a.  Erhebungsresultate  für  einzelne  Städte.  87

Hamburg  3,2,  in  Wandsbek  9  und  in  Eisleben  2,3  %  der  Kinder
auch  abends  kein  warmes  Mahl.  Wenn  auch  die  Zahl  von  1055
Kindern,  d.  s.  0,4  %,  die  abends  hungrig  zu  Bette  gehen  müssen,  nur
ering  erscheint,  so  ist  es  doch  ein  überaus  trauriges  Symptom  der
Kot  mancher  Kinder  —  eine  Not,  an  deren  Behebung  nahezu  keine
Organisation  bisher  gedacht  hat.  Nur  in  den  Kinderhorten  zu  Berlin,
Hildesheim  und  Holzminden  erhalten  132  Kinder  auch  ein  Abendbrot.
Es  erübrigt  sich,  die  Ergebnisse  einer  Erhebung  der  Rektoren  sämtlicher
  Berliner  Gemeindeschulen  mit  den  von  uns  gewonnenen  Daten
einer  Besprechung  zu  unterziehen.  Über  die  Art  des  häuslichen  Frühstücks
  wurde  für  die  Gesamtheit  der  Berliner  Gemeindeschüler  keine
Erhebung  angestellt.  Man  wird  jedoch  mit  der  Annahme  nicht  fehlgehen,
  daß  die  von  Bernhard  für  einen  Stadtteil  gefundenen  Werte
—  73%  der  Kinder  Kaffee  mit  Milch,  26  %  Tee,  Kakao  oder  Suppe
—  für  Berlin  im  allgemeinen  Geltung  haben  dürften.  Diese  Zahlen
differieren  nicht  stark  von  den  für  eine  Reihe  von  Städten  ermittelten
Werten.  Die  Berliner  Erhebung  im  Dezember  1907  ergab,  daß
3265  Schüler,  d.  s.  1,4%  „  regelmäßig  oder  häufig  kein  häusliches  Frühstück
  erhielten.  Dieser  Prozentsatz  mit  unserem  Durchschnittswerte  von
0,6  verglichen,  zeigt  mehr  als  die  doppelte  Höhe  und  wird  uur  von
Hohenlimburg  mit  4,3,  Lüneburg  mit  2,9,  Weißenfels  mit  2%  überboten,
  von  Danzig  mit  1,5  %  nahezu  erreicht.  Die  Zahl  der  Kinder
in  Berlin,  die  regelmäßig  oder  häufig  ein  Mittagessen,  bestehend  aus
Suppe  oder  Gemüse  mit  oder  ohne  Fleisch  nicht  erhielten,  also  auf  einen
kalten  Imbiß  angewiesen  waren,  betrug  19  478,  d.  s.  8,5  %  der  gesamten
  Gemeindeschüler.  Auch  dieser  Wert  ist,  mit  dem  Durchschnittswerte
  4,9  %  verglichen,  bedeutend  höher,  wird  aber  von  Hamburg  mit
13,8  und  einigen  anderen  kleineren  Städten  übertroffen.  Ahnlich  wie
für  Hamburg  (3,2  %)  wurde  auch  bei  beiden  Erhebungen  im  Dezember
1907  und  März  1908  für  Berlin  gefunden,  daß  2,6,  bezw.  2,9  %  der
Gemeindeschüler  weder  mittags  noch  abends  ein  warmes  Mahl  erhielten.
Nach  dieser  Feststellung  der  Ernährungsverhältnisse  für  den  Winter
seien  nun  die  Ergebnisse  der  Erhebungen  für  den  Sommer  besprochen.
Bekanntlich  wurde  die  Bedürfnisfrage  für  die  wärmere  Jahreszeit  Es
kaum  erörtert,  und  nur  wenige  Speisungseinrichtungen  erstrecken  ihre
Wirksamkeit  auf  diese  Jahreszeit.  Erst  die  Feststellungen  Bernhards
für  einen  Stadtteil  Berlins  ließen  ähnliche  Ermittelungen  für  andere
Städte  sehr  wünschenswert  erscheinen.  Das  Resultat  derselben  ist  für  die
einzelnen  Städte  in  der  nächsten  Tabelle  XVb  zur  Darstellung  gebracht.
Die  Schlußziffern  für  Preußen,  die  anderen  Bundesstaaten  und  das
Reichzeigen  nur  unwesentliche  Unterschiedegegenüber  den  Wintererhebungen.
Der  Befund  Bernhards  für  Berlin  bestätigt  sich  also  für  52  Städte
und  dürfte  wohl  für  die  Gesamtheit  der  Städte  zutreffen.  Daß  die
Art  des  häuslichen  Frühstücks  für  die  verschiedenen  Jahreszeiten  Unterschiede
  aufweisen  sollte,  war  nicht  anzunehmen.  Überhaupt  kein  häusliches
  Frühstück  erhielten  im  Sommer  1%0  gegenüber  0,6%  im
Winter.  Diese  Differenz  ist  wesentlich  auf  die  im  Sommer  zum  großen
Teile  ausfallenden  Fürsorgeeinrichtungen  zurückzuführen.  Auffallend
(Fortsetzung  des  Textes  S.  92.)