Der  deutsch-französssche  Krieg.  557

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Am  Mittwoch  (22.)  kam  Herr  Thiers  wiederum  aus  Paris  nach  Versailles  und
hatte  nicht  nur  eine  längere  Konferenz  mit  dem  Grafen  Bismarck,  sondern  wurde  auf
seinen  Wunsch  auch  von  Sr.  Majestät  dem  Deutschen  Kaiser  empfangen.  Auch  dem  Kron—
prinzen  hatte  er  seine  Aufwartung  gemacht  und  in  einer  Unterredung,  welche  fast  eine
Stunde  währte,  sich  über  die  Verhältnisse  Frankreichs  sehr  eingehend  ausgesprochen.

Die  Grundlagen  der  deutschen  Friedensbedingungen,  insbesondere  die  Forderung
einer  Gebietsabtretung,  scheinen  bei  den  gegenwärtigen  Verhandlungen  von  vornherein
jenem  grundsätzlichen  Widerspruche,  an  welchem  die  früheren  Verhandlungen  gescheitert
waren,  nicht  mehr  begegnet  zu  sein.

Freilich  war  das  Streben  des  Herrn  von  Thiers  darauf  gerichtet,  die  Gebiets—
abtretungen  auf  das  geringste  Maß  zu  beschränken,  und  es  scheint,  daß  in  dieser  Beziehung
  die  berechtigten  deutschen  Ansprüche  nur  Schritt  für  Schritt  durchgesetzt  werden
konnten.

Während  aber  die  Abtretung  des  wesentlich  deutschen  Elsaß  mit  Straßburg,  wenn
auch  mit  Widerstreben,  zugestanden  werden  mußte,  scheint  dagegen  die  Abtretung  eines
größeren  Teils  von  Lothringen  und  namentlich  der  Festung  Metz  auf  den  heftigsten  und
hartnäckigsten  Widerstand  gestoßen  zu  sein.

Die  französischen  Unterhändler  scheinen  sich  hierbei,  abgesehen  von  ihren  eigenen
Auffassungen,  zugleich  auf  gewisse  Kundgebungen  der  öffentlichen  Meinung  in  England
gestützt  zu  haben,  ohne  zu  erwigen,  wie  wenig  praktische  Bedeutung  derartigen  Aeußerungen
beizumessen  ist.

Auch  die  Forderung,  daß  deutsche  Truppen  noch  in  Paris  einmarschieren,  begegnete
dem  lebhaftesten  Widerstreben  der  französischen  Unterhändler,  welche  darin  eine  neue,
tiese  Demütigung  für  die  Hauptstadt  erkennen  wollten  und  zugleich  vermöge  der  Erregung
der  Bevölkerung  die  größten  Gefahren  für  die  einrückenden  Deutschen  verkünden  zu
müssen  glaubten.

Einen  Augenblick  schien  es,  als  sollten  die  unter  den  besten  Anzeichen  begonnenen
Verhandlungen  schließlich  scheitern,  indem  Herr  Thiers  namentlich  die  Verantwortung  für
die  Abtretung  von  Metz  nicht  übernehmen  zu  können  meinte.  Er  machte  den  Versuch,
einen  Verzicht  Deutschlands  auf  Metz  unter  der  Bedingung  zu  erreichen,  daß  Frankreich
sich  verpflichte,  die  Festungswerke  zu  schleifen;  —  er  soll  endlich  ein  Arrangement  vorgeschlagen
  haben,  durch  welches  Deutschland  einen  anderweitigen  Ersatz  für  Metz  erhalten
hätte;  —  Graf  Bismarck  aber  bestand  unbedingt  auf  der  Erwerbung  von  Metz,  welches
für  Deutschland  in  militärischer  Beziehung  noch  bei  weitem  wichtiger  ist  als  Straßburg,
und  in  diesem  Betracht  durch  kein  anderes  Zugeständnis  aufgewogen  werden  könnte.

Um  den  Franzosen  dagegen  den  Beweis  zu  liefern,  daß  die  deutsche  Politik  in  der
Tat  nur  auf  dem  bestehe,  was  sie  aus  überwiegenden  Gründen  des  nationalen  Interesses
sesthalten  muß,  willigte  Graf  Bismarck  schließlich  darein,  daß  Belfort  an  Frankreich
zurückgegeben  werde.  Auch  diese  Festung,  welche  jüngst  mit  blutigen  Opfern  von  uns
errungen  wurde,  ist  zur  Verteidigung  des  südlichen  Elsaß  von  einiger  Wichtigkeit,  —
doch  nicht  von  so  unmittelbarer  und  durchgreifender,  wie  Straßburg  und  Metz.  Wenn
es  gelang,  durch  den  Verzicht  auf  Belfort  ohne  Erneuerung  des  Krieges  einen  Friedensschluß
  zu  sichern,  der  uns  diese  Hauptbollwerke  in  die  Hand  gab,  so  war  dieser  Erfolg
gewiß  eines  solchen  Opfers  wert,  und  die  tapferen  Krieger,  welche  um  Belfort  gerungen,