576  Deutschland  in  den  Jahren  1870—1871.

alle  in  den  vierziger  Jahren  ergriffen  hat,  ist  zum  Ziele  gelangt  auf  Umwegen,  bergauf
und  bergab,  welche  keiner,  auch  die  gewaltigsten,  erleuchtetsten  Führer  nicht  vorzeichnen
konnten.  Nicht  eine  Partei  hat  es  gewonnen,  wir  alle,  vor  allem  Deutschland  hat  es
gewonnen,  es  hat  das  größte,  es  hat  sich  selbst  gewonnen.  Jene  heiße  Frage  der  vierziger
  Jahre,  ob  nicht  die  Republik  überall  die  vollkommenste  Staatsform  sei,  ist  veraltet,
seit  die  Fürsten  im  Felde  und  im  Rate  große  Opfer  gebracht  und  bewiesen  haben,  daß
auch  mit  ihnen  die  Freiheit,  die  dem  Volke  Segen  bringt,  möglich  ist,  wenn  nur  jeder
seine  Pflicht  tut.  Die  Söhne  des  Adels,  des  Bürgers,  des  Bauern,  des  Taglöhners
sielen  brüderlich  nebeneinander  auf  den  französischen  Wahlstätten.  Was  Gott  so  zusammengefügt
  hat,  das  soll  der  Mensch  nicht  scheiden.  Und  im  Wahlkampf  haben  Fürsten
mit  dem  Landmann  gerungen,  um  die  hohe  Ehre,  im  deutschen  Reichstag  für  das  Wohl
des  ganzen  Volkes  zu  raten  und  zu  taten,  Recht  und  Freiheit  zu  fördern.  Und  auch  wir
wollen  von  heute  an  mit  erneuter  Freudigkeit  dabei  mitwirken,  jeder  an  seiner  Stelle.
Wenn  der  Landmann  sein  Sichelfest  gefeiert  hat,  schickt  er  sich  sofort  an  zur  Bepflügung.
und  Bestellung  seines  Ackers.  So  wollen  auch  wir  als  die  Glieder  eines  starken  Volkskörpers
  unser  Friedensgeschäft  angreifen  zunächst  für  unsere  Familien,  aber  stets  ausschauend
  auf  den  Ausbau  des  Vaterlandes,  das  uns  geschirmet  hat,  das  uns  alle  braucht
und  das  auf  jeden  von  uns  rechnet.  Also  an  die  gemeinsame  Arbeit.“