68  I.  Stand  der  Schulkinderspeisungen.

Portionen  wie  auch  rechnungsmäßige  Feststellungen  für  verschiedene
aufeinanderfolgende  Mahlzeiten  wiedergegeben.  Bei  fünf  dieser
Angaben  wurden  gleichzeitig  Analysen  und  Berechnungen  angestellt,
die  sich  durchweg  auf  dieselbe  Menge  bezogen  und  auch  gleiche  Werte
ergaben,  ein  Beweis,  daß  in  unserem  Falle  die  rechnungsmäßig
ermittelten  Werte  von  den  Analysenresultaten  nur  ganz  unwesentlich
abweichen  dürften.

Auch  hier  zeigen  sich  wieder  ziemliche  Unterschiede.  Wenn  auch
sechs  von  den  Mahlzeiten  in  der  Säulenhöhe  nahezu  übereinstimmen,
so  ist  namentlich  in  der  vierten  Säule  der  Fett=  und  auch  der  Eiweißgehalt
  ein  auffallend  niedriger  (Griesbrei  mit  Mus).  Die  dritte  und  die
echste  Säule  jedoch  (Graupensuppe  mit  Fleischklöschen  und  Hafercken

  mit  Pflaumen)  deuten  in  jeder  Hinsicht  ungenügende  Werte  an,
besonders  das  letztere  Gericht  weist  nur  11  an  Fett  und  16  0%  an
Eiweiß  auf.  Im  allgemeinen  ist  auch  für  die  Charlottenburger  Mittagsspeisung
  eine  gleichmäßige  Verteilung  der  einzelnen  Nährstoffe
charakteristisch,  wenn  auch  namentlich  der  Eiweißgehalt  mit  43  0%  im
Durchschnitt  ein  viel  zu  geringer  ist.

Überblicken  wir  schließlich  die  Resultate  aller  Nährstoffberechnungen
auf  unseren  Tafeln,  soweit  sie  rechnungsmäßig  und  quantitativ
chemisch  ermittelt  werden  konnten,  so  kann  im  allgemeinen  als  Ergebnis
bezeichnet  werden,  daß  der  Fett=  und  auch  der  Eiweißgehalt  häufiger
zu  niedrig  bemessen  ist  als  der  Gehalt  an  Kohlehydraten.  Dieser
Unterschied  war  auch  für  die  Erismannschen  Berechnungen
der  Speisungseinrichtungen  in  Zürich  und  Basel  und  auch  für
die  Tonzigschen  in  Padug  charakteristisch.  Ob  die  Mittagsspeisungen
  in  den  deutschen  Städten  günstiger  oder  schlechter
gewählt  sind  als  in  der  Schweiz  oder  in  Padua,  läßt  sich  bei  der
geringen  Zahl  der  Feststellungen  nicht  beurteilen.  Es  macht  jedoch  den
Eindruck,  daß  vielleicht  vielfach  Unkenntnis  der  für  Schulkinder  notwendigen
  Nahrung  und  der  Bedeutung,  die  dem  Mittagessen  für
diese  Kinder  innewohnt,  an  der  ungünstigen  Auswahl  der  Speisen
die  Schuld  trägt.

Die  kleine  Tabelle  XII,  die  nun  folgt,  soll  nach  dem  Kalorienwerte
der  Mittagsmahlzeiten  die  einzelnen  städtischen  Einrichtungen  nebeneinanderstellen
  und  dadurch  die  Unterschiede  noch  besonders  deutlich
zum  Ausdrucke  bringen.

Nach  dieser  Nebeneinanderreihung  hat  Colmar  die  den  physiologischen
  Ansprüchen  am  besten  genügende  Einrichtung,  wenn  auch
hier  nochmals  auf  die  Fettarmut  der  dort  gewählten  Speisen  hinewiesen

  werden  muß.  In  dieser  Hinsicht  entspricht  die  Berliner
Einrichtung  des  Kindervolksküchenvereins  für  den  größeren  Teil  der
gespeisten  Kinder  noch  am  besten  den  Anforderungen,  da  der  Fettund
  Eiweißgehalt  mit  62,  bezw.  75  0%  als  ein  nahezu  ausreichender
bezeichnet  werden  kann  und  aller  Erfahrung  nach  das  Minus  an
Kohlehydraten  bei  diesen  armen  Kindern  am  leichtesten  gedeckt  wird.
Auf  weitere  Erörterungen,  ob  etwa  für  den  Gehalt  an  Eiweißstoffen
die  animalischen  Bestandteile  in  zureichender  Menge  beigegeben
sind  oder  nicht,  und  andererseits  die  Tatsache,  daß  Leguminosen  trotz