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Der  denisch-stamösische  Krieg.  545

Deutschen  Kaiserreichs  statt.  Wenn  auch  die  Verhältnisse  der  Zeit  es  bedingten,  daß  bei
dieser  für  ewig  denkwürdigen  Feier  die  Armee  das  Deutsche  Volk  zu  vertreten  hatte,  so
waren  doch  die  Augen  der  ganzen  Nation,  ersüllt  vom  Dank  für  das  erreichte  Ziel  der
Einigung,  auf  die  Stelle  gerichtet,  wo  im  Kreise  der  Fürsten,  der  Heerführer  und  der
Truppen  König  Wilhelm  verkündete,  daß  Er  für  Sich  und  Seine  Erben  an  der  Krone
Preußens  den  altehrwürdigen  Titel  des  Deutschen  Kaisers  in  neuem  Glanze  wiederherstellen
  wolle.

Die  unabweislichen  Pflichten  des  Kriegsdienstes  verhinderten,  daß  alle  Teile  des
um  Paris  lagernden  Deutschen  Heeres  sich  in  gleichmäßiger  Stärke  an  der  Kaiserfeier
beteiligten.  Von  den  entfernter  liegenden  Truppen,  wie  von  denen  der  Maas-Armee,
hatten  nur  einzelne  Deputationen  entsandt  werden  können.  Die  obersten  Führer  aber
und  mit  ihnen  Abgesandte  der  Offizierkorps  waren  zur  Stelle  erschienen.  Auch  für  das
Bereich  der  dritten  Armee  hat  die  Ordre  des  Kronprinzen  bestimmt,  daß  von  jedem
Regiment  3—4  Vertreter  in  Begleitung  der  Fahnen  und  außerdem  von  den  höheren
Offizieren  nur  diejenigen  nach  Versailles  sich  begeben  sollten,  denen  die  dienstlichen  Interessen
  eine  kurze  Abwesenheit  von  ihrem  Kommando  erlaubten.  Den  beiden  bayerischen
Korps  war  freigestellt  worden,  ob  sie  an  der  Festlichkeit  teilnehmen  wollten.  Sie  entsprachen
  dieser  Aufforderung,  indem  sie  den  größten  Teil  ihrer  Fahnen  nach  Versailles
abschickten  und  außerdem  sich  durch  die  sämtlichen  Prinzen  des  bayerischen  Königshauses,
die  im  Felde  vor  Paris  stehen,  sowie  durch  zahlreiche  Deputationen  der  Offiziere  und
mehrere  Detachements  Königlich  bayerischer  Soldaten  vertreten  ließen.

Am  Morgen  des  18.  begab  sich  der  Kronprinz  nach  dem  Schloß,  um  hier  Seinen
Erlauchten  Vater  zu  empfangen.  Auf  dem  Schloßhof  stand,  ebenso  wie  vor  der  Hauptwache,
  als  Ehrenwache  eine  Kompagnie  des  (7.)  Königs-Grenadier-Regiments  mit  der
Fahne.

Se.  Majestät  verließen  Allerhöchst  Ihr  Hauptauartier  Schlag  12  Uhr.  Vor  dem
Schlosse  angekommen,  ließen  Allerhöchstdieselben  es  auch  heute  Sich  nicht  nehmen,  die
Truppen  der  Ehrenwache  zu  inspizieren.

Während  Se.  Majestät,  umgeben  von  den  Prinzen,  den  Fürsten,  Generälen  und
Ministern,  noch  einige  Augenblicke  in  den  Vorzimmern  der  Festräume  verweilten,  hatte
sich  in  dem  Saale,  wo  die  Feierlichkeit  stattfinden  sollte,  der  Galerie  des  Glaces,  die
Versammlung  geordnet.  An  der  Südseite,  die  nach  dem  Park  geht,  rechts  und  links  von
dem  mit  einer  roten  Decke  bekleideten  Altar,  welche  als  Symbol  das  Zeichen  des  Eisernen
Kreuzes  trug,  standen  die  Truppen,  welche  die  Fahnen  nach  Verseailles  begleitet  hatten.
Die  Fahnen  selbst,  von  den  Fahnenträgern  gehalten,  hatten  ihren  Platz  auf  einer  Estrade
an  der  Östseite  des  Festraumes.  Die  Zahl  der  anwesenden  Offiziere  betrug  zwischen
fünf=  bis  sechshundert.

Bald  nach  12¼  Uhr  traten  Se.  Majestät  in  den  Festsaal  ein,  während  ein  Sängerchor,
  zusammengesetzt  aus  Mannschaften  des  7.,  47.  und  58.  Regiments,  das  „Jauchzet
dem  Herrn  alle  Welt“,  anstimmte.  Der  König  nahm  in  der  Mitte  vor  dem  Altar  Aufstellung,
  im  Halbkreise  um  Se.  Majestät  die  Prinzen  und  Fürsten;  der  Kronprinz,  Prinz
Karl  und  Adalbert  von  Preußen,  der  Kronprinz  und  Prinz  Georg  von  Sachsen,  die
Großherzöge  von  Baden,  Sachsen  und  Oldenburg,  die  Herzöge  von  Koburg,  Meiningen
und  Altenburg,  die  Prinzen  Otto,  Luitpold  und  Leopold  von  Bayern,  die  Prinzen
Wilhelm  und  August,  sowie  die  Herzöge  Eugen  der  Aeltere  und  Eugen  der  Jüngere  von

Ebner,  Illustrierte  Geschichte  Deutschlands.  86