Der  deulsch-französische  Krieg.  567

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Frankreich  solche  Bedingungen  verwirkt  hatte  und  ob  die  Auferlegung  derselben  für  das
Heil  und  den  Frieden  Deutschlands  und  Europas  notwendig  war.

Wohl  mag  es  den  Franzosen  vorweg  schon  hart  angekommen  sein,  nachdem  ihre
Politik  seit  Jahrhunderten  und  noch  jüngst  auf  den  inneren  Zwiespalt  Deutschlands
gegründet  war,  jetzt  den  Frieden  mit  dem  Kaiser  des  geeinigten  Deutschlands  schließen
und  sich  vor  der  vollendeten  Tatsache  des  Deutschen  Reiches  stillschweigend  beugen  zu  müssen.

Wohl  ist  es  hart  für  Frankreich,  nachdem  es  sein  Streben  und  Trachten  von  jeher
auf  den  deutschen  Rhein  gerichtet  hatte,  jetzt  Deutschlands  Grenze  bis  an  die  Vogesen
und  über  die  Mosel  vorgerückt  zu  sehen,  etwa  20  Meilen  näher  an  die  französische
Hauptstadt,  und  nunmehr  auf  unserer  Seite  geschützt  durch  die  starken  Bollwerke,  welche
gegen  uns  errichtet  waren.

Hart,  sehr  hart  ist  endlich  die  Auferlegung  einer  Kriegsentschädigung  von  fünf
Milliarden  Francs  oder  13000  Millionen  Talern,  eine  Summe,  wie  sie  mit  einem  Male
oder  in  kurzer  Zeit  noch  niemals  von  einem  Volke  zu  zahlen  war.

Aber  so  hart  und  schwer  die  Bedingungen  sein  mögen,  so  sind  sie  doch  nicht  zu
hart;  sie  entsprechen  vielmehr  der  Gerechtigkeit  und  der  unerläßlichen  Notwehr.

Es  ist  gerecht  und  notwendig,  das  der  Frevel  ohne  Gleichen,  welcher  in  der  Heraufbeschwörung
  des  Krieges  lag,  in  vollem  Maße  geahndet  werde.  Das  jetzige  Oberhaupt
Frankreichs,  Herr  Thiers,  der  in  seiner  ganzen  früheren  politischen  Laufbahn  den  Gegensatz
gegen  Deutschland  genährt  hat,  sah  sich  genötigt,  laut  anzuerkennen,  daß  der  jüngste
Krieg  ohne  jeden  Grund  erklärt  worden  sei.  Man  hat  in  Frankreich  seit  Jahren  eben
kein  Geheimnis  daraus  gemacht,  daß  man  uns  den  im  Jahre  1866  gewonnenen  Waffenruhm,
  obwohl  er  nicht  gegen  Frankreich  errungen  war,  nicht  gönne  und  nicht  verzeihe.
Ein  hochgestellter  Franzose  hatte  schon  im  Jahre  1367  hier  versichert:  die  französische
Armee  und  das  französische  Volk  könnten  den  Gedanken  nicht  ertragen,  daß  die  Preußen
im  böhmischen  Feldzuge  leichter  und  vollständiger  gesiegt  hätten,  als  Frankreich  im
italienischen  Feldzuge,  und  deshalb  müsse  es  zum  Kriege  kommen.  Solche  Stimmungen
des  Uebermutes  waren  es  offenbar,  durch  welche  die  Regierung  Frankreichs  sich  zu  dem
unerhörten  Frevel  des  jüngsten  Friedenbruches  treiben  ließ.  Es  ist  gerecht,  daß  das
französische  Volk  mit  der  Verantwortung  für  einen  solchen  Friedensbruch  auch  die  ganze
Schwere  und  die  bitteren  Folgen  des  Krieges  empfinde.

Die  Gerechtigkeit  der  jetzigen  Buße  tritt  aber  vollends  in  das  rechte  Licht,  wenn
man  erwägt,  daß  Frankreich  nicht  zum  ersten  Male,  sondern  in  zwei  Jahrhunderten  zum
zwanzigsten  Male  Deutschland  mit  ungerechten,  willkürlichen  Kriegen  überfallen  hat.

Frankreich  hat  unter  allen  seinen  Regierungen,  unter  der  alten  Monarchie,  wie
unter  der  Republik  und  unter  dem  Kaisertum  eine  Politik  willkürlicher  Einmischung  und
gewaltsamer  Eroberung.  getrieben,  und  seine  Erfolge  stets  mit  einer  rücksichtslosen  Härte
ausgebeutet,  wie  kein  anderer  Staat  in  Europa.  Die  Art,  wie  Frankreich  Frieden
geschlossen  vom  westfälischen  bis  zum  Tilsiter  Frieden,  sowie  die  Ankündigungen,  die  wir
in  den  letzten  Monaten  aus  Frankreich  vernommen  haben,  lassen  keinen  Zweifel  über
das,  was  wir  auch  jetzt  zu  erwarten  gehabt  hätten,  wenn  das  Geschick  der  Schlachten
gegen  uns  entschieden  hätte;  und  gewiß,  keine  unter  den  neutralen  Mächten  hätte  uns
dagegen  geschützt.  So  hart  die  jetzigen  Bedingungen  sein  mögen,  sie  reichen  nicht
entfernt  an  die  Härte  dessen  heran,  was  Preußen  z.  B.  im  Tilsiter  Frieden  nicht  bloß
an  Länderverlust,  sondern  auch  an  Opfern  und  Lasten  auferlegt  worden  ist.