56  I.  Stand  der  Schulkinderspeisungen.

ür-  das  Frühstück  in  der  Unterrichtspause  besteht  fast  ausschließlich
die  Gepflogenheit,  Milch  (wohl  zumeist  /  0  mit  einem  Brötchen  den
Kindern  zu  geben.  Daß  ein  derartiges  Frühstück  für  bedürftige  Kinder,
die  zumeist  ein  minderwertiges  Frühstück  zu  Hause  erhalten  haben,  eine
ausreichende  und  sehr  zweckmäßige  Ergänzung  darstellt,  um  namentlich
bei  ungeteiltem  Unterrichte  das  Kind  bis  zum  Schlusse  der  Schule
eistig  aufnahmefähig  zu  erhalten,  bedarf  keiner  weiteren  Begründung.
enige  Städte  geben  auch  zum  zweiten  Frühstück  eine  Suppe;  über
deren  Zusammensetzung  konnten  leider  genauere  Daten  nicht  erhalten
werden.

Von  ganz  besonderer  Wichtigkeit  waren  natürlich  Ermittelungen  über
die  Art  des  Mittagessens.  Wie  vielgestaltig  in  den  einzelnen  Städten  ein
Mittagessen  an  bedürftige  Schulkinder  verabreicht  wird,  kam  schon  in  der
Tabelle  IX  (S.  51)  mit  ihren  neun  verschiedenen  Rubriken  über  einzelne
Speisungsarten  zum  Ausdruck.  Erfreulicherweise  liegen  für  zwölf  Städte

insichtlich  des  Mittagessens  genauere  Angaben  vor.  Die  auf  hundert

ortionen,  bezw.  eine  Portion  nach  den  Königschen  Angaben  eingesetzten
Werte  für  die  einzelnen  angegebenen  Lebensmittel  dürften  hier  um  so
eher  Ergebnissen  quantitativer  chemischer  Untersuchungen  einzelner  Mahleiten
  nahe  kommen,  als  bei  Speisungseinrichtungen  mangels  reichlicher
Witter  die  zubereiteten  Speisen  mit  möglichst  wenig  Abfall  und  sonstigen
Verlusten  von  den  Kindern  verzehrt  werden  müssen.  Bei  den  Berechnungen
  für  ein  Kind  wurden  natürlich  die  Angaben,  wieviel
Portionen  im  Durchschnitt  auf  hundert  Kinder  entfallen,  genauestens
berücksichtigt.  Als  Normalwerte  für  die  Berechnungen,  bezw.  für  die
übersichtlichen  Zusammenstellungen  für  einzelne  Städteeinrichtungen
wurden  wieder  die  Erismannschen  Mittelwerte  gewählt.  Erismann
weist  darauf  hin,  daß  allerdings  nach  der  gewöhnlichen  Annahme  nur
etwa  46%  der  in  den  Nahrungsstoffen  einer  Tagesration  lagernden
Verbrennungswärme,  und  zwar  40  %  von  den  Eiweißstoffen,  50%  vom
Fette  und  40  %  von  Kohlehydraten  mit  dem  ittagessen  gegeben  werden
ollten,  bemerkt  aber  mit  vollem  Rechte  hierzu,  daß  für  die  hier  in

etracht  kommenden  Kinder  das  Mittagessen  in  viel  höherem  Grade,
als  es  sonst  wohl  der  Fall  sei,  die  Hauptmahlzeit  bilde.  Weder  das
Frühstück  noch  das  Abendessen  solcher  Kinder  Sstegt  so  reichlich  zu  sein,
daß  diese  Mahlzeiten  eine  gute  halbe  Tagesration  oder  noch  mehr  ausmachen.
  Es  möge  dies  vielleicht  in  bezug  auf  die  Kohlehydrate  zutreffen,
nicht  aber  hinsichtlich  der  Eiweißstoffe  und  des  Fettes.  Er  ist  daher
der  Ansicht,  daß  im  Mittagessen  von  Schulkindern  wenigstens  66  der
Eiweißstoffe  und  des  Fettes  der  erforderlichen  Tagesration  enthalten
sein  sollen;  mit  Bezug  auf  die  Kohlehydrate  möge  es  bei  40%  sein
Bewenden  haben,  denn  aus  solchen  besteht  wohl  vorwiegend  die  häusliche
  Kost  dieser  Kinder  am  Morgen  und  am  Abend.  Nach  Erismanns
Werten  für  eine  Tagesration  sollten  daher  auf  das  Mittagessen  40  g
Eiweiß,  26  g  Fett  und  100  g  Kohlehydrate  mit  einer  Verbrennungswärme
  von  816  Kalorien  entfallen.  Der  Prozentsatz  der  Mittagsmahlzeit
  von  der  Tagesration  ist  somit  von  46%  auf  53%  der  Verbrennungswärme
  erhöht.  Von  diesen  Grundlagen  aus  hat  Erismann
die  Schülersuppen  in  Zürich  einer  eingehenden  Beurteilung  unterzogen