2  Einleitung.

Zeit  der  Sommerferien  hinaus  dieser  ärmsten  Kinder  annehmen  und
durch  weitere  Milchpflege,  Suppenküchen,  Verabreichung  von  Frühstück,
insbesondere  während  der  bösesten  Zeit  des  Winters,  sorgen  müsse.  Er
wies  auf  Einrichtungen  dieser  Art  in  Bremen,  Stettin,  Cassel,  Gera,
Berlin  und  Posen  hin,  die  jedoch  nur  Anfänge  bedeuteten,  denn  es
könne  angenommen  werden,  daß  in  vielen  Städten  Tausende  von
Kindern  des  Morgens  zur  Schule  kämen,  ohne  das  Geringste  genossen
zu  haben.  Außer  in  den  von  Röstel  angeführten,  waren  noch  in
anderen  Städten  bereits  seit  langer  Zeit  Speisungseinrichtungen  vorhanden.
  So  weist  die  Einrichtung  in  Freising  in  Bayern  ein  Alter
von  über  50  Jahren  auf,  und  auch  Passau,  Würzburg,  Arnstadt,
Itzehoe,  Swinemünde,  Köslin,  Wesel,  Görlitz  und  Breslau  besaßen  bereits
vor  mehr  als  20  Jahren  Speisungseinrichtungen  für  die  schulpflichtige
Jugend.  Es  ist  jedoch  nicht  zu  verkennen,  daß  die  Verhandlungen  im

ahre  1889  velsach  den  Anstoß  zur  Schaffung  neuer  Einrichtungen
gegeben  haben.  Die  Gründungsschre  einer  Reihe  von  Schöpfungen
weisen  darauf  hin.

Von  noch  größerer  Bedeutung  für  diese  Frage  waren  jedoch  die
Verhandlungen  des  Deutschen  Vereins  für  Armenpflege
und  Wohltätigkeit  im  Jahre  1896  zu  Straßburg,  für  die  der
damalige  Magistratsassessor  Guno  in  Berlin,  jetzt  Oberbürgermeister
in  Hagen,  in  einem  besonderen  Vorbericht  unter  dem  Titel:  „Fürsorge
ür  arme  Schulkinder  durch  Speisung,  bezw.  Verabreichung  von

ahrungsmitteln“  Materialien  zusammengetragen  hatte.  In  diesem
Berichte  wurde  bei  Erwähnung  der  Anregungen  Röstels  vom  Jahre  1889
hervorgehoben,  daß  auch  andere  Fürsorgebestrebungen  für  arme  Kinder
vielfach  zu  einer  Speisung,  namentlich  in  den  Kinderhorten  geführt
hätten.  Tatsächlich  mußte  man  bereits  bei  den  ersten  Anfängen  von
Kinderhorten  zu  Beginn  des  vergangenen  Jahrhunderts  auch  an
eine  Speisung  der  entweder  von  Mittag  an  oder  nach  Schulschluß  um
4  Uhr  aufgenommenen  Kinder  denken.  So  hebt  der  Verein  für  Volkserziehung
  in  Augsburg,  der  bereits  im  Jahre  1879  ein  Knabenund
  Mädchenheim  errichtete,  in  seiner  Festschrift  vom  Jahre  1904
zur  25jährigen  Feier  hervor,  daß  er  von  allem  Anfang  an  bereits  für
die  Mittagspause  Schulkinder  aufnahm  und  an  dieselben  eine  kräftige
Mittagssuppe  abwechselnd  mit  Fleisch  und  Gemüse  außer  dem  Vesperbrote
  verabreichen  ließ.  Neben  Augsburg  gibt  es  noch  in  einer  Reihe
von  Städten  Horte,  die  seit  vielen  Jahren  zum  Teile  Mittagsmahleiten
  verabreichen  und  fast  ausnahmlos  wenigstens  für  ein  Vesperbrot
sorgen.  Die  Grundlage  für  die  Erörterungen  in  Straßburg  im  Jahre  1896
bildete  eine  Zusammenstellung  über  Umfang  und  Art  der  öffentlichen
und  privaten  Schülerspeisungen  in  den  deutschen  Städten  ohne  besondere
Behandlung  der  Speisung  in  Kinderhorten,  auf  deren  wesentlichste  Punkte
bei  einem  späteren  Vergleiche  mit  Erhebungen  im  Winter  1907/08
noch  ausführlicher  Bezug  genommen  werden  wird.

Ganz  allgemein  sei  nur  vorweggenommen,  daß  sich  eine  große  Mannigfaltigkeit
  von  Fürsorgeeinrichtungen  auf  diesem  Gebiet  ergab.  Ein  Teil
der  Städte  sorgte  für  ein  warmes  Frühstück  zu  Beginn  des  Unterrichts
oder  in  der  Frühstückspause,  andere  bemühten  sich  um  Unterstützung