Vertreter  des  deutschen  Volkes,  die  durch  ihre  Beschlüsse
die  begeisterte  Erhebung  einer  beleidigten  Nation  mit  vaterländischer  Opferwilligkeit
unterstützten,  —  ein  Blick  auf  die  Versammlung  sagte  jedem  Anwesenden,  daß  das
künftige  deutsche  Kaisertum  auf  einen  felsenfesten  Unterbau  gegründet  sein  wird,  der  nicht
verfehlen  kann,  dem  deutschen  Namen  Achtung  durch  alle  Welt  zu  verschaffen.