598  Das  neue  deutsche  Keich.

winnen,  wozu  besonders  auch  die  plötzlich  verfügte  Aufhebung  des  Diktaturparagraphen
  (3.  Mai  1902)  wesentlich  beitrug.

In  den  Reichstagssessionen  von  1899  kamen  ein  Bankgesetz,  eine  Novelle  zum  Postgesetz,
  wodurch  auch  die  Ablösung  der  Privatpostanstalten  ausgesprochen  wurde,  in  dritter
Lesung  zur  Annahme.  Das  Gesetz  zum  Schutze  des  gewerblichen  Arbeitsverhältnisses
(die  sogenannte  Zuchthausvorlage)  wurde  dagegen  abgelehnt.  Ein  vom  Reichskanzler  im
Jahre  1896  gegebenes  Versprechen,  betreffend  Aufhebung  des  Verbots  von  Verbindung

politischer  Bereine  fand  durch  eine  Erklärung
*us-d-  desselben  am  6.  Dezember  1899  im  Reichstag
Erfüllung.

Im  gleichen  Jahre  noch  stellte  die
Regierung  die  Einbringung  einer  Novelle
zur  jüngsten  Flottenvorlage  in  Aussicht,  die
eine  wesentliche  Erhöhung  des  Sollbestandes
der  Flotte  bezweckte.  Die  Vorlage  fand
endlich  nach  langen  Beratungen  am  11.  Juni
»  1900  die  Zustimmung  des  Reichstags.  Da—
2  neben  führte  namentlich  die  sogenannte  lex

-  !*  Heinze  zu  erregten  Erörterungen,  und  am
26.  Mai  wurden  auch  die  neuen  Ulnfallversicherungsgesetze
  nach  langer  Debatte  in
dritter  Lesung  mit  unbedeutenden  Aenderungen
  erledigt.

Schon  im  Frühjahr  1900  waren  Gerüchte
  über  gewalttätige  Ausstände  der
Boxer  in  China  bekannt  geworden,  die  sich
besonders  heftig  gegen  die  fremden  Niederlassungen
  und  Missionsstationen  daselbst
richteten,  und  die  dabei  interessierten  euro-..-·-

  päischen  Staaten  zur  Entsendung  von
Generalfeldmarschall  Graf  von  Waldersee.  Truppenkommandos  veranlaßten.  Als  nun
im  Juni  sogar  die  fremden  Gesandtschaften

von  den  Boxern  bedroht,  und  der  deutsche  Gesandte  Freiherr  von  Ketteler  dabei  meuch—
lings  ermordet  wurde,  befahl  Kaiser  Wilhelm  Anfangs  Juli  sofort  in  höchster  Erregung
die  Ausrüstung  eines  Geschwaders  nach  Ostasien,  das  später  noch  durch  weitere  Truppen—
sendungen  verstärkt  wurde,  und  ernannte,  im  Einverständnis  mit  den  übrigen  gegen
China  vorgehenden  Mächten,  den  Generalfeldmarschall  Grafen  Waldersee  zum  Höchstkommandierenden
  sämtlicher  in  Ostasien  befindlicher  Streitmächte.  Wiederholt  hatten
die  deutschen  Truppen  ruhmvollen  Anteil  an  der  Niederwerfung  der  Boxer  und  konnten
auch  die  deutsche  Flagge  auf  den  Mauern  von  Peking  hissen.  In  einem  Mitte  Oktober
mit  England  geschlossenen  Abkommen  erklärten  beide  Staaten,  die  chinesischen  Wirren
nicht  zur  Erlangung  territorialer  Vorteile  benutzen  zu  wollen,  wenn  andere  Mächte  dies
nicht  tun.  Am  26.  Oktober  wurden  in  Peking  die  Friedensverhandlungen  zwischen
China  und  den  Mächten  begonnen,  und  Mitte  Januar  1901  ein  Friedensvertrag  unterzeichnet.
  Nach  weiteren  Verhandlungen  und  neuen  Kämpfen,  an  denen  sich  auch  die

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