Der  deutsch-französische  Krieg.  569

wenn  sie  nicht  gewußt,  daß  Frankreich  dieselbe  zu  tragen  vermöge.  Frankreichs  Hilfsquellen,
  sagte  er,  seien  groß  genug,  um  auch  solchen  Anforderungen  zu  genügen,  vorausgesetzt,
  daß  Frankreich  Entschließungen  für  die  Zukunft  fasse,  wie  sie  sich  aus  der  jetzigen
harten  Prüfung  ergeben,  Entschließungen,  durch  welche  Frankreich  ebenso  vor  Revolutionen
wie  vor  despotischer  Herrschaft  bewahrt  bleibe  und  eine  Aera  ernster  Arbeit,  wahrhafter
Ordnung  und  Freiheit  gesichert  werde.

Je  mehr  diese  Hoffnung  sich  erfüllt,  desto  mehr  wird  die  Auferlegung  der  Kontribution
  in  der  Tat  eine  Quelle  des  Segens  für  Frankreich  selbst  und  eine  Bürgschaft
dauernden  Friedens  für  Europa  werden,  —  desto  mehr  werden  die  Vorhersagungen  von
einer  künftigen  Politik  der  Rache  seitens  Frankreichs  an  Bedeutung  verlieren.

So  stark  und  mächtig  die  Stimmungen  sein  mögen,  welche  das  französische  Volk
jetzt  bewegen;  —  die  Zeit  wird  einen  mildernden  und  heilenden  Einfluß  auf  dieselben
üben:  je  ernster  und  je  länger  das  französische  Volk  durch  eine  absolute  Notwendigkeit
darauf  hingewiesen  sein  wird,  statt  den  Eingebungen  der  Leidenschaft  vielmehr  einer
Politik  der  Besonnenheit  und  Mäßigung  zu  huldigen,  desto  mehr  ist  zu  hoffen,  daß  die
jetzigen  Rachegedanken  allmählich  friedlichen  Gesinnungen  und  dem  gemeinsamen  Streben
nach  wahrer  Volkswohlfahrt  weichen,  welche  zu  fördern  das  neue  Deutsche  Reich  in
Uebereinstimmung  aller  seiner  Glieder  als  seine  höchste  Aufgabe  erkennt."

Am  15.  März  verließ  der  deutsche  Kaiser  Frankreich.  „Soldaten  der  deutschen
Armee,“  lautete  dabei  sein  Armeebefehl,  „ich  verlasse  an  dem  heutigen  Tage  den  Boden
Frankreichs,  auf  welchem  dem  deutschen  Namen  so  viel  neue  kriegerische  Ehre  erwachsen,
auf  dem  aber  auch  so  viel  teures  Blut  geflossen  ist.  Ein  ehrenvoller  Friede  ist  jetzt  gesichert
  und  der  Rückmarsch  der  Truppen  in  die  Heimat  hat  zum  Teil  begonnen.  Ich  sage
euch  Lebewohl  und  ich  danke  euch  nochmals  mit  warmem,  erhobenem  Herzen  für  alles,
was  ihr  in  diesem  Kriege  durch  Tapferkeit  und  Ausdauer  geleistet  habt.  Ihr  kehrt  mit
dem  stolzen  Bewußtsein  in  die  Heimat  zurück,  daß  ihr  einen  der  größten  Kriege  siegreich
geschlagen  habt,  den  die  Weltgeschichte  je  gesehen,  daß  das  teure  Vaterland  vor  jedem
Betreten  durch  den  Feind  geschützt  worden  ist,  und  daß  dem  Deutschen  Reiche  jetzt  Länder
wieder  erobert  worden  sind,  die  es  vor  langer  Zeit  verloren  hat.  Möge  die  Armee  des
nunmehr  geeinten  Deutschland  dessen  stets  eingedenk  sein,  daß  sie  sich  nur  bei  stetem
Streben  nach  Vervollkommnung  auf  ihrer  hohen  Stufe  erhalten  kann,  dann  können  wir
der  Zukunft  getrost  entgegensehen.“

So  war  einer  der  gewaltigsten  Kriege,  welche  die  Weltgeschichte  jemals  gesehen,
beendigt,  und  nun  galt  es  den  gemeinsamen  Ausbau  und  die  Vollendung  des  Begonnenen.
Am  10.  Mai  wurde  in  Frankfurt  der  definitive  Friede  unterzeichnet.

.Fürst  Otto  von  Bismarck-Schönhausen,  Kanzler  des  Deutschen  Reiches;

Graf  Harry  von  Arnim,  außerordentlicher  Gesandter  und  bevollmächtigter  Minister
des  Deutschen  Kaisers  beim  Heiligen  Stuhle,

namens  Sr.  Majestät  des  Deutschen  Kaisers  einerseits  und  andererseits

Herr  Jules  Favre,  Minister  der  auswärtigen  Angelegenheiten  der  französischen
Republik;

Herr  Augustin  Thomas  Joseph  Pouyer-Quertier,  Finanzminister  der  französischen
Republik  und

Herr  Marcus  Thomas  Eugen  von  Goulard,  Mitglied  der  National-Versammlung,

namens  der  französischen  Republik,