546  Peutschland  in  den  Jahren  1870—1871.

Württemberg,  die  Erbgroßherzöge  von  Sachsen,  Mecklenburg-Schwerin  und  Strelitz,  die
Erbprinzen  von  Meiningen,  Anhalt,  die  Fürsten  von  Schaumburg-Lippe  und  Schwarzburg-Rudolstadt,
  der  Erbprinz  von  Hohenzollern,  der  Landgraf  von  Hessen,  der  Herzog  von
Augustenburg,  die  Fürsten  von  Wied,  Putbus,  Lynar,  Pleß,  die  Prinzen  von  Reuß,  Croy,
Biron  von  Kurland.  Hinter  den  Fürsten  und  ihnen  zur  Seite  standen  die  Generäle  und
Minister.  An  der  Spitze  des  linken  Flügels  der  Bundeskanzler  und  der  Hausminister
Freiherr  von  Schleinitz,  rechts  Staatsminister  Delbrück.

Nach  dem  Chorgesang  sang  die  Gemeinde  einen  Vers  des  Chorals:  „Sei  Lob  und
Ehr'".  Dann  folgte  die  Liturgie  und  darauf  die  Festrede.  Nachdem  der  Gesang:  „Nun
danket  Alle  Gott“  und  der  Segen  die  kirchliche  Feierlichkeit  beendet  hatten,  schritten
Se.  Majestät  durch  die  Reihen  der  Versammlung  auf  die  Estrade  zu,  verlasen  vor  den
Fahnen  die  Urkunde  der  Verkündigung  des  Kaiserreichs  und  gaben  dann  dem  Bundeskanzler
  den  Befehl  zur  Verlesung  der  „Proklamation  an  das  Deutsche  Volk“.  Mit
lauter  Stimme  rief  darauf  der  Großherzog  von  Baden:  „Se.  Majestät  der  Kaiser  Wilhelm
lebe  hoch!“

Unter  den  Klängen  der  Volkshymne  stimmte  die  Versammlung  dreimal  begeistert  ein.

Se.  Kaiserliche  Majestät  umarmten  dann  den  Kronprinzen,  den  Prinzen  Karl  und
die  ihm  persönlich  verwandten  Fürsten.  Dann  ließ  der  Kaiser  die  Deputationen  der
Offiziere  an  sich  vorüber  passieren  und  ging  an  den  Reihen  der  im  Saale  aufgestellten
Truppen  entlang.  Die  Musikkorps  hatten  sich  inzwischen  in  dem  an  die  Galerie  östlich
anstoßenden  „Friedenssaal“  aufgestellt.  Sie  begrüßten  Se.  Majestät,  als  Allerhöchstdieselben
  von  den  Prinzen,  Fürsten  und  Generälen  begleitet,  den  Festraum  verließen,
mit  dem  Hohenfriedberger  Marsch.  Die  Offiziere  folgten  Sr.  Majestät;  die  Fahnen
wurden  von  den  begleitenden  Mannschaften  in  Empfang  genommen.“

Und  die  „Provinzial-Korrespondenz“  widmete  diesem  gewaltigen,  historischen  Ereignis
die  folgenden  Worte:  „So  ist  denn  das  Deutsche  Kaisertum  wieder  erstanden  und  unter
dem  begeisterten  Zurufe  des  deutschen  Volkes  feierlich  verkündet  worden.

Es  war  Gottes  Fügung,  daß  die  stille  Arbeit  des  deutschen  Geistes,  durch  welche
das  Werk  der  Einigung  seit  Jahrzehnten  vorbereitet  war,  ihre  endliche  Erfüllung  erst
auf  den  Schlachtfeldern  finden  sollte.

Die  Prophezeihung,  daß  unser  Volk  durch  „Blut  und  Eisen“  zur  ersehnten  Einheit
kommen  werde,  ist  rascher  und  vollständiger,  als  man  es  ahnen  konnte,  zur  Wahrheit
geworden.  In  der  einmütigen  Erhebung  und  im  glorreichen  Kampfe  aller  deutschen
Stämme  gegen  den  alten  Erbfeind  deutscher  Nation  hat  das  Bewußtsein  der  inneren
Einheit  mit  unerwarteter  Kraft  alle  Hüllen  und  Hemmnisse  zersprengt  und  abgestreift,
und  ist  mit  einem  gewaltigen  Schlage  zur  Geltung  und  Herrschaft  gelangt.

Die  deutsche  Einheit  war  innerlich  fertig,  schon  als  der  nationale  Krieg  unter
Führung  unseres  Heldenkönigs  begann,  sie  war  vollends  im  Geiste  des  Volkes  bestätigt  und
besiegelt,  nachdem  die  geeinigte  Kraft  des  Volkes  sich  in  wunderbaren  Siegen  und
Erfolgen  bewährt  hatte.

Deutschland  war  bereits  in  der  Tat  und  Wahrheit  ein  mächtiges  Reich  geworden,
unser  König  war  bereits  der  Kaiser  und  Herzog  der  Deutschen  mit  einer  Machtfülle  und
Größe,  wie  kein  Kaiser  zuvor,  unser  Volk  war  erfüllt  und  gehoben  von  dem  freudigen
Bewußtsein  der  wiedererstandenen  Herrlichkeit  des  Deutschen  Reiches;  —  so  mußte  denn,