Andere  Staaten.  117

Kinder  nach  Hause  laufen,  um  das  eben  erhaltene  Essen  mit  ihren
jüngeren  vorschulpflichtigen  Geschwistern  zu  teilen.

Am  umfangreichsten  scheint  jedoch  die  Schulspeisung  in  der  kleineren
Industriestadt  Brad  ford  eingeführt  zu  sein.  Etwa  1000  Kinder  erhalten
Winter  und  Sommer  täglich  Frühstück  und  Mittagessen  und  werden  in
bestimmten  Zeitabschnitten  gewogen,  um  den  Effekt  dieser  öffentlichen
Speisung  konstatieren  zu  können.  An  einzelnen  Kindern  wurde  dabei
auch  der  Erfolg  der  Speisung  durch  Wägung  festgestellt,  diese  mit
schlecht  ernährten  Kindern  verglichen  und  dabei  natürlich  eine  beträchtliche
  Zunahme  des  Körpergewichts  bei  den  gespeisten  Kindern  gefunden.
  Für  die  gespeisten  Kinder  wurde  noch  festgestellt,  daß  sie
eine  Zeitlang  auf  die  häusliche  Ernährung  beschränkt,  wieder  schnell
an  Gewicht  abnahmen.  Unter  den  Ursachen,  die  zur  öffentlichen
Speisung  Veranlassung  gaben,  scheint  Arbeitslosigkeit  des  Vaters  sehr
häufig  vorzukommen.  Diese  wenigen  Angaben  über  den  Erfolg  des
englischen  Schulspeisungsgesetzes  in  einzelnen  Städten  müssen  leider
bis  zum  Erscheinen  des  Parlamentsberichts  genügen.

Andere  Staaten.
Osterreich.

Sehr  ausgedehnt  ist  die  Schulkinderspeisung  in  Wien.  Die  Durchführung
  hat  dort  seit  1887  ein  Zentralverein  zur  Beköstigung
armer  Schulkinder  in  die  Hand  genommen.  Dieser  Verein  bezweckt,
arme  Schulkinder  mit  Mittagskost  zu  versehen,  und  zwar  a)  durch  Errichtung
  von  Schulküchen,  in  denen  unentgeltliche  Beköstigung  von  armen
Schulkindern  erfolgt,  b)  durch  Verabreichung  von  Kostmarken  der
Volksküchen,  c)  durch  Zuweisung  von  Freitischen  in  Familien  und
d)  durch  Zahlung  des  Kostgeldes  für  einzelne  Schulkinder  an  die  diese
beköstigenden  Privaten  und  Anstalten.  Lokalkomitees  in  den  einzelnen
Stadtbezirken  haben  die  Aufgabe,  die  bedürftigen  Schulkinder  auszuforschen,
  die  einzelnen  Schulküchen  zu  beaufsichtigen  und  weitere
Verfügungen  zu  treffen.  Die  Notwendigkeit  der  Institution  wird
mit  der  mangelhaften  Ernährung  vieler  Schulkinder  in  den  Wintermonaten
  begründet,  in  denen  viele  der  im  Tagelohne  beschäftigten
Eltern  arbeitslos  sind.  Die  Leistungen  des  Vereins  haben  dadurch
an  Umfang  stark  zugenommen.  1887  erhielten  2800  bedürftige  Schulkinder
  Speisung,  1893:  5000,  1902:  9000  und  1905:  10  000.  Zurzeit
sind  40  Schulkinderspeisestellen  in  den  einzelnen  Stadtbezirken  errichtet,
  und  zwar  23  in  den  Schulen  selbst,  die  restlichen  in  den  Volksküchen
  und  sonstigen  Speisestellen.  In  den  Schulen  wird  der  Turnsaal
  als  Speiseraum  benützt,  und  der  Schuldiener,  unterstützt  von  einigen
dazu  geeigneten  Schulkindern,  besorgt  die  Verteilung  der  Speisen,  die
in  großen  Transportgeschirren  aus  den  Volksküchen  herbeigeschafft
werden.  In  Zukunft  sollen  sämtliche  Speisungsstellen  in  die  Schulen
verlegt  werden.  Eine  Bezahlung  der  Kost  durch  die  Kinder  findet  in
keinem  Falle  statt;  die  Kosten  der  Speisung  betrugen  im  Jahre  1905/06