542  Deutschland  in  den  Jahren  1870—1871.

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gerichtet  und  ihr,  wenn  Gott  ferner  hilft  und  Segen  gibt,  in  Beidem  die  Gewißheit  von
Einheit  und  Macht,  von  Recht  und  Gesetz,  von  Freiheit  und  Frieden  zu  teil  werden.

Ew.  Majestät  wollen  geruhen,  den  Befehl  zu  ertellen,  daß  der  Wortlaut  der  Adresse
verlesen  und  die  Urkunde  in  Ew.  Majestät  Hände  gelegt  werde.“

Nachdem  Se.  Majestät  Allerhöchstihre  Zustimmung  gegeben,  verlas  der  Präsident
Dr.  Simson  die  Adresse,  welche  auf  Pergament  geschrieben,  in  rotem  Einband  eingeschlossen,
  Sr.  Majestät  überreicht  und  von  Allerhöchstdemselben  dem  Flügel-Adjutanten
Grafen  Lehndorff  eingehändigt  wurde.  Se.  Majestät  der  König  verlasen  darauf  die
folgende  Allerhöchste  Erwiderung  an  die  Deputation  des  Reichstages:

„Geehrte  Herren!  Indem  ich  Sie  hier  auf  fremdem  Boden,  fern  von  der  deutschen
Grenze,  empfange,  ist  es  Mir  das  erste  Bedürsnis,  Meiner  Dankbarkeit  gegen  die  göttliche
  Vorsehung  Ausdruck  zu  geben,  deren  wunderbare  Fügung  uns  hier  in  der  alten
französischen  Königsstadt  zusammengeführt.

Gott  hat  uns  Sieg  verliehen  in  einem  Maße,  wie  Ich  es  kaum  zu  hoffen  und  zu
bitten  wagte,  als  ich  im  Sommer  dieses  Jahres  zuerst  Ihre  Unterstützung  für  diesen
schweren  Krieg  in  Anspruch  nahm.

Die  Unterstützung  ist  Mir  in  vollem  Maße  zu  teil  geworden  und  Ich  spreche  Ihnen
den  Dank  dafür  aus  in  Meinem  Namen,  im  Namen  des  Heeres,  im  Namen  des  Vaterlandes.
  Die  siegreichen  deutschen  Heere,  in  deren  Mitte  sie  Mich  aufgesucht  haben,  fanden
in  der  Opferwilligkeit  des  Vaterlandes,  in  der  treuen  Teilnahme  und  Fürsorge  des
Volkes  in  der  Heimat,  in  der  Einmütigkeit  des  Volkes  und  des  Heeres  ihre  Ermutigung
in  schweren  Kämpfen  und  Entbehrungen.

Die  Gewährung  der  Mittel,  welche  die  Rezgierungen  des  Norddeutschen  Bundes
noch  in  der  eben  geschlossenen  Session  des  Reichstages  für  die  Fortsetzung  des  Krieges
verlangten,  hat  Mir  einen  neuen  Beweis  gegeben,  daß  die  Nation  entschlossen  ist,  ihre
volle  Kraft  dafür  einzusetzen,  daß  die  großen  und  schmerzlichen  Opfer,  welche  Mein
Herz  wie  das  ihrige  tief  bewegen,  nicht  umsonst  gebracht  sein  sollen,  und  die  Waffen
nicht  aus  der  Hand  zu  legen,  bis  Deutschlands  Grenze  gegen  künftige  Angriffe  sicher
gestellt  ist.

Der  Norddeutsche  Reichstag,  dessen  Grüße  und  Glückwünsche  sie  Mir  überbringen,
ist  berufen  gewesen,  noch  vor  seinem  Schluß  zu  dem  Werke  der  Einigung  Deutschlands
entscheidend  mitzuwirken.  Ich  bin  demselben  dankbar  für  die  Bereitwilligkeit,  mit  welcher
er  fast  einmütig  seine  Zustimmung  zu  den  Verträgen  ausgesprochen  hat,  welche  der  Einheit
  der  Nation  einen  organischen  Ausdruck  geben  werden.

Der  Reichstag  hat,  gleich  den  verbündeten  Regierungen,  diesen  Verträgen  in  der
Ueberzeugung  zugestimmt,  daß  das  gemeinsame  staatliche  Leben  der  Deutschen  sich  um
so  segensreicher  entwickeln  werde,  als  die  für  dasselbe  gewonnenen  Grundlagen  von
unsern  süddeutschen  Bundesgenossen  aus  freier  Entschließung,  nach  Maßgabe  ihrer  eigenen
Würdigung  des  nationalen  Bedürfnisses,  bemessen  und  dargeboten  worden  sind.  Ich
hoffe,  daß  die  Vertretungen  der  Staaten,  denen  Verträge  noch  vorzulegen  sind,  ihren
Regierungen  auf  dem  betretenen  Wege  folgen  werden.

Mit  tiefer  Bewegung  hat  Mich  die  durch  Se.  Majestät  den  König  von  Bayern  an
Mich  gelangte  Aufforderung  zur  Herstellung  der  Kaiserwürde  des  alten  Deutschen  Reichs
erfüllt.  Sie,  meine  Herren,  bringen  Mir  im  Namen  des  Norddeutschen  Reichstages  die

Bitte,  daß  ich  Mich  dem  an  Mich  ergehenden  Rufe  nicht  entziehen  möge.