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Das  neue  deutsche  Reich.

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Koiler  Wilkelm  I.  1871—1888.

ie  Erneuerung  der  deutschen  Kaiserwürde,  von  der  wir  schon  kurz  gesprochen,  war
12  zein  Werk  längerer  diplomatischer  Verhandlungen,  in  denen  namentlich  Bayern

*  eine  Reihe  von  Zugeständnissen  verlangte.  Sein  Heer  sollte  in  Friedenszeiten
unter  der  obersten  Kriegsherrlichkeit  des  Landesherrn  stehen,  während  Württemberg  aus
seinen  Truppen  ein  eigenes  Korps  formieren  durfte.  Diese  Verträge  wurden  vom
Reichstag  des  norddeutschen  Bundes  und  von  den  süddeutschen  Landtagen  angenommen,
in  der  bayerischen  Kammer  allerdings  nur  mit  102  gegen  48  Stimmen,  und  erst  nachdem
die  Kaiserwürde  bereits  erneuert  war.

Das  war  namentlich  ein  Werk  des  Kronprinzen  von  Preußen  gewesen.  König
Wilhelm  selbst  betrachtete  die  Annahme  der  Kaiserkrone  mehr  als  eine  unabweisbare
Pflicht,  für  Bismarck  hatte  die  Form,  in  welcher  der  König  von  Preußen  die  Kaiserrechte
in  Deutschland  ausübte,  nie  großen  Wert,  nur  die  Tatsache,  daß  er  sie  übte,  wollte  er
mit  Aufbietung  all  seines  Strebens  erreichen.  Nachdem  erst  König  Ludwig  von  Bayern
sein  bekanntes  Schreiben  an  König  Wilhelm  gerichtet  hatte,  überreichte  eine  Abordnung
des  norddeutschen  Bundes  unter  Führung  von  Simson  eine  mit  191  gegen  6  Stimmen
angenommene  Adresse,  in  der  gebeten  wurde,  der  König  möge  dem  Werke  durch  Annahme
der  Kaiserwürde  den  weihevollen  Schluß  geben.  Begeistert  stimmte  das  deutsche  Volk
diesem  Wunsche  bei,  und  mit  der  Kaiserproklamation  in  Versailles  am  18.  Januar  1871
ging  ein  Traum  in  Erfüllung,  den  die  Besten  unseres  Volkes  seit  Jahrzehnten  herbeigesehnt
  hatten:  es  war  wieder  ein  Deutsches  Reich  errichtet.  „Wir  übernehmen,“  so
lautete  der  Schluß  der  Kaiserproklamation  an  das  deutsche  Volk,  „die  kaiserliche  Würde
in  dem  Bewußtsein  der  Pflicht,  in  deutscher  Treue  die  Rechte  des  Reiches  und  seiner
Glieder  zu  schützen,  den  Frieden  zu  wahren,  die  Unabhängigkeit  Deutschlands  gestützt  auf
die  geeinte  Kraft  seines  Volkes  zu  verteidigen.  Wir  nehmen  sie  an  in  der  Hoffnung,  daß
dem  deutschen  Volke  vergönnt  sein  wird,  den  Lohn  seiner  heißen  und  opfermütigen
Kämpfe  in  dauerndem  Frieden  und  innerhalb  der  Grenzen  zu  genießen,  welche  dem

Ebner,  Illustrierte  Geschichte  Deutschlands.  38