78  II.  Ernährungsverhältnisse  der  Volksschuljugend  im  allgemeinen.

auch  nervöse,  in  den  Kindern  gelegene  Ursachen  (180/5)  waren.
Zumeist  tranken  die  Kinder  des  Morgens  Kaffee  mit  Milch  (73%),
Tee,  Kakao  oder  Suppe  (26%  )  und  89%  aßen  zu  diesen  Getränken
ein  Gebäck.  Die  Zahl  der  Kinder,  die  ein  häusliches  Frühstück  entbehren
  mußten,  war  stets  am  Montag  am  größten.  Von  den  beagten

  Kindern  erhalten  7,2  %  erst  abends  die  Hauptmahlzeit,  während
ie  sich  mittags  mit  Stullen,  Brötchen  oder  Kuchen  mit  Kaffee  (81  %),
zum  Teile  aber  mit  Suppen,  Kakao,  Griesbrei  (19  %)  begnügen  mußten.
Diese  Kinder  erhielten  zumeist  erst  zwischen  6  und  7  Uhr  abends  ihre
eigentliche  Hauptmahlzeit.

Das  Hauptergebnis  dieser  Untersuchungen  von  Bernhard  lag  jedoch
darin,  daß  die  Feststellungen  für  den  Sommer  keinen  nennenswerten
Unterschied  gegenüber  dem  Winter  ergaben.  Auch  für  diese  Jahreszeit
erhielten  6,4  %  der  Kinder  kein  häusliches  Frühstück,  und  6,#1%  bekamen
  erst  abends  ihre  Hauptmahlzeit,  während  sie  sich  ebenso  wie  im
Winter  mittags  mit  einem  notdürftigen  kalten  hiise  behelfen  mußten.
Gerade  diese  Feststellungen  waren  für  Berlin  höchst  bedeutungsvoll,  da
bislang  eine  Mittagsspeisung  hauptsächlich  durch  den  Verein  für  Kindervolksküchen
  nur  für  die  Wintermonate  erfolgte.  Diese  Erhebungen
waren  auch  mit  ein  Anlaß  für  die  Geschäftsführung  der  Zentralstelle,
einen  Versuch  zur  Gewinnung  einwandfreier  Grundlagen  für  die  Beurteilung
  der  Speisungsfrage  zu  machen.  Der  dazu  dienende  Fragebogen
  II,  betreffend  die  Ernährungsverhältnisse  der  Schulkinder  im  allemeinen,

  wurde  wie  Fragebogen  I  an  alle  Städte  mit  mehr  als  10000
inwohner  versandt.  Nach  der  Angabe  der  Stadt,  bezw.  der  Gemeinde,
und  der  Einwohnerzahl  wird  Auskunft  gewünscht  über:

Wie  ist  der  allgemeine  Ernährungszustand  der  Schulkinder  (Knaben  und
Mädchen)  beschaffen?  Wieviel  sind  auf  Grund  ärztlicher  Untersuchung  a)  gut,
b)  leidlich,  c)  schlecht  genährt?

Art  des  häuslichen  Frühstücks?  Wieviel  Schulkinder  (Knaben  und  Mädchen)
erhalten  Winter  und  Sommer  a)  Milch,  b)  Kaffee,  c)  Kakao,  d)  Tee,  e)  Suppe,
H  alkoholische  Getränke,  g)  Brot  ohne  Getränk,  b)  sonstiges,  i)  kein  Frühstück?
—  In  wieviel  Fällen  beruhen  die  Ursachen  von  i)  auf  a)  Unmöglickkeit  einer
Friztchenuonor  aus  Ubereilung  Gu  früher  Schulbeginn)  und  Nervosität,

)Nachlässigkeit  der  Mutter,  7)  außerhäuslicher  Arbeit  der  Mutter  (zu  früher
Beginn  der  Arbeit),  5)  gewerblicher  Arbeit  der  Schulkinder  (trotz  gesetzlichen
Verbots),  e)  Armut,  Arbeitslosigkeit  und  Krankheit  der  Eltern?

Art  des  Schulfrühstücks  (Hauptpause)?)  Wieviel  Schüler  (Knaben  und
Mädchen,  Winter  und  Sommer)  a)  bringen  mit  oder  kaufen  ein  Schulfrühstück,
b)  erhalten  ein  Schulfrühstück  durch  öffentliche  oder  private  Fürsorge,  e)  müssen
eines  Schulfrühstücks  entbehren  und  aus  welchen  Gründen?

Art  des  Mittagessens?  Wieviel  Schüler  (Knaben  und  Mädchen,  Winter
und  Sommer)  erhalten  a)  ein  warmes  Mittagessen  in  der  elterlichen  Wohnung,
bestehend  aus  .  .  .,  b)  ein  kaltes  Mittagessen  (als  erweitertes  Frühstück,  da
abends  regelmäßig  ein  warmes  Abendessen  in  der  elterlichen  Wohnung),  bestehend
  aus  .  .  .,  e)  ein  warmes  oder  kaltes  Mittagessen  von  den  Eltern  außer
Hause,  d)  ein  warmes  Mittagessen  bei  Privatpersonen,  e)  ein  warmes  Mittagessen
  durch  öffentliche  oder  private  Speiseveranstaltungen,  Kinderhorte  usw.,
H  in  welchem  Maße  werden  mittags  alkoholische  Getränke  genossen?  —  In
wieviel  Fällen  sind  die  Ursachen  gelegen:  g)  von  b)  in  außerhäuslicher  Tätigkeit
  der  Mutter  (kurze  Pause,  Unmöglichkeit  des  Kochens  oder  Bequemlichkeit),