e.  Allgemeiner  Ernährungszustand.  95

öffentliche  oder  private  Organisationen  Veranlassung  gaben,  stimmen
völlig  mit  der  Beantwortung  dieser  Fragen  im  Fragebogen  (S.71)  überein.
In  der  Besprechung  der  einzelnen  Erhebungsresultate  sind  wir  noch
in  keiner  Weise  auf  Punkt  IV  des  Fragebogens  eingegangen.  Hier  ist
die  Frage  gestellt,  wieviel  von  den  Schülern  im  Winter  und  Sommer  für
das  Schulfrühstück  in  der  Zehnuhr-Pause  einen  Imbiß  mitbringen
oder  diesen  durch  öffentliche  oder  private  Fürsorge  erhalten  oder  aus
irgend  einem  Grunde  ein  Schulfrühstück  entbehren  müssen.  Wenn  auch
diese  Fragen  keineswegs  von  untergeordneter  Bedeutung  sind,  so  erscheint
es  doch  vielleicht  unnötig,  die  Beantwortung  für  die  einzelnen  Städte
gesondert  anzuführen.  Als  Ergebnis  stellte  sich  heraus,  daß  für  87
preußische  Städte  im  Winter  6342,  d.  i.  3,2%  und  im  Sommer  7234,
d.  i.  4,38  ohne  irgend  welchen  Imbiß  für  das  Schulfrühstück  in  die
Schule  kommen  und  auch  nicht  durch  anderweitige  Fürsorge  ein  solches
erhalten.  Für  Berlin  wurden  im  Dezember  1907  3,1%  der  Schulkinder
ermittelt.  Für  32  Städte  der  anderen  Bundesstaaten  waren  es  für  den
Winter  5831,  d.  i.  10,8%,  für  den  Sommer  1759,  d.  i.  5,6  0,  die  sich
in  derselben  traurigen  Lage  befanden.  Der  Durchschnittswert  für  das
Reich  stellt  sich  im  Winter  auf  4,8%,  im  Sommer  auf  4.60%0;  der
Unterschied  ist  also  sehr  gering.  Trotz  des  etwas  geringeren  Wertes  für
den  Sommer  ist  die  Zahl  der  Kinder,  die  durch  öffentliche  oder  private
Fürsorge  ein  Frühstück  in  der  Zehnuhr-Pause  erhalten,  im  Winter  mit
1,4%  wesentlich  größer  als  im  Sommer  mit  0,2  %.  Auch  für  diese
rage  zeigt  es  sich  daher,  daß  die  Kinder  im  Winter  im  allgemeinen
chlechter  bedacht  sind  als  im  Sommer.

c.  Allgemeiner  Ernährungszustand.

Alle  bisher  erörterten  Fragen  gestatten  nur  bestimmte  Schlüsse  über
ganz  spezielle  Erscheinungen  wie  Mangel  einer  Mahlzeit,  Ursachen  hiervon,
  lassen  aber  keinen  Einblick  gewinnen,  ob  die  Ernährungsverhältnisse
  der  Schulkinder  im  allgemeinen,  auch  wenn  die  Kinder  daheim
regelmäßig  Mahlzeiten  erhalten,  in  ihrer  Gesamtwirkung  auf  den
Organismus  günstige  sind  oder  nicht.  Mit  Absicht  wurde  daher  im
Bunie  II  des  Fragebogens  der  allgemeine  Ernährungszustand  der

chulkinder,  und  zwar  möglichst  auf  Grund  ärztlicher  Untersuchung  zu
erforschen  gesucht.  Die  Schwierigkeit  dieser  Fragestellung  war  hierbei
keineswegs  unterschätzt,  namentlich  nicht  außer  acht  gelassen,  daß  ein
ungünstiger  Ernährungszustand  eines  Kindes  im  allgemeinen  keineswegs
von  unzulänglicher  Ernährung  allein  abzuhängen  braucht.  Das  allgemeine
  gesundheitliche  Verhalten  der  Schulkinder,  die  Wohnungsverhältnisse
  und  auch  hereditäre  Einflüsse  sind  bekanntlich  hier  von
großer  Bedeutung.  Die  Frage  selbst  ist  aber  eine  überaus  bedeutungsvolle,
  leider  von  den  Schulärzten  noch  ziemlich  stiefmütterlich  behandelt,
so  daß  die  Gewinnung  neuen  Materials  für  die  Vertiefung  dieser  Untersuchungsart
  nur  von  Nutzen  sein  konnte.  Stadtschularzt  Dr.  Gastpar
in  Stuttgart  hat  in  einem  Aufsatze  „Die  Beurteilung  des  Ernährungszustandes
  der  Schulkinder"1)  auch  die  Schwierigkeiten  der  Feststellungen

1)  Zeitschrift  für  Schulgesundheitspflege  Nr.  11  von  1908.