Der  deutsch-französische  Kritg.  519

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tägigem  Kampfe  standen  die  badischen  Truppen  unter  Werder  da,  wie  einst  Leonidas  mit
seinen  Spartanern  in  den  Thermopylen.  Das  Werdersche  Korps,  so  schreibt  J.  Venedey,
das  so  eigentlich  kein  besonderes  Korps,  sondern  nach  und  nach  zu  einem  kleinen  Heere
von  Heeres-Abteilungen  aus  allen  Gauen  Deutschlands,  Baden,  Württemberg,  Westfalen,
Holstein  zusammengelesen  war,  hat  ein  sehr  einfaches,  aber  wunderbar  großartiges  Schauspiel
  von  festem  Mut  und  unerschütterlicher  Standhaftigkeit  der  Massen  dieses  kleinen
Heeres,  des  gemeinen  Mannes,  des  Volkes,  das  in  ihm  vertreten  war,  gegeben.  Drei
Tage  haben  die  deutschen  Krieger  hier  nicht  nur  wie  die  Helden  gekämpft  —  das  hätten
auch  andere  Völker  gekonnt,  die  Franzosen  vor  allen  vielleicht  auch  —  ja  nicht  nur  gekämpft,
  sondern  auch  gewacht,  gehungert,  gefroren,  gedürstet,  gelitten  und  überstanden,
was  je  irgend  einem  Heere  geboten  worden  ist.  Wer  darüber  von  den  Mitkämpfenden
sprechen,  die  Einzelheiten  erzählen  hört,  dem  wird  es  heiß  und  kalt  im  Herzen,  der  staunt
und  bewundert  diese  eisenfesten  Männer.  Es  ist  das  Volk,  es  ist  die  deutsche  Volkskraft,
der  deutsche  Volksgeist,  der  so  zu  leiden,  zu  dulden,  zu  darben,  zu  hungern,  zu  frieren
vermochte,  und  dann  wieder  Tag  um  Tag  unerschüttert  und  unerschütterlich  dem  tapferen,
doppelt  und  dreifach  starken  Feinde  festen  Fußes  Widerstand  leistete.  Es  überlief  uns
ein  Schauer,  als  ein  Verwundeter  dieser  Heldenschar  schlicht  und  einfach  erzählte:  „Wir
sagten  uns:  „Hier  kommt  niemand  durch!  Und  es  ist  niemand  durchgekommen.“  Es  war
das  Volk,  das  kämpfte,  es  war  das  deutsche  Volksbewußtsein,  zum  Heldenmute  erwacht,
das  sich  den  ganzen  Feldzug  hindurch  bewährt  hat,  das  vom  ersten  bis  zum  letzten  Schluß
sich  sagte:  „Hier  kommt  niemand  durch!“

Die  Bourbakische  Armee  mußte  sich  nach  Bese  'con  zurückziehen.  Der  General
wollte  von  da  südwärts  nach  Lyon  marschieren.  Allein  es  war  hierzu  zu  spät.  Während
Garibaldi  bei  Dijon  von  General  Kettler  im  Schach  gehalten  wurde,  sah  sich  Bourbaki
von  Werder,  Zastrow  und  Fransecky  in  einem  Halbkreis  umstellt,  und  es  blieb  ihm  nichts
übrig,  als  Kapitulation  oder  der  Uebergang  auf  das  neutrale  Gebiet  der  Schweiz.  Woh
gelang  es  Garibaldi,  bei  Dijon  eine  preußische  Fahne  zu  erobern,  allein  er  selbst  legte
bald  den  Oberbefehl  nieder,  räumte  Dijon  und  kehrte  in  seine  Heimat  zurück.  In  den
Tagen  vom  27.  und  29.  Januar  wurde  Bourbakis  Armee  von  den  vereinigten  Deutschen
angegriffen  und  an  die  Schweizer  Grenze  gedrängt;  die  Zahl  der  Gefangenen,  im  Anfang
4000,  stieg  allmählich  auf  15000.  Bourbakis  Versuch,  sich  selbst  das  Leben  zu  nehmen,
mißlang;  General  Clusant,  der  an  seine  Stelle  trat,  sah  in  dem  Uebertritt  in  die  Schweiz
den  einzigen  Weg  der  Rettung.  Eine  Armee  von  85000  Mann,  halb  verhungert,  in
zerfetzter  Kleidung,  suchte  dort  ihr  Asyl.

Damit  war  nun  der  Krieg  zwischen  Frankreich  und  Deutschland  wohl  in  der  Hauptsache
  beendigt.  In  Paris  selbst  steuerte  man  nun  auf  den  Frieden  zu.  Aber  um  denselben
  herbeiführen  zu  können,  bedurfte  man  einer  Verlängerung  des  Waffenstillstandes,
und  diese  konnte  nur  dann  erreicht  werden,  wenn  die  bis  dahin  tapfer  verteidigte  Festung
Belfort  siel.  So  wurde  denn  der  Kommandant  derselben  angewiesen,  Belfort  vertragsweise
  zu  übergeben.  Allein  man  bewilligte  nur  eine  kurze  Verlängerung,  um  gegebenen
Falles  den  Krieg  fortsetzen  zu  können.  Denn  noch  gab  es  in  Paris  eine  Partei,  die  den
Krieg  wollte,  eine  andere  war  mehr  für  einen  „ehrenvollen  Frieden“.  Die  Abtretung  von
Elsaß  und  Lothringen  gab  noch  zu  manchen  heftigen  Erörterungen  Anlaß,  allein  Bismarck
blieb  auf  derselben  besteben.

Wie  die  Kunde  von  der  Kapitulation  von  Paris  und  dem  daran  sich  knüpfenden