86  II.  Ernährungsverhältnisse  der  Volksschuljugend  im  allgemeinen.

Hucker  versüßt  und  in  den  meisten  Fällen  vermutlich  eine  Schrippe.
Nur  an  10%  der  Kinder  wird  ein  Milchfrühstück,  und  wie  besondere  Berechnungen
  ergaben,  der  Hälfte  von  den  3,4  %,  die  in  den  Tabellen
unter  „Sonstiges“  angeführt  sind,  eine  Frühstückssuppe  verabreicht.
Tee  und  Kakao  als  Kinderfrühstück  scheinen  sich  immer  mehr  einzubürgern.
Bereits  bei  Besprechung  der  einzelnen  Speisungsarten  für  öffentliche
oder  private  Speisungen  (S.  59  ff.)  wurde  vom  Rährersordernisse  für  ein
ausreichendes  Frühstück  gesprochen.  Ein  Zichorienkaffee  mit  etwas
Milch  und  einer  Schrippe  sind  von  den  notwendigen  308  Kalorien.
weit  entfernt.  Daß  ein  Bohnenkaffee,  Tee  oder  Kakao  wegen  ihres
Alkaloidgehaltes  für  Kinder  nicht  empfehlenswert  sind,  bedarf  keiner
weiteren  Begründung.  Für  die  einzelnen  Städte  sind  nicht  unbeträchtliche
  Unterschiede  zu  finden;  in  manchen  kleinen  Orten,  wie  Hirschberg,
Lauban,  Kalk,  aber  auch  in  größeren,  wie  Danzig,  Rixdorf,  Saargemünd,
bekommen  erfreulicherweise  noch  höhere  Prozentsätze  der  Kinder  ein
Milchfrühstück,  bezw.  eine  Frühstückssuppe.  Leider  ist  die  Zahl  von
1860  Kindern,  d.  i.  0,6  %  der  befragten,  die  trotz  öffentlicher  Einrichtungen
  kein  Frühstück  erhalten,  nicht  ganz  unbedeutend.

Hinsichtlich  des  Mittagessens  im  Winter  wird  allerdings  an  93  %  der
Kinder  ein  warmes  Mahl  gegeben,  aber  die  Zahl  der  Kinder,  die  mit
einem  kalten  Mittagessen  vorlieb  nehmen  müssen,  ist  mit  4,9  %,  d.  s.
21978,  recht  beträchtlich.  Dieser  kalte  Imbiß  besteht  gewöhnlich  aus
Brot  und  Wurst,  Butterbrot,  Fettbrot,  Brot  oder  Butterbrot  mit  Kaffee,
Brot  mit  Käse  oder  gar  nur  aus  Brot  allein.  Es  ist  kaum  anzunehmen,
daß  diese  kalte  Nahrung  nur  annähernd  die  für  ein  Mittagmahl  erforderliche
  Kalorienmenge  von  816  erreicht.  Die  Vorzüge  eines  warmen
Mahles  —  Ersparung  von  Wärmeverlust,  Auregung  der  Sekretion  der
Verdauungssäfte  —  sind  für  jugendliche  Personen  von  ungleich  größerer
Wichtigkeit  als  für  erwachsene.  Aus  der  Tabelle  ist  auch  zu  ersehen,
daß  in  einzelnen  großen  Städten  und  Industrieorten  der  Prozentsatz
der  Kinder  mit  einem  kalten  Mittagessen  besonders  hoch  ist,  so  in
Lamburg  13,8,  Nowawes  15,4,  Wandsbek  und  Stötteritz  über  20  %.

ie  Ursachen  dieser  Erscheinung  sollen  später  noch  besprochen  werden.
In  der  Rubrik  mit  den  Daten  über  die  Kinder,  die  ein  warmes  Mittagessen
  bei  Privaten  oder  durch  öffentliche  Fürsorge  erhalten  —  8869,
d.  s.  2%  —  ist  die  Zahl  der  in  diesen  Städten  öffentlich  gespeisten
Schulkinder  angedeutet.

Die  vorangegangenen  Bemerkungen  über  den  Wert  eines  warmen
Mahles  treffen  natürlich  auch  für  das  Abendessen  zu.  Die  Gepflogenheit
  eines  kalten  Abendessens  scheint  auch  auf  schulpflichtige  Kinder
immer  mehr  ausgedehnt  zu  werden  —  46,7  %  ein  kaltes,  48,1  ein
warmes  Abendessen  im  allgemeinen,  wozu  noch  4,8  %  kommen,  die  als
Ersatz  für  ein  kaltes  Mittagessen  wenigstens  abends  ein  warmes  erhalten.
Dieses  warme  abendliche  Ersatzessen  bei  4,8  %%  der  Kinder  deckt  sich  für
die  Gesamtheit  der  73  Städte  so  ziemlich  mit  den  4,9  %  der  Kinder,
die  mittags  sich  mit  einem  kalten  Imbisse  begnügen  müssen.  Ein  erfreuliches
  Ergebnis,  das  auf  ein  gewisses  Verständnis  der  Eltern  für

ie  Notwendigkeit  einer  warmen  Hauptmahlzeit  schließen  läßt.  Für
einzelne  ergeben  sich  allerdings  Unterschiede,  so  erhalten  z.  B.  in