106  III.  Schülerspeisungen  im  Auslande.

Auslagen  für  die  Einrichtung  der  einzelnen  Schulkantinen  waren  keine
allzu  großen.  Sie  beschränkten  sich  auf  die  Aufstellung  eines  Herdes
in  einem  Raume  der  Schule,  oft  begnügt  man  sich  mit  dem  Hofraum.
Das  bewegliche  Inventar  besteht  aus  einfachen  Tischen,  zwei  emallierten
Schüsseln  für  jedes  Kind,  eine  zur  Suppe,  eine  fürs  Gemüse,  ein  Zinnteller
  für  das  Fleisch  und  aus  kleinen  Gabeln  und  Löffeln.  Teilweise
übernahmen  die  Schulkassen  selbst  die  Wirtschaftsführung  in  eigener
Regie,  zum  Teile  wurden  sie  Unternehmern  überlassen.  Im  Jahre  1900
bestanden  in  den  20  Stadtteilen  von  Paris  375  Kantinen,  darunter  37,
bezw.  35  in  dem  XIX.  und  XX.  Arrondissement.  Gewöhnlich  werden  in
der  einzelnen  Schulkantine  200  Kinder  gespeist.  An  5  Tagen  der  Woche
wird  ¼  Liter  Suppe,  Fleisch,  bestehend  aus  45  g  in  gekochtem  Zustande
mit  etwa  ¼  Liter  Gemüse  verabreicht,  am  Freitag  erhalten  die  Kinder
ein  Makkaronigericht.  Seit  1900  wurde  die  Fleischration  insoweit  erhöht,
als  nunmehr  auf  100  Kinder  statt  5  kg  6  kg  Rohfleisch  genommen
werden.  Der  Selbstkostenpreis  der  einzelnen  Portionen  schwankt  in  den
verschiedenen  Stadtteilen  von  7  Centimes  im  IV.  bis  25  Centimes  im
VIII.  Im  Mittel  ist  der  Herstellungspreis  für  eine  Portion  15,4  Centimes.
Die  Speisung  erfolgt  das  ganze  Jahr  hindurch.  Nach  Angaben  und
Berechnungen  sind  an  ungefähr  243  Schultagen  die  Schulkantinen  geöffnet.
  In  den  letzten  Jahren  sind  30—40000  Schulkinder  ständig  gespeist
  worden,  und  nach  einer  Angabe  für  den  März  1906  waren  es
38000.  Von  dieser  Zahl  entfallen  etwa  8000  auf  die  Kinder  von  Vorschulen
  im  vorschulpflichtigen  Alter.  Je  nach  der  Armut  in  den  einzelnen
Stadtteilen  von  Paris  ist  der  Prozentsatz  der  gespeisten  Kinder  überaus
verschieden;  er  differiert  von  3%  im  VIII.  Arrondissement  bis  zu  88%
im  XVIII.,  im  Mittel  sind  es  52%  .  Diese  außerordentlich  hohe  Zahl
gespeister  Schulkinder  beweist  eigentlich,  daß  die  Speisung  in  vielen

tadtteilen  fast  allgemein  ist  und  sich  keineswegs  allein  auf  wirklich
bedürftige  Schulkinder  erstreckt.  Ausdrücklich  muß  jedoch  betont
werden,  daß  die  Speisungseinrichtung  für  die  Kinder  öffentlicher  Schulen
allein  berechnet  ist  und  keineswegs  auf  die  Kinder  der  konfessionellen
aichuln.  die  nest  ebensoviele  Schüler  wie  öffentliche  Schulen  aufweisen,
ausgedehnt  ist.

Pesuche  um  Freispeisung  sind  einfach  an  die  Schuldirektion  zu  richten.
Waisen  haben  im  allgemeinen  das  Recht  auf  unentgeltliche  Speisung,
ebenso  tatsächlich  bedürftige  Familien,  wenn  sie  auch  nicht  der  Armenverwaltung
  unterstehen.  Gewöhnlich  wird  ein  Organ  der  Schulkasse
beauftragt,  den  Beruf  der  Eltern  sowie  auch  die  besonderen  Verhältnisse
  zu  erforschen.  Die  Freispeisung  wird  für  ein  Jahr  bewilligt.  In
der  nun  folgenden  kleinen  Tabelle  sind  die  wesentlichsten  Daten  über
die  Pariser  Schulkantinen  zusammengestellt.

Die  Entwickelung  der  Schulkantinen,  die  bedeutenden  Kosten  und
namentlich  die  Veränderungen  in  der  Zahl  der  unentgeltlich  verabfolgten
Portionen  sind  aus  der  Tabelle  zu  ersehen.  Besonders  bemerkenswert
erscheint,  daß  dieser  Prozentsatz  zu  Beginn  der  Institution  im  Nahre
1884/85  nur  34%  betrug,  in  den  späteren  Jahren  jedoch  von  Jahr  zu
Zahr  steigt  und  im  Jahre  1902  bereits  72%  erreichte.  Die  Kosten  der

chulkantinen  sind  mit  fast  1½/  Millionen  Franks  in  den  letzten  Jahren