116  III.  Schülerspeisungen  im  Auslande.

mangelnder  Ernährung  wegen  außerstande  sind,  aus  dem  ihnen
gebotenen  Unterrichte  vollen  Nutzen  zu  ziehen,  und  daß  zweitens  andere
als  öffentliche  Mittel  der  Schulbehörde  entweder  gar  nicht  zugängig
sind  oder  doch  nicht  genügend,  um  die  Kosten  einer  Schülerspeisung
zu  bestreiten.  Nach  diesem  Jahresberichte  besteht  jedoch  die  Absicht,
durch  eine  Umfrage  bei  den  Ortsschulbehörden  in  die  wesentlichsten
Ergebnisse  Einblick  zu  gewinnen,  um  auch  unter  Berücksichtigung  der
Ergebnisse  schulärztlicher  Uüberwachung  über  die  Wirkung  und  Ausgestaltungsmöglichkeiten
  des  Gesetzes  dem  Parlament  einen  Bericht
zu  erstatten.  Aus  diesem  Vorgehen  kann  entnommen  werden,  daß
elbst  die  oberste  Unterrichtsbehörde  über  den  Einfluß  des  Schulpei
  ungsgesebes  nicht  völlig  informiert  erscheint.  Wir  können  uns
daher  um  so  eher  mit  einigen  Daten  begnügen,  die  wir  Zeitungsnotizen
  entnommen  haben.

Für  London  wurde  ermittelt,  daß  im  Jahre  1906/07  die  Zahl  der
tatsächlich  gespeisten  Kinder  47794  betrug,  gegenüber  40  232  im  Schuljahre
  1904/05.  Eine  Angabe  verdient  besondere  Erwähnung,  nämlich
die,  daß  etwa  25  bis  30  04%  der  in  London  gespeisten  Kinder  Kleinkinder
  sind,  das  heißt  nach  unseren  Begriffen  noch  nicht  im  schulpbfüchtigen
  Alter  stehen.  Viel  erwähnt  wurde  in  der  Presse  auch  die

atsache,  daß  seit  Bestehen  des  Gesetzes  die  private  Wohltätigkeit  für
die  Aufbringung  der  Mittel  nicht  im  früheren  Umfang  einspringen
wollte  und  daß  daher  die  Londoner  Stadtverwaltung  genötigt  war,
nunmehr  aus  kommunalen  Mitteln  10  000  Pfund  Sterling  zu  bewilligen.
  Hinsichtlich  der  Organisation  ist  bemerkenswert,  daß  in
495  Schulen  Londons  Kinderfürsorgekomitees  gebildet  wurden,  die
die  Speisungseinrichtungen  ständig  überwachen  sollen.  In  Manchester
wurde  eine  Neuorganisation  der  Schulspeisung  mit  Beginn  des  Jahres
1908  in  die  Wege  geleitet.  Etwa  26  000  Schulkinder  wurden  von
Sanitätsbeamten  untersucht  und  rund  1200  hiervon  mit  Gutscheinen
versehen.  Hierbei  wurde  jedoch  festgestellt,  daß  eine  große  Zahl  von
Kindern,  deren  Eltern  ihrem  Einkommen  nach  nicht  bedürftig  waren,
Zeichen  einer  unzweckmäßigen  Ernährung  aufwiesen.  Mit  dieser
Feststellung  ist  aber  erst  ein  Teil  der  Schulkinder  Manchesters  erfaßt.
Im  vergangenen  Winter  dürften  noch  weitere  Armenbezirke  einbezogen
  worden  sein.  Die  für  die  Kinder  gewählte  Kost  soll,  obwohl
nicht  kostspielig,  gleichzeitig  nahrhaft  und  leicht  verdaulich  sein.  Augenblicklich
  wird  mit  acht  verschiedenen  Mahlzeiten  abgewechselt.  Auch
in  Liverpool  wurde  ein  Spezialkomitee  zur  Erforschung  der  Ernährungsverhältnisse
  der  Schuljugend  eingesetzt,  das  seine  Nachforschungen
hauptsächlich  auch  auf  Schulkinder  der  ärmeren  Bezirke  richtete.  Nach
den  Erfahrungen  des  Komitees  soll  unpassende  und  ungenügende
Ernährung  sehr  allgemein  und  durchaus  nicht  auf  die  ärmsten  Volksschichten
  beschränkt  sein.  In  ärmeren  Haushaltungen  werden  vielfach
Lebensmittel  verschwendet:  die  Mütter  sind  hauswirtschaftlich  äußerst
mangelhaft  vorgebildet  und  für  Belehrungen  höchst  dankbar.  Bei
den  Beratungen  des  Stadtrats  wurde  vielfach  hervorgehoben,  daß
die  Gruppe  der  vorschulpflichtigen  Kinder  mindestens  dieselbe  Beachtung
verdiene  wie  die  der  schulpflichtigen.  Man  sehe  nur  zu  oft  gespeiste